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Campaignwatch: Wird Ohio 2012 ähnlich entscheidend wie Florida im Jahr 2000? Im Moment sieht es ganz danach aus…

29. Oktober 2012
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Wir erinnern uns: Im Jahr 2000 wurde die US-Präsidentschaftswahl durch einen Vorsprung von gerade einmal 537 Stimmen von George W. Bush in Florida entschieden (wobei nicht nur demokratische Beobachter bis heute anzweifeln, ob bei der Stimmenauszählung damals alles mit rechten Dingen zuging). Dieses Trauma sitzt bei den Demokraten bis heute tief – insbesondere, weil es mit dem Trauma verbunden war, im ganzen Land eigentlich mehr Stimmen erhalten und die Wahl trotzdem verloren zu haben (aufgrund der geringeren Zahl an Wahlmännerstimmen aus den Bundesstaaten).

Sehr schön wird dieses Trauma in folgendem aktuellen TV-Spot von Obama aufgegriffen und als Warnung an Wähler gerichtet, die meinen könnten, dass ihre Stimme ja sowieso nichts am Wahlausgang ändere:

Momentan sieht es allerdings kaum so aus, als würde Florida in diesem Jahr eine ähnlich entscheidende Rolle zukommen wie im Jahr 2000. Denn erstens deuten die aktuellen Umfragen darauf hin, dass Romney den Bundesstaat mit einem etwas deutlicheren Vorsprung gewinnen könnte als Bush 2000 und zweitens braucht Obama Florida aller Voraussicht nach nicht, um eine Mehrheit der Wahlmännner auf sich zu vereinen (und falls er Florida doch noch gewinnen sollte, hat er den Wahlsieg wohl ohnehin schon in der Tasche).

Entscheidender wird in diesem Jahr deshalb wohl Ohio sein. Ohio ist für beide Kandidaten eine Art „Must-Have“. Nate Silver von fivethirtyeight bezifferte die Bedeutung von Ohio vor wenigen Tagen folgendermaßen: „Ohio is central enough in the electoral math that it now seems to matter as much as the other 49 states put together“. Aktuell führt Obama in den Umfragen aus Ohio zwar im Durchschnitt mit etwa zwei Prozentpunkten. Allerdings wurde dort am vergangenen Samstag eine (seriöse) Umfrage veröffentlicht, die ein exaktes Unentschieden von Obama und Romney prognostiziert.

Es könnte am Ende also doch noch sehr knapp und spannend werden in Ohio. Das wissen auch Obamas Unterstützer (in diesem Fall: SEIU COPE). Und haben deshalb schon einmal einen Web-Spot produziert, der die Wähler in Ohio vor pro-republikanischen Gruppen wie dem „Voter Integrity Project“ oder „True The Vote“ warnt. Diese Gruppen würden sich zwar mit unparteilich erscheinenden Bezeichnungen schmücken, aber trotzdem unwahre und parteiliche Informationen zu den benötigten Nachweisen für eine Wahlteilnahme verbreiten (um typischerweise demokratisch wählende BürgerInnen von der Wahl abzuhalten):

In dieselbe Kerbe schlug ja auch schon die „Let My People Vote„-Aktion von Sarah Silverman, über die ich hier bereits berichtet hatte. Was mich wiederum zu dem Gedanken bringt: Wie verkommen ist die politische Kultur eines Landes, wenn solche Methoden offensichtlich wirklich in größerem Stil eingesetzt werden? Oder anders gefragt: Sollte die EU vielleicht auch einmal Wahlbeobachter in die USA entsenden?

P.S.: Was bei alldem allerdings nicht verschwiegen werden sollte: Auch ohne Ohio könnte es für Obama durchaus noch zum Wahlsieg reichen, wie Nate Silver in einem aktuellen Blog-Beitrag auf der Grundlage aktueller Umfrage-Ergebnisse erläutert. Dann würde die wahlentscheidende Rolle wohl Virginia zukommen…

P.P.S.: Was ebenfalls eine nicht ganz unwahrscheinliche Variante des Wahlausgangs ist: Obama gewinnt die nötige Mehrhet der Wahlmännerstimmen, erhält aber insgesamt weniger Wählerstimmen als Romney. Also wie im Jahr 2000, nur dieses Mal mit gutem Ausgang für die Demokraten. Für diese Variante spricht, dass Obama bislang zwar in den Swing State-Umfragen vorne liegt, aber in den bundesweiten Umfragen teilweise hinter Romney liegt. Sollte es tatsächlich zu solch einem Ergebnis kommen, würde das wohl zwangsläufig wieder zu einer neuen Diskussion über eine Reform des Wahlsystems in den USA führen. Denn schon jetzt ist eine Mehrheit von über 60 Prozent der Amerikaner für eine Abschaffung des Wahlmännergremiums – und seit Kurzem auch eine knappe Mehrheit der republikanischen Anhänger.

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