Skip to content

Fundstücke: Von Gysi-Kannen, Niebelkerzenwerferei und Pofallala – Kreative Wortspielereien im Bundestag

16. August 2012

Durch eine kleine Notiz in der letzten Frankurter Allgemeinen Sonntagszeitung bin ich auf eine lustige Eigenschaft der Bundestagshomepage aufmerksam geworden. Wenn man dort im Suchfeld z.B. „Gysi“ eingibt, schlägt einem die Homepage u.a. den Suchbegriff „Gysikanne“ vor. Ähnliches passiert bei der Eingabe von „Niebel“ und „Pofalla“. Hier schlägt die Bundestagssuche z.B. „Niebelkerzenwerferei“ und „Pofallala“ vor:

Hat sich da einer der Web-Administratoren im Bundestag einen Scherz erlaubt? Nein, der Grund für diese humorvollen Vorschläge der Suchfunktion ist ganz einfach, dass alle vorgeschlagenen Wörter schon einmal in Bundestagsreden (bzw. in Zwischenrufen zu Bundestagsreden) verwendet wurden. Weil mich interessiert hat, wer hinter diesen Wort-Kreationen steckt und in welchem Kontext sie fielen, habe ich die Bundestagsreden mal aufgerufen und die entsprechenden Passagen herausgesucht. Hier meine Ergebnisse in chronologischer Reihenfolge:

Steffen Kampeter [CDU/CSU], 16.09.1999: „Ich fange mit der Halbwahrheit Nummer eins an. Wenn Sie den Etat von Frau Bulmahn mit dem Ihres Vorgängers vergleichen und dabei zu sagen vergessen, daß ein beträchtlicher Teil, nämlich der Technologiebereich, vom Bildungsministerium zum Wirtschaftsminister verlagert wurde, dann vergleichen Sie Äpfel mit Birnen und disqualifizieren sich aus meiner Sicht als Haushälter. Denn das ist die Form von Nebelkerzenwerferei – oder besser: Niebelkerzenwerferei -, von der ich persönlich relativ wenig halte.“

Rainer Brüderle [FDP], 21. Juni 2006: „Dann ‚pofallat‘ es in der Debatte über das Ehegattensplitting. Das ist eine Scheindebatte. Sie kennen die Verfassungslage. Ich kann dazu nur sagen: ‚Pofallala‘. Das ist kein Ansatz, der überzeugen kann.“

Gerald Weiß [CDU/CSU], 12. November 2008: „Zunächst will ich Ihnen mitteilen, dass die gemeinnützige Rechengemeinschaft Franz Romer und Gerald Weiß grundsolide und seriös nachgerechnet hat. Herr Niebel, Sie haben in einer ’niebelösen‘ Äußerung behauptet, wir hätten das Ziel, den Sozialversicherungsbeitragssatz bei unter 40 Prozent zu belassen, nicht erreicht. Als wir nachgerechnet haben, sind wir auf einen Beitragssatz von 39,2 Prozent gekommen.“

Dr. Heinrich L. Kolb [FDP], 3. Dezember 2010: „Kollege Gysi hat von diesem Rednerpult aus gefragt, wozu die FDP eigentlich sozialpolitische Sprecher benenne. Herr Kollege Gysi, das will ich Ihnen gerne sagen: um Ihnen einen sozialpolitischen Gegenentwurf aufzuzeigen, um Sie darauf hinzuweisen, dass gute Sozialpolitik eben nicht darin besteht, mit der Gießkanne (Zwischenruf von Volker Kauder [CDU/CSU]: ‚Mit der Gysi-Kanne!‘) möglichst viel Geld im Land zu verteilen, nach dem Motto ‚viel hilft viel‘.“

P.S.: Wer noch auf weitere solcher lustigen Vorschläge der Bundestagshomepage-Suchfunktion stößt, kann sie mir gerne zusenden, ich nehme sie hier dann gerne noch auf. :)

No comments yet

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: