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Campaignwatch: Olympia und US-Wahlkampf – (Wie) passt das zusammen? Ein Resümee

15. August 2012
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So, nachdem die olympischen Spiele nun vorbei sind, wage ich mal ein kleines Resümée zur Passung von Olympia und dem US-Wahlkampf. Das Lustige ist ja, dass es der Zufall nunmal so wollte, dass die olympischen Sommerspiele immer genau auf dasselbe Jahr fallen wie die amerikanischen Präsidentschaftswahlkämpfe. Denn beide Ereignisse finden mit schöner Zuverlässigkeit immer im selben vierjährigen Rhythmus statt. Es lohnt sich also durchaus, sich hierzu mal ein paar Gedanken zu machen. Die Ergebnisse meiner Gedanken habe ich im Folgenden anhand von vier Thesen zusammengefasst.


1. Negative Campaigning und Olympia vertragen sich nicht

Bereits vor den diesjährigen Spielen warnte Seth Winter, der NBC-Verantwortliche für die Werbung während der Olympiade:

What we’ve seen in all of our research is the creative has got to be upbeat. It’s got to be empowering. It’s got to be positive. That was a lesson learned in the 2008 election. In the prior election, one of the candidates took another tack and I don’t think it served him well.

Der gescholtene Kandidat war John McCain, der während der Eröffnungsfeier zur Olympiade in Peking 2008 seinen berühmten „Celebrity“-Angriffsspot gegen Obama schaltete:

Zwar wurde der Spot von den Medien sehr stark aufgegriffen und beeinflusste so auch Obamas Wahlkampfteam in seiner Kampagnenplanung. Bei den Zuschauern kam er aber offensichtlich nicht gut an: Eine Untersuchung der Branchenzeitschrift „AdWeek“ kam zu dem Ergebnis, dass 27 Prozent der Probanden nach dem Sehen des Spots bekundeten, dass ihre Absicht, McCain zu wählen, abgenommen hätte, während nur 22 Prozent das Gegenteil bekundeten.

Auch in diesem Jahr gab es eine Episode, die die obige These unterstützt: Der pro-demokratische Super-PAC Priorities USA Action hatte gleich zu Beginn der Olympiade einen Angriffsspot gegen Romney auf YouTube veröffentlicht, der Bilder von Romney bei der Eröffnungsfeier der olympischen Spiele in Salt Lake City verwendete, um auf Romneys Auslandskonten hinzuweisen:

Der Spot wurde jedoch von Priorities USA Action kurz nach seiner ersten Veröffentlichung schon wieder von YouTube entfernt, weil das Internationale Olympische Kommittee seine Urheberrechte als verletzt ansah. Dies nahm das amerikanische Olympia-Kommittee zum Anlass, alle am Wahlkampf beteiligten Kandidaten und Gruppen zu bitten, keine Bilder von olympischen Spielen für Wahlkampfzwecke zu missbrauchen. Auch dieser Schuss ging also eher nach hinten los. Trotzdem können gerade die Super-PACs ihre Finger nicht von Olympia-bezogenen AttackAds lassen (wie auch ein aktueller Kongresswahl-Spot vom (pro-republikanischen) American Future Fund belegt).


2. Kritik am Ausrichter der olympischen Spiele eignet sich nicht als Wahlkampf-Botschaft

Bekanntlich war Romney zu Beginn der olympischen Spiele in London unterwegs. Und nutzte diese Gelegenheit gleich, um mal wieder richtig schön ins Fettnäpfchen zu treten. In einem Interview kritisierte er die Vorbereitung der Olympiade als „disconcerting“ und „obviously not encouraging“:

There are a few things that were disconcerting, the stories about the private security firm not having enough people, the supposed strike of the immigration and customs officials, that obviously is not something which is encouraging.

