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ResearchWatch: Twiplomacy & Twindex – zwei tolle neue Tools zur (politischen) Twitter-Analyse

2. August 2012
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Seit Kurzem gibt es zwei tolle neue Tools um den politischen Twitter-Traffic ein bisschen besser analysieren zu können. Den Anfang machte vor einigen Tagen Twiplomacy, auf das ich über einen Blog-Beitrag auf Homo Politicus gestoßen bin. Twiplomacy trackt die Twitter-Aktivitäten von 193 Regierungen weltweit (und damit insgesamt 264 Twitter-Accounts), darunter natürlich auch der Twitter-Account von Deutschlands Regierungssprecher Steffen Seibert (@RegSprecher). Besonders schön finde ich dabei die Weltkarte mit den 25 „most connected World Leaders on Twitter“:

Der Star unter den Politikern auf Twitter ist natürlich Barack Obama: Ein Viertel aller anderen auf Twitter aktiven Regierungen folgt Barack Obama bzw. dem Weißen Haus. Im Gegenzug folgen Barack Obama und das Weiße Haus jedoch nur drei anderen Regierungen: Norwegen, Großbritannien und Russland. Deutschland wird von Obama also bislang – wie viele andere Regierungen auch – ignoriert. Am besten vernetzt ist deshalb auch nicht Obama, sondern EU-Ratspräsident van Rompuy, der 11 Regierungen, die ihm folgen, ebenfalls folgt.

Schön finde ich schließlich auch die Liste mit den den jeweils ersten Tweets der getrackten Regierungen („World Leaders‘ First Tweets“) und die Liste mit den erfolgsreichsten Tweets (am meisten Retweets) der Regierungen („World Leaders‘ Most Retweeted Tweets“). Auch hier sichert sich Obama wieder den ersten Platz mit seinem Bekenntnis zur gleichgeschlechlichen Ehe: „Same-sex couples should be able to get married.“

Twindex

Twindex bzw. „The Twitter Political Index“ ist ein brandneues Tool (gestern vorgestellt) von Twitter selbst, das die Tweets zum US-Präsidentschaftswahlkampf trackt und einer automatisierten Tonalitätsanalyse unterzieht. Nick Bilton vom New York Times-Blog „Bits“ hat das Ganze einmal etwas genauer unter die Lupe genommen und den Verantwortlichen bei Twitter, Adam Sharp, dazu befragt.

Auf der Twindex-Homepage kann man immer den tagesaktuellen Stand der „Twitter-Stimmungslage“ zu Obama und Romney abrufen, zusammengefasst in einem Index von 0 (sehr negative Stimmung in Bezug auf den Kandidaten) bis 100 (sehr positive Stimmung in Bezug auf den Kandidaten). Momentan fällt diese Stimmungslage mal wieder deutlich zu Gunsten von Obama aus: Dieser verzeichnet aktuell 44 Punkte (+ 10 seit gestern), Romney hingegen nur 26 Punkte (+ 1 seit gestern):

Noch schöner ist aber eigentlich die Verlaufskurve des Twindex, die bis Anfang Mai zurückreicht. Wie man hier sieht, gibt es relativ deutliche Schwankungen bei der Twitter-Stimmungslage zu Obama und Romney. So lag Obama beispielsweise am 10. Mai schon einmal bei 74 Punkten. Der Vorsprung gegenüber Romney (26 Punkte) fiel damals also noch sehr viel deutlicher aus als heute. Romney erreichte seinen bisherigen Höchststand am 6. Juni (64 Punkte, Obama: 50 Punkte), den größten Vorsprung vor Obama konnte er allerdings am 11. Juli verzeichnen (Romney 39 Punkte, Obama: 20 Punkte).

Twitter selbst bezeichnet den Twindex als ein „neues Wahlbarometer“, das nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung bzw. Verstärkung der bisherigen Wahlforschungstools angesehen werden sollte: „We believe the Twitter political index reinforces the transitional models of research. By providing more signals, more dials — that can agree or disagree — these new technologies give a more complete picture of crafting a political forecast.“ so Adam Sharp von Twitter gegenüber der New York Times.

Fazit: Die politische Kommunikationsforschung hat wieder zwei tolle neue Tools mehr, um die politischen Aktivitäten auf Twitter zu analysieren. Leider gibt es bei keinem der beiden Tools eine Export- bzw. Download-Funktion für die Erhebungsdaten, aber das kann man bei kostenlosen Tools natürlich auch nicht unbedingt erwarten. Besonders schön für uns Forscher bei Twiplomacy: Es gibt sogar alle Daten als Excel-Datei zum Download (ganz unten auf dieser Seite, unter „About the Study“). Solch eine Download-Funktion bietet Twitter beim Twindex leider noch nicht, worüber man sich bei einem kostenlosen Tool allerdings nicht wirklich beschweren kann.

Man darf gespannt sein, wann die ersten Analysen erscheinen, die die Twindex-Daten mit Umfragedaten vergleichen. Außerdem bin ich schon sehr gespannt auf die „Vorhersage“ des Twindex einen Tag vor dem Wahltermin der US-Präsidentschaftswahl am 5. November…

Nachtrag (06.08.2012): Hier noch ein interessanter „Newsy“-Beitrag zum Twindex, sowie ein Radio-Interview, in dem der Twindex-Macher Adam Sharp erklärt, wie der Index funktioniert und wie man ihn interpretieren muss. So bedeutet ein Wert von 67 Punkten auf dem Twindex beispielsweise, dass die Tweets zu dem jeweiligen Kandidaten an diesem Tag im Durchschnitt positiver waren als 67 Prozent aller anderen Tweets an diesem Tag weltweit.

4 Kommentare leave one →
  1. 2. August 2012 14:24

    Jan,
    Sie können den gesamten Datensatz von Twiplomacy hier als Excel herunterladen: http://twiplomacy.com/wp-content/uploads/2012/07/Twitter-Diplomacy-Data-Sheet-July-2012.xlsx
    MfG

  2. 2. August 2012 14:33

    Hallo Herr Lüfkens,

    vielen Dank für den Hinweis! Ich habe das im Beitrag gleich entsprechend korrigiert…

    Beste Grüße
    Jan Kercher

Trackbacks

  1. ResearchWatch: Romneys Vize-Auswahl – nachverfolgt auf Google und Twitter « campaignwatchers.de
  2. Link-Tipp: “Mood Meter” zum Twitter-Wahlkampf in den USA « campaignwatchers.de

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