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ResearchWatch: Wer führt den negativeren YouTube-Wahlkampf – Obama oder Romney?

6. August 2012
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Anfang Juni hatte ich mich hier schon einmal mit dem YouTube-Wahlkampf von Obama und Romney beschäftigt. Nun sind zwei weitere Wahlkampf-Monate ins Land gezogen und es wird Zeit, das Ganze wieder einmal etwas genauer anzuschauen. Interessiert hat mich dieses Mal v.a. die Frage, wie negativ der YouTube-Wahlkampf von Obama, Romney und ihren Unterstützern ist bzw. wie sich die Negativität des Wahlkampfs über die verschiedenen YouTube-Kanäle verteilt. Angeschaut habe ich mir dafür wieder die Kanäle von Obama, Romney, ihren jeweiligen Parteien sowie von jeweils drei wichtigen PACs bzw. Super-PACs (Pro-Obama: American Bridge 21st Century, Priorities USA Action, SEIU / Pro-Romney: Americans for Prosperity, American Crossroads/Crossroads GPS, Restore Our Future).


Absolute Zahlen: Wieviele YouTube-Videos und Angrifsspots wurden veröffentlicht?

Betrachtet man zunächst die absoluten Zahlen der veröffentlichten Videos auf den untersuchten YouTube-Kanälen, so lässt sich feststellen, dass diese zwischen einem und 63 Videos pro Monat liegen (die Videos der PACs wurden für die grafische Darstellung aus Übersichtlichkeitsgründen zusammengefasst). Am meisten Videos wurden bis auf eine Ausnahme auf dem YouTube-Kanal von Obama veröffentlicht. Nur im Juni gibt es bei den Pro-Obama-PACs einen Ausreißer nach oben, weil hier von American Bridge 21st Century unzählige Ausschnitte aus Reden und Statements potenzieller Vize-Kandidaten von Romney online gestellt wurden.

Um die Negativität des YouTube-Wahlkampfs einschätzen zu können, habe ich von allen veröffentlichten Videos diejenigen herausgenommen, die als angreifende oder vergleichende Präsidentschaftswahlspots bezeichnet werden können. Also Videos, die zu einem erheblichen Teil aus Angriffen auf den politischen Gegner bestehen und nicht dem Kongresswahlkampf oder einem Gouverneurswahlkampf zuzuordnen sind (was bei den Videos der PACs immer wieder vorkommt).

Wie sich hier zeigt, hat Obama in allen drei betrachteten Monaten auf seinem YouTube-Kanal die meisten Negative Campaigning-Spots (NC-Spots) veröffentlicht. Zudem nahm die Zahl dieser negativen Spots stetig zu: Im Mai waren es noch elf, im Juni schon 20 und im Juli schließlich 24. Auch bei Romney nahm die Zahl der negativen Spots seit Mai stetig zu (von acht im Mai auf 16 im Juli), allerdings auf niedrigerem Niveau.

Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen den YouTube-Wahlkämpfen des demokratischen und des republikanischen Lagers zeigt sich, wenn man die Anzahl der negativen Spots betrachtet, die von den beiden Parteien veröffentlicht wurden. Denn die republikanische Partei veröffentlichte deutlich mehr solcher Spots (neun bis 13 pro Monat) als die demokratische Partei (zwei bis sechs pro Monat). Bezüglich der PACs der beiden Lager sind hingegen keine eindeutigen Aussagen möglich, hier schwankt die Zahl von Monat zu Monat stark: im Mai liegen beide Lager gleichauf (jeweils acht Angriffsspots), im Juni liegen die pro-demokratischen PACs vorne (14 vs. sechs NC-Spots), im Juli hingegen die pro-republikanischen (sieben vs. elf NC-Spots).


Relative Zahlen: Wie hoch fällt der Anteil der negativen Spots aus?

Die absoluten Zahlen sind aber nur ein Teil der Wahrheit. Um die Negativität des YouTube-Wahlkampfs beider Seiten umfassend beurteilen zu können, müssen zusätzlich auch die relativen Anteile der veröffentlichten NC-Spots betrachtet werden. Hierbei sind zwei Perspektiven interessant und relevant: Zum einen der Anteil der NC-Spots auf jedem einzelnen Kanal (z.B. Wie hoch ist der NC-Spot-Anteil an allen Obama-Videos?), zum anderen der Anteil der NC-Spots eines Kanals an allen NC-Spots des jeweiligen Lagers (z.B. Welchen Anteil haben die NC-Spots von Obama an allen NC-Spots des demokratischen Lagers?).

