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ResearchWatch: Wer ist erfolgreicher im Angriffswahlkampf via YouTube – Obama oder Romney?

4. Juni 2012
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In den letzten Wochen und Monaten haben wir hier ja immer wieder die auf YouTube veröffentlichen Angriffsspots von Obama und Romney kommentiert und bewertet. Gestern habe ich mich gefragt, wie stark diese YouTube-Spots eigentlich genutzt werden und wie sie bei den YouTube-Nutzern ankommen.

Weshalb ich mir nun einmal alle im Mai auf YouTube veröffentlichen Angriffsvideos von Obama, Romney, den Demokraten und den Republikanern sowie jeweils zwei wichtigen Super-PACs auf beiden Seiten vorgenommen habe (American Bridge 21st und Priorities USA als pro-demokratische und American Crossroads und Crossroads GPS als pro-republikanische Super-PACs). Hier die Ergebnisse meiner kleinen Ad Hoc-Analyse, die ich auch in den kommenden Monaten wiederholen will.

Top 10: Anzahl der Seiten-Aufrufe

Urheber Titel Aufrufe
Obama Stephanie Cutter: Get the facts on Mitt Romney… 695.047
Romney Day One 508.055
Obama Steel 502.736
Obama Swiss Bank Account 315.571
Priorities USA Heads or Tails 278.374
Obama Broken Promises: Romney’s Massachusetts Record 168.282
Romney Big Bain Backfire 150.344
Obama Stephanie Cutter: Get the facts on Karl Rove’s BS 147.755
Obama Newt Gingrich: Not Mitt Romney’s biggest supporter 116.126
Romney Silence 110.796

Unter den Top 10 bei den Seiten-Aufrufen finden sich sieben Videos von Obama bzw. dem ihn unterstützenden Super-PAC Priorities USA und nur drei Videos von Romney. Die Top 3-Videos kommen alle auf über 500.000 Seitenaufrufe. Mit Abstand am häufigsten aufgerufen (knapp 700.000 Klicks) wurde das Video der Obama-Kampagne, in dem Obamas stellvertretende Kampagnen-Managerin Stephanie Cutter (über die wir hier zuletzt schon berichteten) die Angriffe von Romney und der ihn unterstützenden Öl-Industrie kontert.

Mit jeweils etwa 500.000 Aufrufen landen der Spot „Day One“ von Romney und „Steel“ von Obama auf Platz 2 und 3. „Day One“ ist dabei kein klassischer Angriffsspot, wurde aber ebenfalls in die Auswertung mit aufgenommen, da er einige Angriffe auf Obamas Regierung enthält. Den „Steel“-Spot von Obama haben wir hier im Blog ebenfalls schon kommentiert. Er wurde auch von den Medien stark aufgegriffen und teilweise scharf kritisiert.


Top 10: Anzahl der Kommentare

Urheber Titel Kommentare
Romney Day One 2778
Romney Big Bain Backfire 1778
Romney The Promise of America 1201
Romney A Few of the 23 Million 1153
Romney Not Even Half 811
Romney Silence 672
Romney A Few More Of The 23 Million 606
Romney Day One, Part Two 579
Romney Stories from the Obama Economy 422
RNC Are We Satisfied? No! 376

Bei der Anzahl der Kommentare ergibt sich ein vollkommen anderes Bild als bei den Seiten-Aufrufen: Die Top 10 der am meisten kommentierten Videos bestehen ausschließlich aus Videos der Romney-Kampagne und einem Video der republikanischen Parteizentrale. Haben die Republikaner also die engagierteren Unterstützer, die die Videos nicht nur aufrufen, sondern auch kommentieren? Wohl kaum: Denn unter den zahlreichen Kommentaren zu den Angriffsspots von Romney finden sich auch zahlreiche kritische Kommentare von Anhängern der Demokraten. Dies schlägt sich auch in der nächsten Statistik nieder…


Top 10: Negative Bewertungen

Urheber Titel Neg. Bew.
Romney Day One 1156
Obama Stephanie Cutter: Get the facts on Mitt Romney… 499
Romney A Few of the 23 Million 473
Obama Steel 415
Romney Big Bain Backfire 393
Romney Not Even Half 380
Romney The Promise of America 252
Obama Two Republican Nominees 250
Obama Swiss Bank Account 227
Romney Day One, Part Two 223

