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Campaignwatch: „Pop-Up Video“ und „The Dinner Table“ – Wenn Angriffsspots einmal angenehm anders sind

10. Oktober 2012
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Die meisten Angriffsspots im US-Wahlkampf sind nicht besonders einfallsreich: Düstere Musik, düstere Statistiken, düstere Bilder und vielleicht noch ein paar aus dem Zusammenhang gerissene Zitate des politischen Gegners. Das ist das Standard-Rezept, das man nun schon zig Male gesehen hat. Deshalb freue ich mich über jeden Angriffsspot, der mal von diesem Standard-Rezept abweicht.

Das erste aktuelle Beispiel für solch einen Angriffsspot kommt vom pro-republikanischen Super-PAC American Future Fund. Dort hat man sich den kürzlich veröffentlichten Wahlspot „Table“ von Obama vorgenommen – und zwar komplett. Der Angriffsspot „Pop-Up Video“ besteht aus dem gesamtem Original-Spot von Obama (der immerhin zwei Minuten lang ist). Nur, dass laufend Pop-Ups eingeblendet werden, die sich über das lustig machen, was Obama gerade in die Kamera spricht.

Beispiel: Obama sagt: „During the last weeks of this campaign, there will be debates, speeches and more ads.“ Da poppt eine Textbox mit „Like mine“ auf. Ein anderes Beispiel: Obama sagt: „If I could sit down with you, in your living room or around your kitchen table, here’s what I’d say.“ Da poppt ein Textbox auf mit: „Do you have a teleprompter in your living room?“. Nicht alle Pop-Ups sind so lustig und viele sind vermutlich genauso unwahr oder halbwahr wie die meisten Inhalte von Angriffsspots nun mal sind, aber schon allein die originelle und durchaus unterhaltsame Idee des Spots finde ich lobenswert:

Das zweite Beispiel ist der Spot „The Dinner Table“ vom ebenfalls pro-republikanischen Super-PAC Americans For Prosperity. Anders als beim „Pop-Up Video“ wird hier nicht mit Humor gearbeitet, sondern mit – und das ist wirklich eine Ausnahme – Stille. Eine Familie sitzt beim Abendessen und keiner sagt ein Wort. Es liegt eine seltsame Anspassnung in der Luft, man spürt, dass irgend etwas nicht stimmt.

Erst nach 20 Sekunden erscheint dann die Auflösung: „12.1 Million Americans Unemployed. It’s time to try something different.“ Im Hintergrund hört man immer noch das Klappern des Bestecks. Das ist aus meiner Sicht großes Kino und sehr viel eindrücklicher als der 150. Angriffsspot nach Standard-Rezept:

P.S.: Der pro-demokratische Super-PAC American Bridge 21st Century war von dem Pop-Up-Konzept der republikanischen Konkurrenz offensichtlich ebenso angetan wie ich und hat deshalb wenige Tage später selbst einen Pop-Up-Spot veröffentlicht, zum ersten TV-Duell zwischen Obama und Romney:

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