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Campaignwatch: „Tired of stereotypes“ – Anti-Einwanderungsspot überrascht mit afro-amerikanischem Hauptdarsteller

30. Oktober 2012
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Ich bin vor ein paar Tagen auf einen Wahlspot von „NumbersUSA“ gestoßen, einer Organisation, die sich für die Absenkung der Einwanderungszahlen in den USA einsetzt. Das Besondere an dem Spot: Der Hauptdarsteller ist ein Afro-Amerikaner. Damit will ich nicht sagen, dass Afro-Amerikaner nicht auch gegen eine liberale Einwandungspolitik sein können, aber normalerweise rechnet man in solchen Spots wohl eher mit dem klassischen WASP, also einem „White Anglo-Saxon Protestant“ und nicht mit einem Vertreter einer (benachteiligten) Minderheit.

Wieso eigentlich, habe ich mich dann gefragt. Vermutlich, weil man Anti-Einwanderungsspots mit fremden- oder minderheitenfeindlichen Einstellungen verbindet und diese wiederum in den USA v.a. bei weißen Amerikanern vermutet und nicht bei Afro-Amerikanern. Da liegt die Vermutung natürlich nahe, dass genau diese Erwartungen der Grund für die Besetzung des Hauptdarstellers gewesen sein könnten. Denn wenn ein Afro-Amerikaner für eine striktere Begrenzung der Einwanderungszahlen ist, dann kann das doch eigentlich nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun haben, oder?

Mich hat der Spot jedenfalls ziemlich beschäftigt, weil er zu unangenehmen und ziemlich sensiblen Fragen führt. Zum Beispiel zu der Frage, ob es nicht eigentlich sogar naheliegend ist, wenn man als Teil einer benachteiligten Minderheit gegen eine liberale Einwanderungspolitik ist, weil diese ja tendenziell dazu führt, dass noch mehr benachteiligte Minderheiten entstehen, die die Konkurrenz um den gesellschaftlichen Aufstieg noch weiter verschärfen. Womit ich keine fremdenfeindlichen Einstellungen verteidigen, sondern sie besser verstehen will.

Der Spot erinnert mich zudem an einen berühmt-berüchtigten „Klassiker“ der amerikanischen Wahlkampf-Geschichte, den „Hands“-Spot von Jesse Helms aus dem Jahr 1990. Jesse Helms war damals der amtierende Senator von North Carolina und bewarb sich um eine weitere Amtszeit, lag aber kurz vor der Wahl in den Umfragen deutlich hinter seinem demokratischen (und afro-amerikanischen) Herausforderer Harvey Gantt zurück. Da seine Berater jedoch mit Hilfe einer Befragung herausgefunden hatten, dass Gantts Unterstützung der „affirmative action“ bei vielen Wählern unpopulär war, wurde der folgende Spot produziert:

Der Spot stellt in gewisser Weise also den Gegenentwurf zum NumbersUSA-Spot dar, da er im Gegensatz zu diesem mit einer erwartungsgemäßen Konstellation arbeitet: Ein minderheitenfeindlicher Spot, der von einem weißen Politiker gegen einen afro-amerikanischen Politiker eingesetzt wird. Und das auch noch sehr erfolgreich: Helms konnte anschließend seinen Rückstand in den Umfragen wieder aufholen und gewann die Wahl schließlich auch. Dass der „Hands“-Spot hieran entscheidenden Anteil hatte, lässt sich zwar nicht eindeutig nachweisen, liegt aber angesichts der zeitlichen Verknüpfung beider Ereignisse sehr nahe.

Dem Spot von „NumbersUSA“ wird wohl keine ähnlich wahlentscheidende Bedeutung zukommen. Schließlich handelt es sich um einen reinen Issue-Spot, der nicht zur Wahl oder Abwahl eines bestimmten Politikers aufruft. Relevant finde ich den Spot trotzdem. Weil er zeigt, dass das Thema Immigration in den USA nach wie vor ein Wahlkampfthema ist – wenn auch ein zur Zeit wenig beachtetes. Und dass sich bei diesem Thema sehr leicht benachteiligte Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausspielen lassen…

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