Skip to content

Campaignwatch: Obama = Netter Kerl, aber politischer Versager – Die Formel für Romneys Wahlsieg?

15. August 2012
tags:

Mitt Romney hat ein Problem: Obwohl viele Amerikaner unzufrieden mit der Bilanz von Obamas erster Amtszeit sind, mögen sie ihn einfach lieber als Romney. Obamas „Likeability“-Werte fallen seit Beginn des Vorwahlkampfs in allen Umfragen deutlich höher aus als die von Romney. Das heißt: Auch wenn viele Wähler eher Romney eine Lösung der wirtschaftlichen Probleme des Landes zutrauen, ändert das nichts daran, dass sie Obama einfach sympathischer finden.

Ich habe mich deshalb schon länger gefragt, warum Romney diese Problematik nicht offensiver angeht und Obama in seinen Spots als nett, aber politisch unfähig porträtiert. Denn: Auf diese Weise könnte er die Hürde für viele enttäuschte Obama-Wähler senken, die aufgrund der größeren Sympathie gegenüber Obama noch „einen kleinen Schubs“ brauchen, um Romney zu wählen – oder zumindest Obama nicht mehr zu wählen. Romney müsste also versuchen, den Wählern das Gefühl zu geben, dass es „OK“ ist, Obama nicht mehr zu wählen, auch wenn er doch eigentlich so ein netter Typ ist. Weil er seine Versprechungen nicht eingelöst hat und es bei einer Wahl auf die politische Bilanz ankommt und nicht auf Sympathie.

Nun hat der pro-republikanische Super-PAC „Americans for Prosperity“ (der v.a. von den beiden Koch-Brüdern finanziert wird) genau diese Strategie der Wähleransprache in seiner neuesten Attack Ad gegen Obama aufgegriffen. Der Spot zeigt drei ehemalige Obama-Wähler, die in kleinen Interview-Szenen ihre Enttäuschung über Obamas Bilanz als Präsident äußern. (Laut AforP handelt es sich dabei nicht um Schauspieler, sondern um echte Wähler, die in Fokusgruppen gefunden wurden. Ihre Nachnamen seien lediglich ausgespart worden, um ihre Privatsphäre zu schützen.) „Maria“ gelangt dabei zu folgender Feststellung: „I think he is a great person. I don’t feel he is the right person to lead our country though.“

Und der Spot geht sogar noch weiter: Auch denjenigen, die Obama 2008 aufgrund seines „Hope and Change“-Versprechens gewählt haben, soll offensichtlich das Gefühl gegeben werden, dass sie sich keineswegs als „Verräter“ fühlen müssen, wenn sie sich nun von Obama abwenden. Hierfür fungiert ein O-Ton von „Robin“: „I still believe in hope and change. I just don’t think that Obama is the way to go for that.“ Mehr noch: Der eigentliche Verräter von „Hope and Change“ sei doch eigentlich Obama, weshalb es nur folgerichtig sei, ihn nicht mehr zu wählen, wie „Richard“ feststellt: „I’ve seen his definition of hope and change. It’s not the hope and change I want. It’s not the hope and change I thought I was gonna get. I don’t feel that I’ve helped my grandchildren for voting for President Obama. And I regret that.“

AforP hat angekündigt, sieben Millionen Dollar für die Ausstrahlung des Spots in insgesamt elf Bundesstaaten (Minnesota, Colorado, Florida, Iowa, Nevada, New Mexico, North Carolina, Ohio, Pennsylvania, Virginia, Wisconsinzu) zu investieren. Zielgruppe sind laut AforP-Präsident Tim Phillips insbesondere die Wechselwähler dort: „In the end you can’t just talk to the base. You have to make sure that you’re talking to people that make the decisive difference. It’s not like we agree with every single word in the ad, but we feel confident it’s credible from these folks from their own beliefs and experiences.“

Nachtrag (17.08.2012): Der AforP-Spot wurde mittlerweile auch von den Medien aufgegriffen, z.B. von der Sendung „Morning Joe“ auf MSNBC. Dort wurde der Spot ebenfalls sehr positiv bewertet, was v.a. deshalb bemerkenswert ist, weil MSNBC an sich eine eher linksliberale Tendenz hat. Der Spot wurde in der Sendung auch in voller Länge ausgestrahlt, das Ganze ist also auch mal wieder ein schönes Beispiel für kostenlose Werbezeit für einen Spot durch Ad Watching:

Nachtrag (04.09.2012): Mittlerweile haben auch die Kampagnen von Romney und Obama eigene „Überläufer“-Spots veröffentlicht, die in einem lesenswerten Blog-Beitrag auf usa2012.at verglichen werden. Und auch AforP hat noch einen weiteren „Switcher“-Spot veröffentlicht, dieses Mal allerdings nur mit einer einzelnen Überläuferin als Protagonistin:

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: