Skip to content

Campaign History: „Si!“ vs. „No!“ – Ein spannendes Stück Wahkampfgeschichte aus Chile

11. März 2013

Am Wochenende war ich in dem Film „No!“ von Pablo Larraín, mit Gael García Bernal in der Hauptrolle. Und obwohl der Film teilweise etwas langatmig und sperrig geraten ist (um möglichst authentisch zu wirken, wurde der Look des Films den späten 80er Jahren angepasst, also 4:3-Format und Homevideo-Bildqualität), habe ich es nicht bereut. Denn der Film erzählt von einem wirklich spannenden Stück Wahlkampfgeschichte.

Um diese zu erläutern, muss ich kurz ein wenig ausholen: In Chile herrschte in den 1980er Jahren der Militär-Diktator Augusto Pinochet, der sich 1973 an die Macht geputscht hatte. Während seiner Regierungszeit wurden zahllose Regimekritiker gefoltert und getötet (unter anderem wurden diese mit Flugzeugen übers Meer geflogen und dort hinausgeworfen). Ende der 1980er Jahre nahm dann der außenpolitische Druck auf Pinochets Militär-Regierung so stark zu, so dass sich diese dazu entschloss, ein Referendum über eine weitere Amtszeit Pinochets abzuhalten.

Und genau da wird es spannend, weshalb hier auch der Film „No!“ einsetzt. Er erzählt die Geschichte des Wahlkampfs, der von Pinochets Regierung mit folgenden Regeln belegt wurde: An den 27 Tagen vor der Volksabstimmung durften die beiden Seiten – also „Si!“- und „No!“-Kampagne – jeweils 15 Minuten Sendezeit im Fernsehen für ihre jeweiligen Botschaften verwenden. Das war natürlich an sich schon höhnisch, da der Regierungskampagne darüber hinaus natürlich auch fast die gesamte restliche Sendezeit sowie fast alle anderen Medien des Landes zur Verfügung standen, aber es war für die Opposition trotzdem seit Langem die erste Möglichkeit, sich über das Fernsehen an das gesamte Volk zu richten.

Obwohl viele Oppositionelle das Referendum für ein abgekartetes Spiel hielten, formierte sich eine Gruppe von Leuten, die die täglichen 15 Minuten Sendezeit so gut wie möglich nutzen wollten, um das Volk auf die Notwendigkeit (und Möglichkeit) zum politischen Wechsel hinzuweisen. Interessant ist dabei, dass ihre Kampagne letztlich so erfolgreich war, dass selbst die korrupte Pinochet-Regierung am Ende nicht mehr leugnen konnte, dass sich bei der Abstimmung eine Mehrheit der Chilenen (offiziell 55 Prozent, in Wahrheit vermutlich deutlich mehr) gegen eine weitere Amtszeit Pinochets ausgesprochen hatte.

Und wie gelang dieses kleine (oder sogar große) Wunder? Offensichtlich, in dem man nicht nur auf eine Anklage Pinochets und seiner Verbrechen setzte, sondern v.a. auch auf positive Botschaften und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, symbolisiert u.a. durch den Regenbogen im Kampagnen-Logo sowie eine schmissige Hymne, unterlegt mit Gute-Laune-Bildern:

Zugegeben: Die Spots der Kampagne wirken dabei für heutige Zuschauer irgendwie unfreiwillig komisch – insbesondere, wenn man sich vergegenwärtigt, unter welch grausamem Regime die Chilenen damals zu leiden hatten. Das Ganze wirkt doch mehr wie eine Werbung für einen Tanzkurs oder eine große Dorfsause – und nicht wie ein Wahlkampfspot gegen einen grausamen Militär-Diktator. Aber letztlich hat die Kampagne zum Erfolg und zum Sturz von Pinochet geführt – und damit auch zu einem eindrucksvollen Beleg für die (potenzielle) Wirkmächtigkeit von (positiven) Wahlkampagnen.

P.S.: Den Werber René Saavedra, den Gael García Bernal in „No!“ spielt, gab es übrigens nicht wirklich. Er basiert auf dem Leben von mehreren Menschen, die bei der Kampagne mitgearbeitet haben, wie García Bernal in diesem Interview mit Spiegel Online erläutert.

No comments yet

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: