Skip to content

Campaignwatch: Wieviel kostet eigentlich die TV-Wahlwerbung in den USA?

20. Juni 2012
tags:

Gestern hat mich eine Blog-Leserin per Kommentarfunktion gefragt, wie viel eigentlich so ein Wahlkampfspot in den USA kostet. Gute Frage. :-) Habe ich mich ehrlich gesagt auch schon häufiger gefragt, aber bislang noch nicht konkret nachrecherchiert.Das ist doch jetzt aber mal ein guter Anlass, um dieses Thema mal ein wenig grundlegender aufzuarbeiten. Hier zum Einstieg mal ein netter kleiner Info-Spot zum Thema mit relativ aktuellen Zahlen:

Für alle, denen das im Video etwas zu schnell ging, hier die wichtigsten Zahlen nochmal im Überblick:

Durchschn. Ausstrahlungskosten eines 30-Sekunden-Spots zur Primetime: 127.178 Dollar
Durchschn. Ausstrahlungskosten am Sonntag: 165.470 Dollar
Durchschn. Ausstrahlungskosten am Samstag: 38.644 Dollar
Durchschn. Ausstrahlungskosten am Mittwoch Abend auf NBC: 64.000 Dollar
Durchschn. Ausstrahlungskosten am Mittwoch Abend auf FOX: 502.900 Dollar

So viel schonmal vorneweg zu den durchschnittlichen Ausstrahlungskosten. Der Preis eines Werbespots wird aber – ganz allgemein – nicht nur von den Ausstrahlungskosten, sondern natürlich auch von den Produktionskosten bestimmt. Die Produktionskosten kann man als Werbetreibender relativ stark beeinflussen (indem man z.B. einen sehr aufwändigen und teuren Spot produzieren lässt oder einen sehr einfachen und günstigen), die Ausstrahlungskosten nur sehr begrenzt. Diese hängen in erster Linie davon ab, wieviele Zuschauer man mit dem Spot erreichen wird. Was wiederum davon abhängt, an welchem Tag, zu welcher Zeit, während welcher Sendung und auf welchem Sender der Spot ausgestrahlt wird.

Will heißen: Besonders teuer ist eine Ausstrahlung während beliebter Sendungen in der Prime-Time am Sonntag, besonders günstig ist die Ausstrahlung nachts und unter der Woche bei Sendungen, die kein Mensch schaut. In den USA kommt als weitere Variable auch noch die Unterscheidung zwischen landesweit ausgestrahlten Spots (sehr teuer) und nur lokal bzw. regional ausgetrahlten Spots hinzu (deutlich günstiger). Was zur Folge hat, dass die meisten Wahlkampf-Spots nur in bestimmten Staaten ausgestrahlt werden, nämlich in den umkämpften Swingstates. Und in Washington D.C., weil dort alle wichtigen Journalisten sind, die eventuell für eine kostenlose Weiterverbreitung der Spots sorgen könnten, Stichwort „Ad Watching„.

Zu den Produktionskosten: Ich habe im Netz die Angabe gefunden, dass allein schon die Produktion eines 30-sekündigen Werbespots in den USA durchschnittlich 350.000 Dollar kostet. Das ist natürlich eine ziemliche Hausnummer. Allerdings muss man dazu sagen, dass diese Zahl nicht unbedingt sehr aussagekräftig für die Produktionskosten im amerikanischen TV-Wahlkampf ist. Denn: Hier werden die Spots wie am Fließband produziert und zum großen Teil mit sehr einfachen Mitteln. Denn bei fast allen Spots handelt sich um schlichte Zusammenschnitte bereits vorhandener (und immer wieder verwendeter) Aufnahmen. Es muss also nur in seltenen Fällen ein extra Video-Dreh bezahlt werden. Teilweise werden die Spots von den Kampagnen selbst produziert und auch bei einer Vergabe an externe Dienstleister dürften die Kosten aufgrund der Menge an produzierten Spots (Stichwort: Mengenrabatt) vermutlich vergleichsweise gering ausfallen. Ich schätze die Kosten eines einzelnen Wahlkampf-Spots also – mit Ausnahme von aufwändig produzierten Geschichten wie den Mini-Dokus von Obama – auf wenige tausend Dollar.

