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ResearchWatch: Muss Obama hoffen, dass vor allem Handy-Nutzer zur Wahl gehen?

31. Juli 2012
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Im Mai meldete eine NBC-Umfrage Erstaunliches: Obama liege in Floria mit 57 zu 34 Prozent vor Romney. In Florida! Also einem Staat, der aufgrund seines hohen Rentneranteils traditionell eher in republikanische Richtung tendiert. Was war denn da passiert? Nun, das soeben zitierte Umfrage-Ergebnis ist nur die halbe Wahrheit: Denn bei den hierfür Befragten handelte es sich ausschließlich um die Handy-Nutzer in der Stichprobe. Bei den Festznetz-Nutzern sah das Ergebnis ganz anders aus: 48 zu 45 Prozent für Romney.

Ganz ähnlich sahen die Umfrage-Ergebnisse übrigens auch in Virgina aus: 54 zu zu 36 Prozent für Obama bei Handy-Nutzern, aber 47 zu 46 Prozent für Romney bei Festnetz-Nutzern. Auch in Ohio schnitt Obama bei den Handy-Nutzern deutlich besser ab (47 zu 37), allerdings lag er hier auch bei den Festnetz-Nutzern vorne, nur eben deutlich knapper (44 zu 41). Den Angaben von NBC nach waren in Florida und Ohio 28 Prozent der Befragten Handy-Nutzer, in Virginia 27 Prozent.

Trotzdem wurden deren Auskünfte von NBC offensichtlich stärker gewichtet als die der Festnetz-Nutzer, denn die Gesamt-Prognosen für die drei Staaten lauteten wie folgt: 48 zu 44 Prozent für Obama in Florida und Virgina und sogar 48 zu 42 Prozent für Obama in Ohio. Offenbar wird von den NBC-Umfrage-Forschern also bei den Handy-Nutzern eine Art „Erreichbarkeitsmalus“ einberechnet. Denn die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Interviews per Handy sind vermutlich deutlich geringer als per Festnetz, schließlich erreicht man Handy-Nutzer häufiger in unpassenden Situationen als Festnetz-Nutzer.

Als Umfrage-Forscher sollte man diesen Erreichbarkeitsmalus also durch eine stärkere Gewichtung der Handy-Nutzer ausgleichen, wenn man keine vollkommen falschen Prognose produzieren will. Wie stark diese Gewichtung ausfällt, das ist dann v.a. ein Ergebnis aus Erfahrungen bei früheren Wahlen und einer Schätzung der Entwicklung der Handy-Nutzung seit der letzten Wahl.

Diese Überlegungen erklären aber noch nicht, warum die Handy-Nutzer nun so viel deutlicher zu Obama tendieren als die Festnetz-Nutzer. Hinter diesem Ergebnis dürfte vermutlich v.a. ein „Altersbias“ bei Handy- und Festnetz-Teilnehmern stecken. Denn aller Wahrscheinlichkeit nach sind (reine) Handy-Nutzer im Schnitt deutlich jünger als (reine) Festnetz-Nutzer. Der Pro-Obama-Bias bei Handy-Nutzern dürfte also v.a. ein verdeckter Alterseffekt sein, der von den Umfrage-Forschern ebenfalls berücksichtigt und entsprechend der Altersverteilung in der jeweiligen Bevölkerung einbezogen wird.

Fazit: Muss Obama also nun wirklich hoffen, dass am 6. November v.a. Handy-Nutzer zur Wahl gehen? Ein bisschen schon. Denn (reine) Handy-Nutzer sind in den meisten Fällen die eher jüngeren Wähler. Und die tendieren im Allgemeinen eher zu Obama als zu Romney. Ob sich Obamas Wahlkämpfer deshalb bei ihren Wahlkampf-Anrufen v.a. auf Handy-Nutzer konzentrieren und Romneys Wahlkämpfer v.a. auf Festnetz-Nutzer, konnte ich bislang noch nicht herausfinden. :) Angesichts des nahezu wissenschaftlichen Niveaus, das die Kampagnen-Organisation in den USA mittlerweile erreicht hat (v.a. in Barack Obamas Team), liegt diese Vermutung jedoch sehr nahe…

Nachtrag (19.09.2012): Heute wurde auf fivethirtyeight noch eine interessante Analyse zum obigen Thema veröffentlicht.

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