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Campaignwatch: Wie Obama und Romney den Vatertag für den Wahlkampf nutzen

18. Juni 2012
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Nachdem Mitte Mai bereits der Muttertag von Obama und Romney genutzt wurde, um emotionale Botschaften an ihre potenziellen Wähler zu verschicken, war gestern nun auch der Vatertag ein Anlass für neue Web-Videos der beiden Präsidentschaftskandidaten. Die Konzepte der beiden Videos ähneln ihren jeweiligen Vorgängern vom Muttertag: In Obamas Video erzählt seine Frau Michelle, was für ein toller Vater Barack ist, unterbrochen von kurzen Rede-Ausschnitten des Präsidenten und Bildern und Videos aus dem Familienleben der Obamas.

Wie schon beim Muttertagsvideo schaffen es die Video-Macher aus Obamas Wahlkampfteam gegen Ende des Videos geschickt, die private mit einer politischen Botschaft zu verknüpfen. So erläutert Michelle, wie sich Baracks Vaterschaft und die gemeinsamen Abendessen mit der Familie auch positiv auf ihn als Politiker auswirken: „I think that helps to ground him. I know that it keeps him focused on where we need to go as a country. That we need to make sure that we’re giving families, all families in this country the kind of economic support and opportunities so that they can be the best parents that they can be.“

Im Gegensatz dazu konzentriert sich das Romney-Video wieder sehr stark auf die private Seite der Vatertagsbotschaft. Wie schon beim Muttertagsvideo übernehmen Romneys Söhne den Erzähler-Job und illustrieren anhand zahlreicher Anekdoten aus dem Familienleben der Romneys, was für einen tollen Vater sie haben. Unterlegt wird das Ganze wieder mit Bildern und Videos aus der Kinderzeit der vier Söhne, die zusätzliche Belege für die vorbildliche Vaterschaft von Mitt Romney liefern.

Anders als das Muttertagsvideo enthält das Vatertagsvideo von Romney gegen Ende dann aber doch auch noch eine kleine „politische“ Botschaft, auch wenn diese weniger deutlich und politisch-intellektuell ausfällt als bei Obama. So erzählen seine Söhne eine rührende Weinachtsgeschichte, die offensichtlich – und nicht wirklich subtil – einen Beleg dafür lieferrn soll, dass sich Romneys selbstlose Nächstenliebe nicht nur auf seine Söhne erstreckt: „He loves to help people and he does it in a very unassuming, anonymous way. He found out that there was someone in the community that had run out of money to heat their home. It was Christmas time so he loaded us in the car, we went outside, we chopped firewood, loaded it in up the car and drove it down so it would get them to the end of the month.“

Fazit: Wie schon beim Muttertagsvideo setzt die Obama-Kampagne auf eine deutlich intellektuellere und politischere Form der Wähleransprache als die Romney-Kampagne, die v.a. auf Emotionen und die positive Beeinflussung des Kandidatenimages setzt. Auch wenn mir persönlich das Obama-Video besser gefällt, so neige ich zu der Einschätzung, dass beide Videos gut auf ihre jeweiligen Zielgruppen abgestimmt sind und auch das Romney-Video eine wichtige Funktion für die Kampagne ihres Kandidaten erfüllt: Nämlich die Kommunikation der Botschaft, dass Romney keinesfalls – wie von den Demokraten immer wieder unterstellt – ein eiskalter Geschäftsmann ist, sondern ein liebevoller Vater und hilfsbereiter Nachbar und Mitmensch.

Zum Schluss noch eine Bemerkung am Rande: Den Einstieg von Michelle in das Obama-Video halte ich für misslungen und unfreiwillig zweideutig. So drängt sich aus meiner Sicht bei ihren einleitenden Worten („One of the things that Barack is successfull at is giving his children the kind of stability and continuity that he didn’t have.“) sofort die Assoziation auf: Immerhin als Vater ist er mal erfolgreich. Vermutlich nicht unbedingt eine Assoziation, die Obamas Wahlkampfteam mit dem Video erzeugen wollte oder sollte…

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