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US-Wahlkampf, Lektion 21: Attackiere die wichtigsten Stärken deines Gegners

27. Juni 2012

Das zentrale Wahlkampf-Motto von Mitt Romney lässt sich – in Anspielung auf Bill Clintons Wahlkampf von 1992 – zusammenfassen mit: „It’s the economy, stupid!“. Romney hat schon lange erkannt, dass die Wirtschaftskrise seine Chance ist, Obama aus dem Amt zu jagen und dass er dafür sein Profil als Wirtschaftsexperte und „Job-Maschine“ stärken muss.

Vor einigen Tagen veröffentliche Romneys Kampagne hierzu wieder eine Serie von Spots mit dem Titel „First 100 Days“, die zeigen sollen, welche Maßnahmen Romney gleich in den ersten 100 Tagen seiner Präsidentschaft ergreifen würde, um die amerikanische Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Geschickterweise hat Romneys Team diese Spots „regionalisiert“, d.h. es gibt vier verschiedene Versionen für die vier umkämpften Bundesstaaten Iowa, North Carolina, Ohio und Virginia. Hier als Beispiele mal die beiden Spots für Iowa und Ohio:

Die „Wirtschaftsexperte“-Strategie von Romney ist natürlich auch Obamas Wahlkampfteam nicht entgangen und so lassen sie keine Möglichkeit aus, um genau diese Stärke von Romney anzugreifen und ins Gegenteil zu verkehren. Denn Romney hat ein Problem: Sein Bain Capital-Vergangenheit. Bekanntlich war seine Aufgabe bei Bain Capital nicht, Jobs in Amerika zu schaffen, sondern angeschlagene Firmen zu sanieren, was offensichtlich nicht selten mit der Verlagerung von Jobs ins Ausland verbunden war.

Nun haben sich Obamas Wahlkämpfer die „First 100 Days“-Spots von Romney vorgenommen und entsprechende Response Ads für Iowa, Ohio und Virginia produziert (interessanter Nebenaspekt: North Carolina scheint in der Prioritäten-Rangliste des Obama-Teams nicht hoch genug für einen eigenen Spot zu rangieren). In den drei Spots werden Romneys Ankündigungen, sich gegen China zur Wehr zu setzen, Tausende neuer Jobs zu schaffen und die Zukunftssorgen der Bürger zu lindern, mit einem Artikel aus der Washington Post konstrastiert, der Romney die Verlagerung von Jobs ins Ausland während seiner Zeit bei Bain Capital vorwirft:

Natürlich kann man nun einwenden, dass Romney als Präsident ja eine andere Zielsetzung zu verfolgen hätte als in seiner Zeit bei Bain Capital. Und dass möglicherweise gerade sein Wissen über das „Offshoring“ von amerikanischen Jobs dabei helfen könnte, diese Praxis in Zukunft einzuschränken. Die Frage ist nur, wieviele Wähler glauben, dass Romney als Präsident tatsächlich solch einen Sinneswandel durchleben würde und nicht mit seiner wirtschaftsfreundlichen Politik genau die Praktiken unterstützen würde, für die er bei Bain Capital selbst verantwortlich war.

Aber auch die Angriffsstrategie von Obama ist mit gewissen Risiken verbunden. Denn Obamas Kampagne hat – geneinsam mit der demokratischen Parteizentrale – bereits während des republikanischen Vorwahlkamps auf die Bain Capital-Vergangenheit von Romney eingeschlagen, damals noch in Eintracht mit den republikanischen Konkurrenten von Romney. Es besteht also die Gefahr, dass sich dieses Angriffsmotiv langsam totläuft und bei den Wählern eine gewisse Übersättigung oder sogar eine Gegenreaktion („Jetzt lasst doch mal endlich diese alten Hüte!“) einsetzt.

Genau auf diesen „Bumerang-Effekt“ bzw. den vorhergehenden „Victim-Syndrome-Effekt“ dürfte Romneys Team spekulieren und deshalb auf Gegenangriffe verzichten. Denn bekanntlich steigt die Wahrscheinlichkeit eines Bumerang-Effekts, wenn massive (und bestenfalls unsachliche) Angriffe eines Kandidaten vom Gegenkandidaten nicht beantwortet werden. So schreibt Gerd Strohmeier in seinem Buch „Moderne Wahlkämpfe – wie sie geplant, geführt und gewonnen werden“: „Angriffe der politischen Konkurrenz […], die als völlig überzogen und ungerechtfertigt in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden und höchstwahrscheinlich zu einem Victim-Syndrome-Effekt führen, sollten ebenfalls weitest gehend ignoriert werden, auf jeden Fall dann, wenn sich der gewünschte Bumerangeffekt einzustellen scheint“ (Strohmeier 2002: 106).

Literatur: Strohmeier, Gerd (2002): Moderne Wahlkämpfe – wie sie geplant, geführt und gewonnen werden. Baden-Baden: Nomos.

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