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Campaignwatch: Britischer Werberat verbietet Werbespot von SodaStream – wegen „Verunglimpfung“ der Getränkeindustrie

29. November 2012

Das ist heftig: Clearcast, der britische Werberat (zuständig für die Prüfung der Sendetauglichkeit von TV-Spots) hat den aktuellen Werbespot von SodaStream aus dem Verkehr gezogen. Und zwar mit dem Argument, dass der Spot eine Verunglimpfung („denigration“) der Getränkeindustrie darstelle. Der Getränkeindustrie? Oder doch eher von Coca Cola? Denn in dem Spot zerplatzen jede Menge rot etikettierter Flaschen, die stark an Coca Cola-Flaschen erinnern. Botschaft: Mit der Benutzung von SodaStream kann jeder pro Jahr 2000 Plastikflaschen einsparen („If you love the bottles, set them free.“). Auf YouTube wurde der Spot bereits über eine Millionen Mal angeklickt seit dem 8. November:

Hier die offizielle Begründung des Verbots von Clearcast:

The majority decided that the ad could be seen to tell people not to go to supermarkets and buy soft drinks, instead help to save the environment by buying a SodaStream. We thought it was denigration of the bottled drinks market.

Um es vorsichtig auszudrücken: Ich finde das eine äußerst fragwürdig begründete Entscheidung von Clearcast. Ich kann mir kaum vorstellen, dass der deutsche Werberat einen vergleichbaren Spot rügen würde (die Möglichkeit, den Spot zu verbieten, hätte er ohnehin nicht). Denn wenn man dieser Argumentation folgen würde, dann müsste eigentlich jede vergleichende Werbung untersagt sein, denn dabei handelt es sich ja immer auch in gewisser Weise um eine Verunglimpfung der Konkurrenz. Soweit ich weiß, ist vergleichende Werbung aber in Großbritannien nicht verboten (ebensowenig wie in Deutschland, wo das Verbot für vergleichende Werbung vor einigen Jahren abgeschafft wurde).

Ich kann die Empörung des SodaStream-CEOs Daniel Birnbaum deshalb gut nachvollziehen: „Unseren Spot als Verunglimpfung zu bezeichnen ist einfach absurd“, zitiert ihn W&V. Der Deutschland-Geschäftsführer von SodaStream, Henner Rische, geht noch ein wenig weiter und bezeichnet die Entscheidung von Clearcast als „verstörend für eine demokratische Gesellschaft“.

Ich schließe mich dieser Einschätzung an: Wenn man auch Werbespots als Teil der demokratischen Willensbildung ansieht (was gerade in einem Fall wie dem SodaStream-Spot naheliegt), dann sollte die Latte für ein Verbot sehr hoch liegen. Und bei der Entscheidung von Clearcast lag die Latte meiner Meinung nach eindeutig zu niedrig. Sollte das Clearcast-Urteil auch noch auf Betreiben von Coca Cola zustandegekommen sein (was im W&V-Beitrag vermutet wird), hätte das Ganze noch einen sehr viel faderen Beigeschmack. Dann wäre der demokratische (und äußerst schützenswerte) Willensbildungsprozess aufgrund der Einflussnahme eines Großkonzerns beeinträchtigt worden.

P.S.: Das Ganze hat übrigens auch eine Vorgeschichte. Schon im Juni war eine Aktion von SodaStream auf Kritik von Coca Cola gestoßen. Damals ging es um Käfiginstallationen mit leeren Plastikflaschen, die von SodaStream an über 20 Orten weltweit ausgestellt wurden, u.a. auf verschiedenen Flughäfen (siehe Video unten). Schon damals drohte Coca Cola mit rechtlichen Schritten, allerdings ohne Erfolg.

Sehr viel heftiger als die Käfig-Aktion und den aktuellen SodaStream-Spot finde ich übrigens das folgende Web-Video von SodaStream, in dem u.a. rote Dosen vorkommen, die ebenfalls stark an Cola-Dosen erinnern. Hier trifft der Vorwurf „Verunglimpfung der Getränkeindustrie“ aus meiner Sicht jedenfalls sehr viel eher zu als bei dem lustigen Explosionsspot (was aus meiner Sicht trotzdem kein Verbot rechtfertigen würde). Aber dieses Video lief vermutlich nicht im Fernsehen und konnte deshalb auch nicht von Clearcast oder ähnlichen Organisationen in anderen Ländern verboten bzw. gerügt werden:

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