Skip to content

Campaignwatch: „Vermisst“-Kampagne des Bundesinnenministeriums wird nun auch von CDU-Vertretern kritisiert

1. Oktober 2012

Die seit einigen Tagen in Kritik geratene „Vermisst“-Kampagne des Bundesinnenministeriums wird nun auch von CDU-Vertretern kritisiert. So äußerte sich gestern Ruprecht Polenz gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) mit folgenden Worten: „In dieser Form sollte die Kampagne nicht fortgesetzt werden. Durch die Plakate wird die gesamte muslimische Minderheit in die Nähe von Extremismus und Fundamentalismus gerückt.“ Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), äußerte Zweifel, „ob mit einer solchen Visualisierung das Ziel erreicht wird“.

Die „Vermisst“-Kampagne war am 27. August mit Online-Anzeigen gestartet, Anfang September waren zudem Anzeigen in ausgewählten Printmedien erschienen. Zwar stoppte das Innenministerium am 20. September die geplante Plakatierung der Kampagnen-Motive. Trotzdem wurden aber ab Mitte September Gratispostkarten in zehn deutschen Städten verteilt, u.a. in der Kölner Keupstraße, wo 2004 bei einem Anschlag des Terrortrios „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) 22 Menschen verletzt worden waren.

Der Sprecher des Koordinationsrats der muslimischen Migrantenverbände, Ali Kizilkaya, forderte nun Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck auf, sich dafür einzusetzen, dass die „unsägliche Kampagne“ gestoppt werde. Das Vertrauen zwischen dem Innenminister und den muslimischen Verbänden sei durch die Kampagne „sehr stark beschädigt“ worden, sagte Kizilkaya der FAS.

Das Ziel der Kampagne beschreibt das Innenministerium auf seiner Homepage folgendermaßen: „Betroffene sollen so durch das Wiedererkennen dessen, was sie selbst gerade erleben, motiviert werden, sich Rat und Hilfe zu suchen. Durch die Darstellung wird das Grundanliegen der Sicherheitspartnerschaft deutlich – gemeinsam der Radikalisierung entgegenzuwirken und betroffene Angehörige und Freunde mit Rat und Hilfe zu unterstützen.“

Die vier Kampagnen-Motive ähneln Vermisstenanzeigen. Damit solle „bewusst die menschliche Dimension, der schmerzhafte Verlust eines Sohnes, Bruders oder einer Freundin, die sich durch Einflüsse von radikalen Salafisten von ihrem Umfeld so entfernt haben, dass sie nicht wiederzuerkennen sind“ thematisiert werden, so das Innenministerium.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: