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ResearchWatch: Der YouTube-Wahlkampf von Obama und Romney – Oder: Wenn die Dreckschleuder schon mal ausgepackt ist…

12. Oktober 2012
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Im Juni und im August hatte ich mich hier schon einmal dem YouTube-Wahlkampf von Obama und Romney (und ihren jeweiligen Parteien und Unterstützergruppen) gewidmet. Nun haben wir Oktober und es ist mal wieder Zeit für ein kleines Update. Zunächst mal ein Blick auf die pure Menge der veröffentlichten YouTube-Spots. Da ist mir im Lauf des Septembers schon aufgefallen, dass Obamas Wahlkampf-Team ganz besonders fleißig war. Und tatsächlich: So groß wie im September war der Vorsprung von Obama bei der Anzahl der veröffentlichten YouTube-Videos noch nie (im hier betrachteten Zeitraum seit Mai 2012).

Abbildung 1: Anzahl der veröffentlichen YouTube-Videos pro Monat, nach YouTube-Kanal

Während sich die Zahl der veröffentlichten Videos bei Romney seit Mai gerade einmal von 18 auf 43 erhöht hat, ist sie bei Obama im selben Zeitraum von 63 auf mittlerweile 152 Videos gestiegen. Das sind also etwas über fünf Videos pro Tag (!) im September. Auffällig ist zudem die Entwicklung bei der demokratischen Parteizentrale (DNC): Hier stieg der Zahl der veröffentlichten Videos zunächst von Mai bis Juli deutlich an (von acht auf 61 Videos), seitdem ist sie aber wieder auf 14 Videos im September gesunken.

Noch ein Wort zu den erfassten Super-PACs: Das sind natürlich bei Weitem nicht alle. Würde man alle Super-PACs erfassen, die auch über einen YouTube-Kanal verfügen, dann sähen die Zahlen natürlich wieder anders aus. Ich habe mich aber auf die wichtigsten Super-PACs auf beiden Seiten konzentriert. „Wichtig“ im Sinne von finanziell potent und auf YouTube aktiv. Das sind auf der demokratischen Seite die PACs American Bridge 21st Century, Priorities USA und SEIU, auf republikanischer Seite die PACs Restore Our Future, Americans for Prosperity, American Crossroads und Crossroads GPS (wobei letzterer seit Juli kaum mehr Videos zum Präsidentschaftswahlkampf veröffentlicht, sondern sich zunehmend auf den Kongresswahlkampf konzentriert).

Negative Campaigning auf YouTube – oder: Wer wirft mit dem meisten Dreck?

Interessanter als die bloße Menge der veröffentlichten YouTube-Videos finde ich aber die Frage: Wie viele Angriffsspots veröffentlichen Obama und Romney (und ihre jeweiligen Parteien und Unterstützergruppen)? Oder etwas salopper: Wer wirft mit dem meisten Dreck? Denn eine große Zahl an veröffentlichten Videos bedeutet ja nicht zwangsläufig auch eine große Zahl an veröffentlichten Angriffsspots. Bei Obama allerdings schon, wie ein Blick auf Abbildung 2 zeigt.

Abbildung 2: Anzahl der veröffentlichen Angriffsspots pro Monat, nach YouTube-Kanal

Auch bei der Anzahl der auf YouTube veröffentlichten Angriffsspots liegt Obama deutlich vor Romney und den anderen erfassten Kommunikatoren. Wie man schön sehen kann, starteten alle erfassten YouTube-Kanäle im Mai von einem sehr ähnlichen Niveau aus, nämlich von sechs bis elf Angriffsspots im Monat. Obamas Kanal legte danach aber so deutlich zu wie kein anderer Kanal. Allerdings wird Obamas Vorsprung in gewisser Weise dadurch ausgeglichen, dass die republikanische Parteizentrale (RNC) deutlich mehr Angriffsspots veröffentlicht als die demokratische (DNC).

Allerdings sollte zu diesen Zahlen angemerkt werden, dass ich bei der vorliegenden Analyse eine weite Definition von „Angriffsspot“ gewählt habe. Als Angriffsspot zählt hier jeder auf YouTube veröffentlichte TV- oder Web-Spot, der mindestens einen Angriff auf den politischen Gegner enthält. Hierunter fallen also auch Spots, die bei anderen Spot-Analysen als vergleichende Spots bezeichnet werden (die also sowohl aus positiven als auch aus negativen Botschaften bestehen).

Wie hoch ist der Anteil der Angriffsspots an allen veröffentlichten Videos?

Neben der absoluten Menge der veröffentlichen Angriffsspots ist natürlich auch der Anteil dieser Spots an der jeweiligen Gesamtmenge der veröffentlichten Videos interessant. Nur so lässt sich beispielsweise die Frage beantworten, ob YouTube v.a. als Negative Campaigning-Kanal genutzt wird oder ob neben den Angriffsspots auch noch eine andere, positivere Ansprache der YouTube-Nutzer stattfindet. Das Ergebnis dieser Analyse findet sich in Abbildung 3.

Abbildung 3: Anteil der Angriffsspots an allen veröffentlichten YouTube-Videos des jeweiligen Kanals

Wie hierbei deutlich wird, nutzt die republikanische Seite, also Romney und die republikanische Parteizentrale, YouTube sehr viel stärker als Negative Campaigning-Kanal als Obama und das DNC (abgesehen von einem Ausreißerwert des DNC im Mai). So lag der Anteil der Angriffsspots bei Romney im September bei 81,4 Prozent und beim RNC bei 78,6 Prozent. Mit anderen Worten: Im September war nur jedes fünfte Video auf diesen beiden Kanälen kein Angriffsspot.

