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Campaignwatch: Hat Romney mit seiner jüngsten Attacke gegen Obama eine rote Linie überschritten?

25. Juli 2012
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In meinem gestrigen Blog-Beitrag habe ich die aktuelle Diskussion um das „You didn’t build that“-Zitat von Obama behandelt und bin dabei zu dem Schluss gekommen, dass die Republikaner Obamas Zitat zwar grob aus dem Zusammenhang gerissen und so zusammengeschnitten haben, dass der eigentliche Sinn dabei komplett verloren ging. Dass dies aber gleichzeitig zu den üblichen Taktiken im US-Wahlkampf gehört, derer sich auch das Obama-Lager bedient und bereits bedient hat.

Ein Ausschnitt aus einer aktuellen Wahlkampf-Rede von Obama, in dem er auf die Zitat-Verunglimpfungen des Romney-Lagers eingeht, hat mich nun aber zum Nachdenken gebracht. Obama gibt in dieser Rede zu, dass Zitat-Verzerrung (Obama bezeichnet es etwas euphemistisch als „Spin“) im Wahlkampf bis zu einem gewissen Grad durchaus tolerabel ist, zieht aber gleichzeitig eine Art „rote Linie“, die – natürlich – im aktuellen Fall von Romneys Lager überschritten wurde (ab Minute 0:40):

Hier der Wortlaut der entscheidenden Passage aus Obamas Rede: „You know, in politics we all tolerate a certain amount of spin. I understand, these are the games that get played in political campaigns. Although, you know, when folks just omit entire sentences of what you said… they start kind of slicing and dicing, it may have gotten a little over the edge there.“

Übersetzen würde ich diesen Teil von Obamas Rede folgendermaßen: Es ist OK, im Wahlkampf Zitate des politischen Gegners aus dem Zusammenhang zu reißen. Daran sind wir mittlerweile alle gewöhnt und das gehört irgendwie zum Spiel dazu. Wo der Spaß jedoch aufhört, ist, wenn bei diesen Zitaten auch noch komplette Passagen herausgeschnitten und die verbleibenden Teile auf eine Weise neu zusammengesetzt werden, dass sie einen vollkommen neuen Sinn ergeben.

Insofern muss ich meine gestriges Fazit in gewisser Hinsicht relativeren: Bei den Romney Zitaten, die bislang vom Obama-Lager gegen Romney verwendet wurden, fehlte zwar immer auch (bewusst) der teilweise erhellende Kontext, aber es wurden keine Teile aus dem Zitat selbst herausgeschnitten. Sieht man diesen Unterschied als entscheidend an, so lässt sich durchaus argumentieren, dass die jüngste Angriffskampagne von Romney eine neue Qualität der Zitat-Entfremdung darstellt.

Fazit: Natürlich folgt die Argumentation in Obamas Rede auch wieder dem Muster „Distanziere dich von der Schlammschlacht… und beteilige dich dann daran„. Trotzdem enthält sie zweifelos auch einen wahren Kern, der deshalb nicht übersehen werden sollte. Denn ganz offensichtlich stellt Romneys neuester Angriff eine neue Qualität von Zitat-Entfremdung dar, die mich als Wahlkampf-Beobachter nachdenklich stimmt.

Das bedeutet keinesfalls, dass haltlose Attacken des Obama-Lagers gegenüber Romneys Bain Capital-Vergangenheit besser sind. Aber es zeigt, dass der US-Wahlkampf offensichtlich leider immer noch ein wenig schmutziger werden kann als er es in der Vergangenheit ohnehin schon war.

P.S.: Die Republikaner und ihre Unterstützergruppen zeigen sich unbeeindruckt von Obamas Konter und legen heute gleich nochmal zwei neue Attack Ads zum „You didn’t build that“-Zitat nach, die teilweise sogar explizit auf den Kontext des Zitats eingehen:

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