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Campaignwatch: „Tim LaHaye’s 2012 Election Call to Action“ – oder: Ein Blick in die evangelikale Seele Amerikas

8. Oktober 2012
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Tim LaHaye ist einer der evangelikalen Promis in den USA. Berühmt wurde er v.a. durch eine 16-teilige apokalyptische Science Fiction-Buchreihe („Left Behind“), die in Amerika zum Bestseller wurde. Sie spielt in der Zeit nach der (ersten) Rückkehr von Jesus. Wenn man Jerry Falwell – einem anderen Promi der evangelikalen Bewegung in den USA – glaubt, dann gibt es außer der Bibel kein anderes Buch, das wichtiger für das Christentum gewesen ist: „In terms of its impact on Christianity, it’s probably greater than that of any other book in modern times, outside the Bible.“

Warum erzähle ich das? Weil sich Tim LaHaye zur Zeit Sorgen um Amerika macht. Und die sind offensichtlich so groß, dass er nun der Meinung war, sich per Video-Botschaft an die Amerikaner wenden zu müssen. Und diese Video-Botschaft hat es in sich. Denn wenn man Tim LaHaye glaubt, dann steht Amerika kurz vor der Apokalypse. Zum einen, weil die „Opposition“ (also die bösen Demokraten) Amerika zu einem sozialistischen Staat nach dem Vorbild Europas machen will (bekanntlich steht „Europa“ ja unter der Schreckensherrschaft einer zentralen sozialistischen Regierung, die längst alle Nationalstaaten abgeschafft hat). Und zum anderen, weil Gott Amerika verfluchen wird, falls die aktuelle amerikanische Regierung mit ihrer Israelpolitik so weitermacht wie bisher:

Hier die beiden aus meiner Sicht haarsträubendsten Auszüge aus LaHayes Video-Ansprache:

The opposition is not our friend. I don’t think they are friends of America. What they want is to change America much like Europe and become a socialist state where they take from the haves and give to the have-nots and destroy the culture. Socialism has never worked anywhere in the world and it will not work in America. But in the meantime our country will go deeper and deeper into debt.

One of my great concerns is what America is doing to Israel. We have people in charge of our government today that are trying to throw Israel under the bus. And they are the best ally we have. And God alone has promised that he will bless the nation that blesses Israel. That’s why we have been blessed so much because we have been better to the jew and to Israel than any nation in the history of the world. And may I suggest that if we change that as some in our leadership wanna do than we’re gonna incur the curse of God. I don’t want that for America and I don’t think you do either.

Wenn es nicht ernst gemeint wäre, könnte man es fast für eine Parodie halten. Besonders gruselig: „We have been better to the jew […] than any other nation in the world“. Das traut man sich ja kaum zu übersetzen: „Wir waren besser zum Juden als jede andere Nation der Welt.“ Klingt fast ein wenig, als sei „der Jude“ ein Zootier, das von den Amerikanern immer mit besonders leckerem Futter verwöhnt wurde, bis der böse Obama kam und es auf Null-Diät setzte. Heieiei, das ist ja eine Sprache, die an ganz, ganz düstere Zeiten erinnert.

Besonders amüsant: Schuld an Amerikas steigendem Schuldenberg ist natürlich allein Obamas sozialistische Ader, nicht die neoliberale Politik von George W. Bush, die die Finanzkrise Amerikas überhaupt erst möglich gemacht hat. Wirklich kaum zu glauben. Was mich allerdings tröstet: Trotz LaHayes Aufruf, seine Video-Botschaft an möglichst viele Gleichgesinnte zu verbreiten, haben bislang gerade einmal etwas über 2.000 Leute das Video aufgerufen. Ein YouTube-Hit sieht – Gott sei Dank – anders aus…

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