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US-Wahlkampf, Lektion 19: Stelle deinen Gegner als „out of touch“ dar

14. Juni 2012
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Es ist eine der Lieblingsdisziplinen amerikanischer Wahlkämpfer: Den Gegner als abgehoben, als „out of touch“ mit dem kleinen Amerikaner darzustellen. Im Wahlkampf 2008 nutzte John McCain diese Strategie für eine erfolgreiche und folgenschwere Attacke gegen Obama. Dazu später mehr. Im aktuellen Wahlkampf ist nun ein Kampf um die Frage entbrannt: „Wer ist „out-of-toucher“? Obama oder Romney?

Denn nachdem es während des republikanischen Vorwahlkampfs zur zentralen Aufgabe des demokratischen Wahlkampflagers gehörte, Romneys verbale Vorlagen in unterschiedlichen Zusammenschnitten als Belege für seine „Out-of-Touchness“ anzuführen, haben die Romney-Unterstützer spätestens seit dem Ende des Vorwahlkampfs begonnen, zurückzuschlagen. Eine offene Flanke sind dabei Obamas prominente Unterstützer aus dem Showbusiness und seine gemeinsamen Auftritte mit diesen Celebrities. So veröffentlichte die republikanische Parteizentrale schon vor einigen Monaten den Spot „The Obama 2012 Fashion Show„, in dem eine Spenden-Veranstaltung mit Scarlett Johansson und Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour die Hauptrolle spielte.

Ein Late-Night-Show-Auftritt von Obama lieferte dann vor ein paar Wochen die Vorlage für einen weiteren „Out-of-Touch-Angriff“, diesmal vom pro-republikanischen Super-PAC „American Crossroads“. Inhalt: Jede Menge Bilder von Obama mit Showbusiness-Größen und dazu folgender Text: „Four years ago, America elected the biggest celebrity in the world and America got one cool president. […] After 4 years of a celebrity president – is your life any better?“

Eindeutige Vorlage für diesen Spot: Der „Celeb“-Spot von John McCain aus dem Jahr 2008. Denn auch in diesem wird Obama von der Sprecherin als „biggest celebrity in the world“ bezeichnet, Bilder von Obamas umjubelten Auftritt vor der Berliner Siegessäule werden mit Bildern von Britney Spears und Paris Hilton zusammengeschnitten. Zahlreiche Medien berichteten damals über den Spot und bescherten McCain auf diese Weise kostenlose Werbezeit und zusätzliche Aufmerksamkeit. David Plouffe, der damalige Wahlkampfmanager von Obama, gab später in seinem Buch “The Audacity To Win” zu, dass die Obama-Kampagne als Reaktion auf den Spot zwischenzeitlich auf Massenveranstaltungen im Wahlkampf verzichtet habe.

Die zweite offene Flanke Obamas, die von Romneys Wahlkämpfern zur Zeit besonders aktiv bearbeitet wird, sind die aktuellen Arbeitslosenzahlen. Auch hier bietet sich eine Chance, Obama als „out of touch“ mit den wirklichen Bedürfnissen der amerikanischen Wähler darzustellen. Umso mehr, als Obama den Republikanern mit dem Zitat „The private sector is doing fine.“ („Der Privatwirtschaft geht es gut.“) eine Steilvorlage geliefert hat.

Hinzu kommt schließlich die Gesundheitsreform Obamas. Auch hier versucht Mitt Romney nun, ein Zitat Obamas als Beweis dafür zu verwenden, dass der Präsident keine Vorstellung davon hat, was seine Gesundheitsreform für die Wähler in Wahrheit bedeutet:

Nachdem sich Obamas Team in letzter Zeit mit „Out-of-Touch“-Spots gegen Romney zurückgehalten hatte, scheint die massive Angriffskampagne der Republikaner den Obama-Wahlkämpfern nun zu bunt geworden zu sein. Denn gestern schlugen sie mit einem neuen Online-Spot zurück, der seine Botschaft bereits im Titel trägt: „Mitt Romney: Out Of Touch“. Der Spot ist aber keineswegs ein reiner Angriffsspot, sondern in erster Linie ein Konter-Spot. Er beginnt mit einem Ausschnitt von einer Wahlkampfveranstaltung Romneys, bei der dieser Obama als die Definition von „out of touch“ bezeichnet. Nur um im Folgenden ein Feuerwerk von Romneys besten „Out-of-Touch-Zitaten“ abzubrennen. Damit ganz klar ist, wer von beiden Kandidaten der wahre „Ouf-of-touch-Kandidat“ ist:

Fazit: Man darf gespannt sein, wie der „Out-of-Touch-Battle“ zwischen Obama und Romney weitergeht. Die bessere Ausgangslage hatte definitiv Obamas Wahlkämpfer mit ihren Frames vom abgehobenen Millionär und der eiskalten Heuschrecke Mitt Romney. Aber Romneys Team hat nun offensichtlich einige offene Flanken Obamas ausgemacht, die sich ebenfalls gut für einen „Out-of-Touch“-Frame eignen. Gut möglich, dass diese Angriffe, wie schon 2008, die Wahlkampfplanung Obamas beeinflussen werden. Es würde mich nicht wundern, wenn sich das Obama-Team in den kommenden Wochen mit weiteren, allzu groß angekündigten Celebrity-Spendengalas zurückhält.

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