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Neues aus der Forschung: Die Wahlprogramme in Niedersachsen im Vergleich, Teil 3: Thematische und begriffliche Schwerpunkte

17. Januar 2013

So, nun zum dritten und letzten Teil der Wahlprogramm-Analyse zur Landtagswahl in Niedersachsen. Dieses Mal geht es um die thematischen und begrifflichen Schwerpunkte der sechs untersuchten Parteien.

Thematische Schwerpunkte

Zu den wichtigsten Themen in den niedersächsischen Wahlprogrammen gehören die Bildungs-, die Energie und die Wirtschaftspolitik. Mindestens zwei von ihnen gehören bei jeder Partei zu den Top5-Themen. Wie fast immer bei Landtagswahlen liegt den Parteien vor allem die Bildungspolitik am Herzen: Bei vier von sechs Parteien liegt das Thema auf Platz 1. Hier gibt es aber auch die erste Überraschung: Ausgerechnet bei der SPD – bei der das Thema Bildung traditionell im Vordergrund steht – ist nicht die Bildungspolitik, sondern die Energiepolitik das Top-Thema. Anders als bei den Grünen, bei denen man eher die Energiepolitik auf Platz 1 vermutet hätte.

Ebenfalls überraschend: Bei der CDU liegt die Wirtschaftspolitik relativ abgeschlagen auf dem fünften Platz – noch hinter der Kulturpolitik. Ähnlich wie die Bildungspolitik bei der SPD ist die Wirtschaftspolitik sonst ein klassisches Stärkenthema der Christdemokraten. Weitere Auffälligkeiten: Nur bei der Linkspartei spielt die Gleichstellungspolitik eine wichtige Rolle, hier landet sie aber sogar auf dem zweiten Platz hier der Bildungspolitik. Am deutlichsten hebt sich jedoch das Programm der Piratenpartei von den übrigen Parteien ab: Hier finden sich gleich drei Themen unter den Top5, die bei keiner der anderen Parteien eine wichtige Rolle spielen (Gesundheitspolitik, Verbraucherschutzpolitik, Demokratie).

(Aus Platzgründen werden hier nur die Themen-Schwerpunkte von CDU und SPD grafisch dargestellt, die Themen-Schwerpunkte der übrigen vier Parteien finden sich in der Ergebnis-Präsentation zum Wahlprogramm-Check Niedersachsen ab Seite 61.)

Abbildung 1: Themen-Schwerpunkte im CDU-Wahlprogramm (Langfassung)

Top5-Themen_CDU

* Die Prozente geben den Anteil des jeweiligen Themas im Verhältnis zum Gesamtprogramm an.

Abbildung 2: Themen-Schwerpunkte im SPD-Wahlprogramm (Langfassung) Top5-Themen_SPD

* Die Prozente geben den Anteil des jeweiligen Themas im Verhältnis zum Gesamtprogramm an.

Begriffliche Schwerpunkte

Bei den begrifflichen Schwerpunkten zeigen sich keine dramatischen Unterschiede zwischen den Parteien. Auffällig ist allerdings, dass die SPD bereits sehr häufig eine mögliche „SPD-Landesregierung“ erwähnt. Hervorstechend ist zudem die häufige Verwendung der Wörter „müssen“, „sollen“ bzw. „mehr“ bei Grünen und Piraten.

Ein weiterer Unterschied zwischen den Parteien zeigt sich bei der Häufigkeit der Nennung des eigenen Parteinamens. Während FDP, Grüne und Linke hier sehr selbstbewusst agieren, halten sich CDU, SPD und Piratenpartei in Bezug auf den eigenen Parteinamen eher zurück. Gemeinsam ist schließlich allen Programmen, dass „Niedersachsen“ und seine „Menschen“ stark im Vordergrund stehen.

(Aus Platzgründen werden hier nur die Themen-Schwerpunkte von CDU, SPD, Grünen und Piratenpartei grafisch dargestellt, die Themen-Schwerpunkte der übrigen Parteien finden sich in der Ergebnis-Präsentation zum Wahlprogramm-Check Niedersachsen ab Seite 67.)

Abbildung 3: Begriffliche Schwerpunkte im CDU-Wahlprogramm (erstellt mit wordle.net)

Wordle_CDU

Abbildung 4: Begriffliche Schwerpunkte im SPD-Wahlprogramm (erstellt mit wordle.net)

Wordle_SPD

Abbildung 5: Begriffliche Schwerpunkte im Grünen-Wahlprogramm (erstellt mit wordle.net)

Wordle_Gruene

Abbildung 6: Begriffliche Schwerpunkte im Piraten-Wahlprogramm (erstellt mit wordle.net)

Wordle_Piraten

Fazit

Begrifflich unterscheiden sich die Parteien kaum voneinander. Selbst bei den Piraten, die sich zumindest thematisch von den übrigen Parteien abheben, dominieren sehr ähnliche Begriffe wie bei allen anderen Parteien. Überraschend fallen hingegen einige Themen-Schwerpunkte aus: So setzt die SPD – anders als erwartet – v.a. auf Energiepolitik und nicht so sehr auf Bildungspolitik. Bei der CDU hingegen überrascht die geringe Bedeutung der Wirtschaftspolitik im Wahlprogramm – und die zugleich große Bedeutung der Kulturpolitik. Besondere Akzente setzt schließlich die Piratenpartei mit den Exoten-Themen Gesundheitspolitik, Verbraucherschutzpolitik und Demokratie.

Bisherige Teile der Wahlprogramm-Analyse:

Weiterführende Literatur:

Kercher, Jan / Brettschneider, Frank (2011): Nach der Wahl ist vor der Wahl? Themenschwerpunkte und Verständlichkeit der Parteien vor und nach der Bundestagswahl 2009. Niedermayer, Oskar (Hrsg.): Die Parteien nach der Bundestagswahl 2009.  Wiesbaden: VS Verlag, S. 325-353.

2 Kommentare leave one →
  1. Marque permalink
    17. Januar 2013 15:16

    Irgendwie vermiss ich hier zwei Schwerpunktgrafiken die in der Quelle vorhanden sind :(

    • 18. Januar 2013 07:45

      Hallo,

      welche beiden Schwerpunktgrafiken vermissen Sie denn genau? :-) Eigentlich fehlen ja sogar vier, aber wenn ich alle eingefügt hätte, dann wäre der Beitrag eben sehr voll mit Grafiken gewesen, weshalb ich darauf verzichtet habe, weil jeder Interessierte ja alle Grafiken in der Ergebnis-Präsentation anschauen kann, mit einem kurzen Klick auf das PDF.

      Beste Grüße
      Jan Kercher

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