Wie sich bei der Betrachtung des NC-Spot-Anteils auf den unterschiedlichen Kanälen zeigt, liegt der Anteil bei Romney und der republikanischen Partei – mit einer Ausnahme – deutlich höher als bei Obama und der demokratischen Partei. Auf Romneys YouTube-Kanal stieg der Anteil der NC-Spots von Mai bis Juli von 44 auf 84 Prozent, auf dem YouTube-Kanal des RNC von 56 auf 68 Prozent. Im Vergleich dazu bewegt sich der Anteil der NC-Spots bei Obama mit 18 bis 40 Prozent auf einem relativ niedrigen Niveau. Beim DNC sank er gleichzeitig von statttlichen 75 Prozent im Mai auf gerade einmal 10 Prozent im Juli. Bei den PACs schwanken die Werte wieder stark, allerdings liegt der NC-Anteil bei den pro-republikanischen PACs in allen drei Monaten höher als bei den pro-demokratischen PACs.

Einschränkend muss hierbei jedoch erwähnt werden: Dass der NC-Anteil bei den PACs teilweise deutlich niedriger ausfällt als bei den Kandidaten und Parteien, liegt auch daran, dass die PACs nicht nur NC-Spots zum Präsidentschaftswahlkampf veröffentlichen, sondern auch zum Kongresswahlkampf (und teilweise auch zu Gouverneurswahlkämpfen). Da diese Spots hier aber nicht berücksichtigt wurden, fällt der NC-Spot-Anteil auf diesen Kanälen teilweise relativ niedrig aus. (In zukünftigen Analysen will ich diese Schwäche dadurch ausgleichen, dass auch bei den absoluten Zahlen nur noch Videos aus dem Präsidentschaftswahlkampf mit eingerechnet werden.)

Die zweite relative Betrachtungsweise erlaubt die Beantwortung der Frage, wie die beiden Lager die „Schlammschlacht“ auf ihre unterschiedlichen Kanäle verteilen. Hierbei bestätigt sich eine Vermutung, die sich bereits aus der Betrachtung der absoluten Zahlen ergab: Im demokratischen Lager übernimmt Obama die „Drecksarbeit“ sehr viel stärker selbst als Romney im republikanischen Lager. So liegt der Anteil der NC-Spots des demokratischen Lagers, die auf Obamas YouTube-Kanal veröffentlicht wurden, konstant und deutlich über den Anteilen der NC-Spots, die von DNC oder (den untersuchten) pro-demokratischen PACs veröffentlicht wurden. Bei den Republikanern hingegen fällt der Anteil der NC-Spots, die von Romney und dem RNC veröffentlicht wurden, jeweils sehr ähnlich aus. Auch hier zeigt sich wiederum, dass sich die republikanische Partei im Vergleich zur demokratischen Partei sehr viel stärker an der Schlammschlacht beteiligt.


Fazit

Wer führt nun also den negativeren YouTube-Wahlkampf, Obama oder Romney? Wie die obigen Auswertungen zeigen, ist diese Frage gar nicht so einfach zu beantworten. Geht man nach den absoluten Zahlen, so liegt Obama klar vorne. Allerdings nur, wenn man ausschließlich die YouTube-Kanäle der beiden Kandidaten betrachtet. Rechnet man alle untersuchten YouTube-Kanäle zusammen, so ergibt sich in jedem der untersuchten Monate ein fast perfektes „Unentschieden“ zwischen den beiden Lagern. Mit anderen Worten: Der Negativ-Output beider Lager scheint ähnlich hoch zu sein, nur teilt er sich in beiden Lagern unterschiedlich auf die verschiedenen Kanäle auf. Obama übernimmt die „Drecksarbeit“ sehr viel stärker selbst als Romney, der hierbei v.a. durch seine Partei unterstützt wird.

Ein interessantes Ergebnis zeigt sich auch, wenn man den NC-Spot-Anteil auf jedem einzelnen untersuchten Kanal betrachtet. Denn auf Obamas YouTube-Kanal werden zwar einerseits die meisten NC-Spots veröffentlicht, andererseits aber auch die meisten sonstigen (d.h. überwiegend positiven) Videos. Nimmt man diesen Befund als Grundlage, so fällt der YouTube-Wahlkampf von Obama also deutlich positiver aus als der YouTube-Wahlkampf von Romney. Oder anders formuliert: Wer generell auf YouTube nach einem Spot aus dem aktuellen US-Präsidentschaftswahlkampf sucht, der stößt mit größerer Wahrscheinlichkeit auf einen NC-Spot von Obama als auf einen NC-Spot von Romney. Wer aber gezielt auf einen der beiden Kandidaten-Kanäle klickt, der wird auf dem Romney-Kanal mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit einen NC-Spot finden als auf Obamas Kanal.

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