Bei Obama lag der Anteil der Angriffsspots stets erheblich niedriger und ist im September sogar noch einmal deutlich gesunken im Vergleich zum Vormonat, von 43,9 auf 30,9 Prozent. Hier war im September also nur jedes dritte veröffentlichte Video ein Angriffsspot. Auf dem YouTube-Kanal des DNC lag dieser Wert im September etwas höher, aber immer noch deutlich unter 50 Prozent (42,9 Prozent).

(Die Super-PACs habe ich bei dieser Analyse bewusst herausgelassen, da die Werte hier irreführend wären. Denn für die Analyse wurden nur Angriffsspots zum Präsidentschaftswahlkampf berücksichtigt, auf den YouTube-Kanälen der Super-PACs werden aber fast immer auch zahlreiche Angriffsspots zum Kongresswahlkampf veröffentlicht. Es würde also fälschlicherweise so aussehen, als wäre der Anteil der Angriffsspots relativ niedrig, obwohl er bei fast allen Super-PACs eigentlich bei  nahezu 100 Prozent liegt.)

Wie teilen sich die Lager den Angriffswahlkampf auf?

Interessiert hat mich auch, wie sich die Angriffsspots innerhalb der beiden Lager verteilen. D.h. wie sich die Angriffsspots innerhalb jedes Lagers auf die verschiedenen Kommunikatoren bzw. YouTube-Kanäle verteilen. Auf diese Weise kann man beispielsweise die Frage beantworten, ob die Kandidaten das Dreckwerfen an ihre Parteizentralen oder die Super-PACs „outsourcen“  oder diesen Teil eher selbst übernehmen.

Betrachtet man die Ergebnisse in Abbildung 4, so lässt sich feststellen: Im demokratischen Lager ist v.a. Obama selbst für die Dreckschleuder verantwortlich. Im republikanischen Lager hingegen teilen sich Romney und das RNC die Angriffe auf Obama geradezu „brüderlich“ auf. Nur im September lag der Anteil der pro-republikanischen Angriffsspots bei Romney (53,0 Prozent) deutlich höher als beim RNC (33,3 Prozent), in den vorigen Monaten hingegen lagen beide Kanäle jeweils fast gleichauf. Die demokratische Parteizentrale hält sich im Vergleich dazu beim Negative Campaigning auf YouTube eher zurück: Seit Juni lag ihr Anteil an den pro-demokratischen Angriffsspots stets unter 20 Prozent, bei Obama selbst stieg er im September hingegen auf knapp 80 Prozent. Der Anteil der Super-PACs am Negativ-Wahlkampf auf YouTube sinkt auf beiden Seiten seit Mai immer weiter ab.

Abbildung 4: Anteil der Angriffsspots an allen veröffentlichten Angriffsspots des jeweiligen Lagers

Und wie sah es während der Conventions aus?

Da ich subjektiv den Eindruck hatte, dass während der beiden Conventions von Republikanern und Demokraten besonders viele Angriffsspots (der jeweiligen Gegenseite) auf YouTube veröffentlicht wurden, habe ich abschließend noch eine kleine Analyse auf Wochenbasis durchgeführt. Hierbei habe ich mir den Output an Angriffsspots zwischen Kalenderwoche 32 und 40 vorgenommen. Und siehe da: es gibt in der Kalenderwoche 36 (in der die demokratische Convention stattfand) tatsächlich ein paar deutliche Ausschläge in den Kurven.

Abbildung 5: Anzahl der veröffentlichen YouTube-Videos pro Kalenderwoche, nach YouTube-Kanal

So springt die Kurve bei Romney und dem RNC in dieser Woche deutlich nach oben, während sie gleichzeitig bei Obama merklich absackt. Mit anderen Worten: Die Republikaner begleiteten die demokratische Convention auf YouTube mit einer Art Feuerwerk aus Angriffsspots, während Obamas Wahlkampf-Team offensichtlich anderes zu tun hatte als Angriffsspots hochzuladen. Was mich allerdings überrascht: In der Kalenderwoche 35, in der die republikanische Convention stattfand, zeigen sich keinerlei auffällige Ausschläge.

Fazit

Die Befunde lassen sich in fünf Punkten zusammenfassen:

  1. Obama veröffentlicht mit Abstand die meisten YouTube-Videos auf seinem Kanal.
  2. Gleichzeitig veröffentlicht Obama auch die meisten Angriffsspots auf YouTube.
  3. Relativ betrachtet liegt der Anteil der Angriffsspots aber auf den YouTube-Kanälen von Romney und dem RNC deutlich höher als auf den Kanälen von Obama und dem DNC.
  4. Während Obama im demokratischen Lager die „Drecksarbeit“ (also das Veröffentlichen von Angriffsspots) großenteils selbst übernimmt (bis zu 80 Prozent der hier untersuchten pro-demokratischen Angriffsspots wurden auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht) teilt sich Romney diesen Teil des YouTube-Wahlkampfs mit der republikanischen Parteizentrale auf (die Anteile dieser beiden Kanäle am YouTube-Angriffswahlkampf schwanken zwischen etwa 30 und 50 Prozent).
  5. Die demokratische Convention wurde mit einem massiven Negativ-Feuerwerk von Romney und RNC begleitet, während auf dem Obama-Kanal in der selben Woche kaum Angriffsspots veröffentlicht wurden. Während der republikanischen Convention hingegen zeigten sich keine ähnlichen Effekte.

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