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Campaignwatch: „Barack Obama, Outsourcer-in-Chief“ – Die Republikaner schlagen zurück

12. Juli 2012
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„Was der kann, das können wir schon lange.“ haben sich die Republikaner vermutlich gedacht, als sie ihre jüngste Angriffskampagne gegen Barack Obama geplant haben. Denn seit einigen Wochen arbeitet die Obama-Kampagne sehr engagiert daran, Romney ein Image als Vernichter von amerikanischen Jobs anzuhängen – und das teilweise mit eher unlauteren Mitteln.

Bislang haben Romneys Team und die republikanische Wahlkampfzentrale auf diese Angriffe eher zaghaft reagiert. Bis auf einen einzelnen Konter-Spot der Romney-Kampagne zu Obamas Bain Capital-Angriffen verzichtete man auf größere Gegenangriffe, offensichtlich im Bemühen, das Thema nicht noch größer zu machen, als es ohnehin schon ist.

Nun scheint sich aber ein grundlegender Strategiewechsel in der Kampagnenführung der Republikaner zu vollziehen. Vermutlich hat man dort erkannt, dass sich die Bain Capital-Angriffe gegen Romney nicht einfach von selbst totlaufen, sondern Obamas Wahlkampfteam gewillt ist, diese Angriffslinie bis zum bitteren Ende weiterzuführen – trotz der Gefahr eines Bumerang-Effekts. Möglicherweise haben die Republikaner aber auch gezielt abgewartet, bis eine gewisse Übersättigung der Wähler mit den Bain Capital-Angriffen von Obamas Wahlkampfteam angenommen werden kann – um dann mit einem gezielten Gegenangriff zuzuschlagen, der die Aufmerksamkeit von Romney auf Obama verlagert, Obamas Angriffe gleichzeitig scheinheilig wirken lässt und so einen möglichen Bumerang-Effekt seiner Angriffe auf Romney unterstützt.

Dieser Gegenangriff wurde vom RNC nun in Form einer neuen Kampagnen-Webseite (ObamanomicsOutsourced.com) und einem Angriffsspot („Barack Obama, Outsourcer-in-Chief“) gestartet. Die gemeinsame Botschaft: Der wahre Job-Outsourcer ist nicht Romney, sondern Obama. Denn er hat mit seiner falschen Politik dazu beigetragen, dass Millonen von Dollar aus dem Wachstums- und Konjunturprogramm der Regierung nicht in die Schaffung amerikanischer Jobs, sondern in die Schaffung von Jobs im Ausland investiert wurden:

Dieselbe Botschaft wird – welch Überraschung – nun auch von Romney selbst  in seinen Wahlkampfreden kommuniziert:

Auf ObamanomicsOutsourced.com, dem Herzstück der neuen Angriffskampagne des RNC, findet man als Leser zunächst die Aufforderung „Follow the jobs“ – ganz offensichtlich eine Anspielung auf das berühmte Watergate-Zitat „Follow the money“. Darunter findet sich dann eine Weltkarte mit über 20 Ländern, die durch Obama angeblich von amerikanischen Steuergeldern profitiert haben sollen, die eigentlich für die Ankurbelung der amerikanischen Wirtschaft gedacht waren. Mit einem Klick auf diese Länder erfährt man dann jeweils mehr zu den geförderten Projekten.

Deutschland ist ebenfalls mit von der Partie, bei uns kam angeblich E.O.N. in den Genuss von über 440 Millionen Dollar aus dem Konjunkturpaket der Obama-Regierung – zur Konstruktion von neuen Windenergieparks: „E.ON Climate & Renewables Received Over $440 Million In Stimulus Grants For Wind Farms That Began Construction Before The Stimulus Was Passed.“

Auch die Romney-Kampagne veröffentlichte heute – natürlich rein zufällig – noch einmal eine Art Update zu ihrem ersten Konter-Spot zu den Bain Capital-Vorwürfen von Obama, Titel: „No Evidence“. Noch stärker als bei der neuen Angriffskampagne der Republikaner ist hier das Ziel zu erkennen, den Bumerang-Effekt gegen die Angriffskampagne von Obama zu befeuern. Die zentrale Botschaft des Spots: Alle Job-Outsourcing-Vorwürfe gegen Romney sind erstunken und erlogen und jemand, der solche Lügen im Wahlkampf verwendet, sollte als Präsident schleunigst abgewählt werden. O-Ton: „When a president doesn’t tell the truth, how can we trust him to lead? (…) Obama’s dishonest campaign: Another reason America hast lost confidence in Barack Obama.“

Fazit: Da bisher noch keine Factchecker-Seite die neue Angriffskampagne des RNC bewertet hat, lässt sich noch nichts Gesichertes über deren Wahrheitsgehalt aussagen. Es liegt jedoch nahe, zu vermuten, dass dieser ähnlich niedrig ausfallen dürfte wie der Wahrheitsgehalt der jüngsten Bain Capital-Angriffe des Obama-Teams.

In jedem Fall wird es spannend sein, zu beoachten, wie die Obama-Kampagne mit diesem Strategiewechsel der Republikaner umgehen wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte auf YouTube bald ein neues Stephanie Cutter-Video veröffentlicht werden, in dem sie die Angriffe der Republikaner – wie schon in früheren Videos mit ihr – Stück für Stück zerlegt. Eine Art „Drehbuch“ für solch ein Video existiert bereits, denn Obamas Wahlkampfteam hat umgehend ein Dokument veröffentlicht, das auf die neuen Angriffen der Republikaner eingeht und versucht, sie anhand von quellengestützten Fakten zu widerlegen.

Die spannende Frage ist aber, ob es Obamas Wahlkämpfer dabei belassen werden oder ihrerseits wieder zum massenmedialen Gegenangriff übergehen werden, inklusive neuer Konterspots und medialer Auftritte von Obama-Wahkämpfern. Denn eine zentrale Regel des amerikanischen Wahlkampfs lautet: Beantworte ernstzunehmende Angriffe so umfassend und so schnell wie möglich.

Wie wird die Einschätzung des Obama-Teams also ausfallen? Handelt es sich um einen ernstzunehmenden Angriff? Oder diskreditiert sich der Angriff von selbst, weshalb man ihn unbeantwortet lässt und auf einen „kostenlosen“ Bumerang-Effekt hofft? In den nächsten Tagen wissen wir mehr…

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