Damit komme ich nochmal zu den Ausstrahlungskosten. Hier liegt der Durchschnittswert, wie oben bereits erläutert, bei etwa 130.000 Dollar. Das ist natürlich schon ziemlich happig, v.a. für Wahlkämpfe, die fast ein Jahr lang gehen. Auch hier gibt es natürlich Mengenrabatte, aber das heißt nicht, dass es deswegen wirklich billig wird. Hier zwei Anhaltspunkte dafür, wie teuer es im Extremfall werden kann, die ich ebenfalls im Netz gefunden habe: Während einer beliebten (landesweit ausgestrahlten) Sitcom zahlt man etwa 150.000 für 30 Sekunden Werbung, während des Super Bowls (Football-Finale), bei dem ganz USA vor dem Fernseher sitzt, liegen die Kosten für 30 Sekunden zwischen 500.000 und mehreren Millionen Dollar. Die Untergrenze sind Werbespots auf einem lokalen Sender zu einer unattraktiven Sendezeit, da kann man wohl auch mal mit 4.000 Dollar für vier 30-Sekünder davonkommen.

Die eigentlich relevante Größe für den US-Wahlkampf sind aber die regional geschalteten Spots, den das ist der Normalfall, nicht die landesweiten Spots. Hierzu konnte ich Folgendes herausfinden: „In an average size market – say Phoenix – you could buy a :30 commercial in ‚House‘ for roughly $7,500.“ Das klingt schon mal deutlich günstiger, allerdings muss man berücksichtigen, dass diese Angabe erstens schon vier Jahre alt ist und man außerdem so gut wie nie einzelne Spot-Ausstrahlungen kauft, sondern fast immer gleich ein Paket (was bei diesem Preis wohl auch schon einberechnet ist, bei einer einzelnen Ausstrahlung würde es also teurer). Normaler ist z.B. ein Paket von zehn Ausstrahlungen, d.h. auch damit wäre man dann schon wieder bei 75.000 Dollar. Und hat damit – wenn es gut läuft – gerade mal einen größeren Teil der Bevölkerung von Phoenix und Umgebung (ca. 4 Mio Menschen) erreicht.

Fazit: TV-Wahlwerbung in den USA ist teuer, sogar verdammt teuer. Was auch die exorbitanten Wahlkampfkosten in den USA zu einem großen Teil erklärt. Im Vergleich dazu haben es die Parteien in Deutschland richtig gut: Wahlplakate sind deutlich günstiger zu produzieren und zu verbreiten und Wahlwerbespots kann man auf den öffentlich-rechtlichen Sendern sogar kostenlos ausstrahlen lassen, zumindest eine begrenzte Zahl davon. Von Verhältnissen wie in den USA sind wir in Deutschland also – glücklicherweise – noch meilenweit entfernt…

Advertisements
2 Kommentare leave one →
  1. Zita Meyer permalink
    25. Juni 2012 18:59

    Es ist wirklich unglaublich, in welchem Umfang die Medien an den Wahlen ihr Geld verdienen. Bei diesen Summen ist es natürlich klar, dass weniger betuchte Kandidaten wenig bis gar kein Glück haben erfolgreich schon allein aus den Vorwahlen herauszugehen. Da sie sich medial nicht etablieren können und ihren Bekanntheitsgrad weder festigen noch vergrößern können, ist es nur logisch, dass die erhofften SUPERSpenden die zurzeit an Mitt Romney gehen, ausbleiben.

    Existiert auch ein Blog darüber, wie Medien die Wählerschaft manipulieren?

    • 25. Juni 2012 20:35

      Hallo Frau Meyer,

      Ihre Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. :-) Es gibt eine Menge Blogs, die sich mit Medien und ihrer Wirkung beschäftigen, aber mir ist kein Blog bekannt, der sich speziell mit dem Thema „Wählermanipulation durch Medien“ beschäftigt. Wäre ja auch ein wenig einseitig. :-) Hier aber mal ein paar Tipps mit Blogs, die Sie vielleicht interessieren könnten:

      BILDblog: http://www.bildblog.de
      –> beschäftigt sich mit kritisch mit der Berichterstattung v.a. der BILD-Zeitung (teilweise auch mit anderen Medien), da geht es natürlich auch um Wählermanipulation, schließlich sind fast alle BILD-Leser auch Wähler und fast alle BILD-Artikel auch Manipulation :-)

      Stefan Niggemeyer: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/
      –> Niggemeyer ist einer der Gründer des BILD-Blogs, heute immer noch Herausgeber, bloggt mittlerweile aber v.a. auf seinem eigenen Blog und auch hier geht es häufig um manipulative Medienberichte

      pol:komm.net: http://www.polkomm.net/blog
      –> Auch hier geht es immer wieder um den politischen Einfluss von Medien

      SpiegelKritik: http://spiegelkritik.de
      –> Noch ein kritischer Medienblog, in dem es immer mal wieder um den politischen Einfluss von Medien geht

      Beste Grüße
      Jan Kercher

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: