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Campaignwatch: Wie Obama und Romney die Soldaten und Veteranen umwerben – und warum

29. Mai 2012
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Gestern war in den USA Memorial Day, ein Feiertag, der jedes Jahr am letzten Montag im Mai zu Ehren der im Krieg für das Vaterland Gefallenen begangen wird. Und natürlich nutzten beide Präsidentschaftskandidaten diesen Anlass, um sich als patriotische Unterstützer der amerikanischen Truppen zu präsentieren. Neben den Gedenkveranstaltungen, an denen Obama und Romney teilnahmen, veröffentlichte Romney gestern auch ein Web-Video („Thank You“), das sich speziell an die US-Soldaten und -Veteranen richtete. Obama hatte seinen Veteranen-Spot bereits einige Tage zuvor veröffentlicht:

Für die Gedenkveranstaltung in San Diego holte sich Romney die Unterstützung von John McCain, einem der größten noch lebenden Kriegshelden der USA. Die kann er durchaus brauchen: Denn genau wie Obama fehlt Romney eine militärische Vergangenheit. Das klingt für uns Deutsche zwar wenig spektakulär, wird es aber dann, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es sich dabei um eine Premiere handelt: Denn seit dem Zweiten Weltkrieg ist immer mindestens einer der beiden Präsidentschaftskandidaten in den USA ein Veteran gewesen.

Diese Premiere ist keineswegs unbedeutend: Denn die Soldaten und Veteranen stellen einen bedeutenden Teil der Wählerschaft in den USA dar. Etwa jeder vierte männliche Amerikaner hat zeitweise im Militär gedient, in den älteren Jahrgängen steigt dieser Prozentsatz (aufgrund der von 1940 bis 1973 geltenden Wehrpflicht) sogar auf 45 bis 73 Prozent, wie diese aktuelle Gallup-Statistik zeigt:

Anteil der Veteranen an der erwachsenen Bevölkerung (in Prozent)

Quelle: gallup.com

Für die beiden Präsidentschaftskandidaten besteht also durchaus ein Anlass, sich um ihr Image bei den Veteranen zu sorgen. Traditionell neigen diese eher dem republikanischen Kandidaten zu. So auch dieses Mal: Wie eine aktuelle Gallup-Umfrage zeigt, bevorzugen 58 Prozent der Veteranen Romney als Präsidenten und nur 34 Prozent Obama. Damit ist der Abstand aktuell sogar noch größer als bei der Wahl 2008, bei der Obama 42 Prozent der Stimmen aller Veteranen erhielt und McCain 57 Prozent. Angesichts des Status‘ von McCain als Kriegsheld, der Tötung Osama Bin Ladens durch Obama und seinem Einsatz (und dem seiner Frau und seines Vizepräsidenten) für eine bessere Versorgung von Veteranen kann dies als durchaus überraschend bezeichnet werden.

Die Gallup-Umfrage zeigt weiterhin: Bei den Nicht-Veteranen führt Obama mit 48 zu 44 Prozent. Und: Interessanterweise gilt der „Veteranen-Bonus“ von Romney nur für männliche Veteranen. Bei den weiblichen Veteranen führt Obama mit 47 Prozent zu 42 Prozent und damit nur geringfügig schwächer als bei allen befragten Frauen (49 zu 42 Prozent). Schon 2008 zeigte sich zudem: Die Unterstützung Obamas auch bei den Veteranen steigt mit abnehmendem Alter. So lag Obama 2008 bei den Veteranen unter 60 Jahren sogar vor McCain.

Da der Anteil der Veteranen in der US-Bevölkerung durch die Abschaffung der Wehrpflicht im Jahr 1973 stetig sinkt und sich die Veteranen dadurch immer gleichmäßiger über alle Altersgruppen verteilen, dürfte der „Veteranen-Bonus“ der Republikaner zumindest in zukünftigen Präsidentschaftswahlen immer geringer ausfallen. Falls nicht wieder einmal ein Kriegsheld wie John McCain gegen einen Nicht-Veteranen wie Obama antritt.

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