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Campaignwatch: Ron Paul is back – jetzt auch als Avatar!

22. Juni 2012
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„Wir befinden uns im Jahre 2012 n. Chr. Die ganze republikanische Partei hat sich mit der Nominierung von Mitt Romney als Präsidentschaftskandidat abgefunden… Die ganze Partei? Nein! Eine von unbeugsamen Ron Paul-Anhängern bevölkerte Kampagne hört nicht auf, dem Eindringling Romney Widerstand zu leisten.“ So oder ähnlich könnnte man den Zustand beschreiben, indem sich die republikanische Kandidatennominierung gerade befindet.

Denn wer dachte, dass sich Ron Paul geschlagen geben würde, nachdem Romney die kritische Anzahl an Delegiertenstimmen für die Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat erreicht hat, der hat sich gründlich getäuscht. Nach einer kurzen Schockstarre hat sich Ron Pauls Kampagne in den letzten Tagen zurückgemeldet – und zwar lauter, als je zuvor. Gleich drei neue Spots wurden auf Ron Pauls YouTube-Kanal veröffentlicht.

Im ersten Spot („A Peaceful Revolution“) profiliert sich Ron Paul erneut als Bekämpfer jeglicher militärischer Auslandseinsätze der USA. Offensichtlich hat man sich bei Ron Pauls Kampagnen-Machern gedacht, dass so eine Botschaft umso besser wirkt, wenn sie nicht von Ron Paul selbst verkündet wird, sondern… von seinem Avatar! In einer Computerspiel-Umgebung! :-) Wir werden wohl leider nie erfahren, was es mit dieser Idee genau auf sich hat und warum so viel Mühe in den digitalen Ron Paul investiert wurde. So richtig gelohnt hat es sich jedenfalls nicht: Knapp 27.00 Aufrufe seit dem 16. Juni sind zwar kein Total-Flop, aber sicherlich auch kein Ergebnis, das solch einen Programmier-Aufwand rechtfertigt:

Hier der komplette Text des Avatar-Spots als Transkript: „We now are a nation known to start war. We feel compelled because of our insecurity, that we have to go over and attack these countries to maintain our empire. We have over 700 bases. We’re in 130 countries and we are talking about bombing Iran. It is such a dramatic change from what is truly American and truly constitutional. I don’t want to run the world. The Constitution doesn’t give me the authority to run the world. We ought to mind our own business, is what we need to do. With all this spending overseas, wasted money. This is a continuation of a revolution. It is a peaceful revolution. It’s up to you to spread this message around this country. This is an American cause, it’s a cause for freedom. There’s something going on in this country and it’s big. Spread the message. Thank you.“

Im zweiten Spot („That’s How Ron Paul Rolls! It’s Time to Drain the Swamp!“) wird Ron Paul in Marktschreiermaniner als Steuersenker Nr. 1 beworben – und alle anderen Politiker als unfähig abgekanzelt: „What’s up with these sorry politicians? Lots of bark! But when it’s show time? Whimpering like little Shih-Tzus. You want big cuts? Ron Paul’s been screaming it for years! Budget Crisis? No problem! Cut a trillion bucks year 1! That’s trillion with a T! Department of education? Gone! Interior? Energy? HUD? Commerce? Gone! Later, bureaucrats. That’s how Ron Paul rolls. Want to drain the swamp? Ron Paul. Do it!“

Der Spot wirkt eigentlich mehr wie eine Parodie, scheint aber offensichtlich den Nerv der Paul-Anhänger zu treffen, wenn man sich einmal den Anteil der positiven Bewertungen auf YouTube anschaut (98,3 Prozent). Beim dritten Spot („America Must Be Free Again“) handelt sich schließlich um eine knapp fünfminütige Mini-Doku, in der es um die (in den Augen von Ron Paul) anti-libertäre Politik von Politkern wie Bush, Obama, Romney, Gingrich oder Santorum geht. In diesem Video wird besonders schön deutlich, dass sich Ron Pauls Kampagne tatsächlich in einer Art „Wir gegen den Rest der amerikanischen Politiker (egal, von welcher Partei)“-Modus befindet:

Die Rückkehr von Ron Pauls Kampagne im Wahlkampf wurde in den letzten Tagen auch von den Medien registriert und aufgegriffen. So gab ihm CNN vor wenigen Tagen in einem Interview die Möglichkeit, sich als „Kandidat der Herzen“ darzustellen, zu versichern, dass er – im Gegensatz zu seinem Sohn Rand Paul – nicht vorhabe, eine Wahlempfehlung für Mitt Romney auszusprechen („No way!“) und seinen Plan für den republikanischen Nominierungsparteitag als Anlass für eine Richtungsdiskussion in der Partei zu erläutern (siehe folgendes Video ab Minute 5:52):

Auch Rachel Maddows von MSNBC setzte sich diese Woche einmal wieder auf sehr unterhaltsame Weise mit der aktuellen Lage der Ron Paul-Kampagne auseinander. Und wies in einem – in Anspielung auf die „Gorillas im Nebel“ – mit „Guerillas In The Midst“ betitelten Beitrag darauf hin, dass Ron Paul am letzten Wochenende die Mehrheit der Delegierten in Iowa gewinnen konnte. Zudem verklagen mehr als 100 Anhänger von Ron Paul zur Zeit die republikanische Partei, um ihr Recht auf eine abweichende Wahlentscheidung beim Nominierungsparteitag der Republikaner durchzusetzen.

Doch damit nicht genug: Pauls Anhänger sind zur Zeit auch damit beschäftigt, die republikanische Partei in einer Art „Graswurzel-Rebellion“ gleich ganz zu übernehmen. So dominieren Pauls Anhänger mittlerweile die Führungsstrukturen der republikanischen Partei in Iowa, Alaska, Nevada und Maine und nutzen diese Positionen, um die Wahlregeln dieser Staaten in Ron Pauls Sinn zu ändern:

Fazit: Ron Paul ist ein Phänomen der amerikanischen Politik. Und je länger seine Präsidentschaftskamapagne läuft, desto mehr fragt man sich, warum er eigentlich als republikanischer Kandidat antritt und nicht als unabhängiger Kandidat. Denn seine extrem-libertären Positionen und sein Ziel eines neuen amerikanischen Isolationismus passen eigentlich in keine der beiden Parteien, was sich auch in seinen ständigen Rundum-Schlägen gegen alle anderen Politiker zeigt – egal, aus welcher Partei diese stammen.

Man fragt sich zudem, woher Ron Paul und seine Anhänger ihre immense Motivation beziehen, einfach immer weiterzumachen, trotz aller offensichtlichen Signale, dass die republikanische Kandidatennominierung seit einigen Wochen endgültig gelaufen ist. Das hat schon etwas von Oli Kahns „Weiter, immer weiter!“-Spirit. :-) Doch egal, wie aussichtslos die Bemühungen Ron Pauls um eine Neuausrichtung der republikanischen Partei vielleicht auch sein mögen: Für Wahlkampf-Beobachter bieten sie immer wieder eine schöne Abwechslung im bereits jetzt schon etwas abgegriffen „Obama vs. Romney“-Einerlei…

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