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Campaignwatch: Die Wahlprogramme oder „Party Platforms“ von Demokraten und Republikanern im Vergleich

10. September 2012
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Irgendwie ist es schon lustig: Zwar werden in den USA immer nur Personen und keine Parteien gewählt, aber trotzdem gibt es vor einer Präsidentschaftswahl keine Wahlprogramme der Kandidaten, sondern immer nur Wahlprogramme oder sog. „platforms“ der Parteien. Ganz ähnlich also wie in Deutschland, nur dass bei uns ja auch tatsächlich Parteien gewählt werden und keine Kanzlerkandidaten.

Nun haben Republikaner und Demokraten wieder ihre „party platforms“ für die Wahl 2012 vorgelegt. Da nach der Wahl keine Koalitionen gebildet werden müssen und da am Ende eben ein Präsident regiert und keine Partei, spielen diese Programme zwar keine wirklich wichtige Rolle für die konkrete Politik nach den Wahlen, aber sie sind trotzdem ein guter Indikator für den aktuellen „Spirit“ der beiden Parteien. Also habe ich mal von beiden aktuellen Parteiprogrammen (mit wordle.net) ein Wordle mit den 100 häufigsten Begriffen angefertigt. Sowie von den Programmen von 2008, um eine Vergleichsbasis zu haben:

Demokraten 2012

Demokraten 2008

Republikaner 2012

Republikaner 2008

Die auffälligsten Unterschiede zwischen den Programmen lassen sich recht schnell zusammenfassen: Bei den Demokraten geht es 2012 zu allererst einmal um ihren „President“. Sehr häufig nennen sie ihn auch beim Namen: „Obama“. Interessant: Kandidatennamen werden offensichtlich deutlich seltener in den Programmen erwähnt, wenn sie noch keine amtierenden Präsidenten sind, wie man an den übrigen drei Programmen sehen kann.

Auffällig auch: In den beiden letzten republikanischen Programmen ist sehr viel von „federal“ und „government“ die Rede. Aber wohl nicht, weil die Republikaner die Zentralregierung in Washington so mögen, sondern weil sie in ihren Programmen aufzählen, welche Kompetenzen der Zentralregierung alle entrissen werden sollten. Beiden Parteien gemeinsam ist zudem, dass das Stichwort „health“ im Jahr 2008 – überraschenderweise – eine deutlich wichtigere Rolle in den Programmen spielte als in diesem Jahr.

Aufschlussreich sind neben den Wordles auch die Inhaltsverzeichnisse der Programme. Hier also mal die Kapitel-Überschriften der beiden aktuellen „party platforms“ im Vergleich:

Kapitel-Überschriften im Programm der Demokraten (2012):

  1. Moving America Forward
  2. Rebuilding Middle Class Security
  3. America Works When Everyone Plays by the Same Rules
  4. Greater Together
  5. Stronger in the World, Safer and More Secure At Home

Kapitel-Überschriften im Programm der Republikaner (2012):

  1. Restoring the American Dream: Rebuilding the Economy and Creating Jobs
  2. We The People: A Restoration of Constitutional Government
  3. America’s Natural Resources: Energy, Agriculture and the Environment
  4. Reforming Government to Serve the People
  5. Renewing American Values to Build Healthy Families, Great Schools and Safe Neighborhoods
  6. American Exceptionalism

Vielsagend ist aus meiner Sicht v.a., dass die Republikaner dem „American Exceptionalism“ ein komplettes Kapitel widmen, das mit zwölf Seiten und stolzen 26 Unterkapiteln auch noch das längste Kapitel von allen ist. Das längste Kapitel bei den Demokraten widmet sich hingegen dem „Rebuilding“ der  „Middle Class Security“. Auch die übrigen Kapitelüberschriften geben einen guten Eindruck vom aktuellen „Spirit“ der beiden amerikanischen Parteien. Bei den Demokraten ist da z.B. von den „Same Rules“ für jedermann und einem „Greater Together“ die Rede, bei den Republikanern hingegen von „Restoring the American Dream“, „Restoration of Constitutional Government“, „Reforming Government“ und „Renewing American Values“.

Als letzten Teil meiner Programm-Analyse habe ich noch eine Einzelwort-Analyse der Programme durchgeführt. Hierfür habe ich mal in den letzten beiden Programmen von Demokraten und Republikanern nach verschiedenen „Keywords“ gesucht, die im Wahlkampf immer wieder eine Rolle spielen. Und siehe da, es gibt so einige Unterschiede, zum einen zwischen den beiden Parteien, zum anderen zwischen den beiden Wahljahren:

Rep. 2012 Rep. 2008 Dem. 2012 Dem. 2008
God 10 2 0 1
health 34 90 69 105
middle class 2 1 42 6
tax/taxes 54 80 78 41
military 53 23 28 32
free/freedom 79 62 30 26
equal/equality 6 11 16 11
fair/fairness 11 14 34 24
economic/economy 89 64 128 75
job/jobs 75 29 93 61
debt 15 2 5 6
Alle Wörter 30503 23582 25025 25991

Auffällig ist zunächst, dass die Republikaner in diesem Jahr gleich zehnmal „God“ erwähnen, die Demokraten hingegen – anders als noch 2008 – kein einziges Mal (wofür sie von den Republikanern natürlich auch gleich kritisiert wurden und werden). Zehn Erwähnungen sind allerdings auch für die Republikaner rekordverdächtig viel, denn im Jahre 2008 brachte es Gott auch hier gerade einmal auf zwei Erwähungen.

Auch bei den Begriffen „military“, „free“ bzw. „freedom“ und „debt“ haben die Republikaner 2012 deutlich die Nase vorn. 2008 sah das in Bezug auf „military“ und „debt“ noch genau andersherum aus. Bei vielen anderen Begriffen, nach denen ich die Programme durchsucht habe, liegen hingegen die Demokraten 2012 vor den Republikanern. Besonders deutlich fällt dieser Unterschied aus bei „health“, „middle class“, „equal“ bzw. „equality“ und „fair“ bzw. „fairness“.

Aber, und das ist wirklich überraschend, auch bei folgenden Begriffen liegen die Demokraten vor den Republikanern: „tax“ bzw. „taxes“, „economic“ bzw. „economy“ und „job“ bzw. „jobs“. Eigentlich also genau bei denjenigen Begriffen, die man gerade in diesem Wahljahr sehr viel häufiger bei den Republikanern vermutet hätte, weil es sich ja um die Themen handelt, bei denen die Republikaner punkten bzw. die Demokraten angreifen können.

Fazit: Ich bin etwas ratlos, wo die „Keywords“ der Republikaner geblieben sein könnten. Falls jemand eine Idee hat, kann er oder sie sich gerne bei mir melden. :-) Das aktuelle Programm der Demokraten gibt es hier, das der Republikaner hier. Und die früheren Programme der beiden Parteien finden sich auf der tollen Seite des „American Presideny Project“.

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