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Campaignwatch: Obama kontert – und wirft Romney jetzt auch gebrochene Versprechen vor

31. Mai 2012
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Gerade eben hatte ich noch auf die verschiedenen Angriffsspot-Serien der Republikaner verwiesen, in denen sie Obama gebrochene Wahlversprechen vorwerfen (“Failed Promises“, “Broken Promises“, “Empty Promises“) und dabei sogar noch von Fox News kräftig unterstützt werden. Da geht Obama auch schon zum Gegenangriff über mit seinem eigenen „Broken Promises“-Angriffsvideo gegen Romney.

Ganz ähnlich wie zuvor Fox News nehmen sich die Demokraten bei ihrem Video über vier Minuten Zeit, um die Regierungsbilanz von Romney in Massachusetts genüsslich auseinanderzunehmen. Doch nicht nur in Bezug auf die Länge ähneln sich das neue Obama-Video und der Fox News-Beitrag: Wieder haben wir es mit aus dem Zusammenhang gerissenen O-Tönen des Angegriffenen (in diesem Fall Romney) zu tun, die gemischt werden mit Statistiken und Bildern, die sein Versagen belegen sollen (besonders haarsträubend:  das Bild eines verfallenen Bootsstegs, für den offensichtlich auch Romney verantwortlich sein soll :-)).

Allerdings findet sich auch zwei zentrale Unterschiede zum Fox News-Beitrag: Denn das Obama-Video schlägt – überraschenderweise – einen deutlich sachlicheren Tonfall an (der auch durch eine relativ zurückhaltende Hintergrundmusik unterstützt wird). Zudem enthält es nicht nur O-Töne von Romney selbst, sondern auch Aussagen von Bürgermeistern und Abgeordneten aus Massachusetts, die seine verfehlte Politik kritisieren. Zwar kann vermutet werden, dass es sich bei diesen Politikern um Demokraten handelt. Trotzdem sorgt diese Komponente für zusätzliche Glaubwürdigkeit, da es sich um opportune Zeugen handelt, die offensichtlich „vor Ort“ waren, als Romney noch in Gouverneur in Massachusetts war und seine Politik aus nächster Nähe beobachtet haben. Diese höhere Glaubwürdigkeit wird auch durch den Verzicht auf allzu dramatische Hintergrundmusik (wie wir sie aus dem Fox News-Beitrag kennen) unterstützt.

Ebenfalls für sehr gelungen halte ich die klare Gliederung des Videos. Nach einer kurzen Einleitung, die belegen soll, dass Romney schon immer (fälschlich) behauptet hat, dass er für Job-Wachstum sorgen werde, folgt die Frage: „So what can we expect from a Romney presidency?“, die dann anhand von drei Kapiteln beantwortet wird: Arbeitsplätze, Steuern & Gebühren, Schulden. Am Ende folgt dann das Fazit: „Romney Economics doesn’t work. It didn’t work in Massachusetts and it’s not gonna work in Washington.“ und der Verweis auf die neue Kampagnen-Seite RomneyEconomics.com.

Fazit: Fox News sollte sich für ihren nächsten Angriffsbeitrag gegen Obama ein Vorbild an diesem Video der Obama-Kampagne nehmen. Denn das Video ist deutlich professioneller, sachlicher und auch einfallsreicher produziert als der Beitrag von Fox News, die sich nicht einmal die Mühe machten, eigene O-Töne zu produzieren, sondern ausschließlich auf Schnipsel aus dem Archiv setzten. Abgesehen von Schnitzern wie dem völlig deplatzierten Bild des verfallen Bootsstegs (Soll Romney wirklich für jeden verfallenen Bootssteg in Massachusetts veranwortlich sein? Und falls ja, wer sagt eigentlich, dass dieser Bootssteg wirklich aus Massachusetts stammt? :-)), die eher für potenzielle Ablehnung als zusätzliche Unterstützung sorgen könnten, halte ich das Video der Obama-Kampagne für ein wirklich gelungenes Beispiel für Angriffskommunikation. Dass der Beitrag von Fox News weniger sachlich, professionell und informativ ausfällt als dieses Kampagnen-Video, sagt eigentlich alles über die journalistische Kompetenz dieses Senders aus.

P.S.: Allerdings muss auch Obama langsam aufpassen, dass sein Image nicht zu stark durch die Negativ-Kampagne gegen Romney bestimmt wird. Aktuelle Umfrage-Ergebnisse sprechen jedenfalls dafür, dass dies mittlerweile bei einigen Wählern der Fall sein könnte, vermutlich auch deshalb, weil sich kürzlich sogar aus der eigenen Partei heraus Kritik am aktuellen Negativ-Wahlkampf erhob. Gleichzeitig sind Romneys Umfrage-Ergebnisse seit dem Ende des parteiinternen Vorwahlkampfs wieder im Aufwind. Obamas Wahlkämpfer sollten sich also dringend überlegen, ob sie weiterhin voll auf Angriff setzen wollen.

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