Diese Kritik verursachte in Großbritannien einen Aufschrei der Empörung, der natürlich auch in den USA nicht ungehört blieb. Ohnehin stand sie im kompletten Widerspruch zum Ziel seiner Reise: Zu beweisen, dass er auch auf dem internationalen Parkett eine gute Figur machen würde, gerade bei den engsten Verbündeten der USA. Diese Vorlage konnten sich die Demokraten natürlich nicht entgehen lassen:

Jetzt, im Rückblick, nachdem die Spiele ohne größere Komplikationen abliefen, scheint Romneys Kritik an den Londoner Planern umso unangebrachter und verzichtbarer. Das sollte zukünftigen Präsidentschaftskandidaten eine Warnung sein…


3. Eine Olympiade hilft vor allem dem Amtsinhaber – wenn er was draus macht

Eine Olympida hat für den jeweiligen Amtsinhaber – vorausgesetzt, er will bzw. kann sich noch einmal um eine zweite Amtszeit bewerben – einen entscheidenden Vorteil: Sie bietet einen optimalen Anlass für positive Berichterstattung, schöne Bilder für den Wahlkampf und einen möglichen Image-Transfer von beliebten und erfolgreichen Sportlern auf den Präsidenten.

Das weiß natürlich auch Obama. Mehr noch: Er weiß auch, dass sich die Olympiade geschickt in Wahlkampfreden einbauen lässt, insbesondere, um sich als Präsident in Szene zu setzen, der das Land eigentlich gerne versöhnen würde (wenn ihn die Republikaner denn ließen). Hier ein kleiner Auszug aus einer Wahlkampfrede von Obama während der olympischen Spiele:

Obviously, I know that all of you have been spending most of this week rooting for our unbelievable athletes in London. On the flight over here, I’ve got to admit I was spending most of my time watching U.S. women’s soccer. They won, by the way, 4 to 3.

It’s just an extraordinary reminder of the fact that even when we’ve got political differences, when it comes to our love of this country and the incredible people who represent us, we are unified. And it’s a very gratifying feeling during the course of a political season, where sometimes the fact that we are unified around so many important things gets hidden.

Obama verarbeitete das Thema auch in seinem wöchentlichen Video-Podcast:

Wie Peter Baker auf „The Caucus“ treffend zusammenfasst: „[O]ne of the perks of being president is being the country’s official cheerleader in chief every four years.“


4. Eine Olympiade kann zur Motivation der Graswurzel-Wahlkämpfer genutzt werden

„Ein bisschen olympischer Spirit kann niemandem schaden, auch nicht unseren Wahlkämpfern.“ Das haben sich Obamas Kampagnenplaner offensichtlich gedacht, als sie diese Aktion hier ausgeheckt haben:

Wish you could be part of the action in London?
Well, I can’t promise you a medal in beach volleyball or gymnastics, but there is a way to compete for a shot at glory through your grassroots fundraising page.
To celebrate from across the pond as we enter the final three months of this campaign, we’ve set up a new grassroots fundraising leaderboard. It’s simple: The more contributions you get, the higher you climb on the virtual podium.

Here’s how it works:
2 or more donations earn you a bronze medal
4 or more = silver
7 or more = gold!

Believe me, you definitely want to go for the gold. After the last medals in London are handed out, three of our grassroots fundraising gold medalists will be randomly selected to win a signed tweet from the President. With more than 18 million followers, that’s quite a shout-out. (…)
There’s more than a medal at stake, and the leaderboard will only stay up while the torch is lit in London through Sunday, August 12th, so don’t wait to get a jump on the competition.


Fazit

Olympia und Wahlkampf passen durchaus zusammen – vor allem dann, wenn man Präsident ist. Als Herausforderer sieht es da schon schwieriger aus. Trotzdem: Seinen Auftritt in London hätte Romney durchaus für sich nutzen können, wenn er sich nicht mal wieder verplappert hätte. Und die eigenen Wahlkämpfer mit Medaillen auszuzeichnen – auch diese Möglichkeit steht natürlich nicht nur dem amtierenden Präsidenten offen.

Die Londoner Spiele werden im diesjährigen US-Präsidentschaftswahlkampf trotz alldem wohl kaum über Sieg oder Niederlage entscheiden. Sie zeigen aber wieder einmal, wieviel besser Obamas Wahlkampfteam die gegebenen Anlässe nutzt, um sie für den eigenen Wahlkampf auszuschlachten.

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