Betrachtet man die 10 Videos mit den meisten negativen Nutzer-Bewertungen, so finden sich darin die kompletten Top 5 der am meisten kommentierten Videos (die ja alle von der Romney-Kampagne stammen). Mit anderen Worten: Romneys Angriffsspots wurden auch deshalb am meisten kommentiert, weil die Obama-Anhänger besonders engagiert sind bei der (negativen) Kommentierung und Bewertung der Romney-Videos. Dies spiegelt sich insbesondere in dem „Day One„-Spot von Romney wider, der mit deutlichem Abstand die meisten negativen Bewertungen erhält (1156). Der Konter-Spot von Obama mit Stephanie Cutter auf dem zweiten Platz bekommt nicht einmal halb so viele negative Bewertungen (499).


Top 10: Positive Bewertungen

Urheber Titel Pos. Bew.
Obama Stephanie Cutter: Get the facts on Mitt Romney… 7075
Obama Broken Promises: Romney’s Massachusetts Record 2232
Obama Steel 1394
Obama Mitt Romney: Backwards on Equality 1369
Obama Stephanie Cutter: Get the facts on Karl Rove’s BS 1349
Romney Day One 1196
Obama Swiss Bank Account 1028
Obama Newt Gingrich: Frankly, not Mitt Romney’s biggest supporter 840
Obama Mitt Romney: „I stand by what I said, whatever it was.“ 691
Obama Mitt Romney Versus Reality: Auto Recovery Edition 656

Noch deutlicher wird das große Engagement der Obama-Anhänger auf YouTube allerdings bei einem Blick auf die Top 10 der Angriffsspots mit den meisten positiven Bewertungen. Hierunter findet sich nur ein einziger Romney-Spot! Auch hier belegt der bereits bei den Seiten-Aufrufen bestplatzierte Konter-Spot mit Stephanie Cutter mit deutlichem Abstand den ersten Platz (ca. 7.000 positive Bewertungen). „Day One„, das einzige Romney-Video in diesen Top 10, folgt erst abgeschlagen auf dem sechsten Platz (ca. 1.200 positive Bewertungen).


Fazit

Die obige Auswertung stellt lediglich eine erste Annäherung an den Erfolg der YouTube-Angriffsvideos von Obama und Romney im aktuellen US-Präsidentschaftswahlkampf dar. Eine zentrale Schwäche dieser Auswertung: Die unterschiedlichen Upload-Daten der Videos wurden noch nicht angemessen berücksichtigt. Denn je früher ein Video auf YouTube hochgeladen wurde, desto mehr Zeit stand natürlich für die Seitenaufrufe, Kommentare und Bewertungen zur Verfügung. Um den Erfolg einzelner Videos besser vergleichen zu können, wäre es demnach nötig, die Messung der verschiedenen Erfolgsindikatoren immer im selben Abstand zum Upload-Datum vorzunehmen.

In der vorliegenden Auswertung ging es mir allerdings v.a. um einen ersten Vergleich zwischen Obama und Romney und für diesen Vergleich spielt das beschriebene Probleme eine eher untergeordnete Rolle. Ich hoffe, dass ich es in den kommenden Monaten bis zur Wahl schaffen werde, die nun angefangene Analyse fortzuführen und weiter zu verfeinern. Denn schon jetzt gibt es einige spannende Befunde: Obamas Team ist bislang deutlich erfolgreicher bei der YouTube-Vermarktung ihrer Angriffsspots, zumindest im hier untersuchten Monat Mai. Außerdem sind die Anhänger Obamas auch engagierter bei der Gegner-Beobachtung und -Kommentierung. Und schließlich lässt sich feststellen, dass die Angriffsspots der Super-PACs – im Gegensatz zum Fernsehen – auf YouTube nur eine untergeordnete Rolle spielen. Man darf gespannt sein, wie sich diese Befunde in den kommenden Monaten entwickeln werden…

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