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Campaignwatch: Obama kämpft mit „friendly fire“ von Cory Booker – und die Republikaner feiern ein Fest

23. Mai 2012
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Cory Booker. Auf diesen Namen dürfte Barack Obama gerade nicht allzu gut zu sprechen sein. Denn Booker, Newarks demokratischer Bürgermeister, hat der Wiederwahl-Kampagne Obamas mit einer Talkshow-Äußerung gerade eine äußerst unerfreuliche Wahlkampf-Episode beschert und den Republikanern eine willkommene Steilvorlage geliefert. Und das gerade von einem Mann, der bereits als möglicher nächster Präsidentschaftskandidat der Demokraten gehandelt wird und schonmal gerne spontan Nachbarinnen aus brennenden Häusern rettet

Was war da passiert? Am vergangenen Sonntag war Booker zu Gast bei „Meet The Press“ und wurde mit einer aktuellen Attack Ad der Obama-Kampagne konfrontiert, die Mitt Romney als erbarmungslosen Heuschrecken-Kapitalisten darstellt (siehe auch unsere Besprechung des Spots). In seiner Reaktion auf den Spot äußerte Booker unter anderem Folgendes:

„As far as that stuff, I have to just say from a very personal level I’m not about to sit here and indict private equity. To me, it’s just we’re getting to a ridiculous point in America. Especially when I know I live in a state where pension funds, unions and other people invest in companies like Bain Capital. If you look at the totality of Bain Capital’s record, they’ve done a lot to support businesses to grow businesses. And this, to me, I’m very uncomfortable with.“

Kurz darauf wird Booker sogar noch deutlicher: „This kind of stuff is nauseating to me on both sides. It’s nauseating to the American public. Enough is enough. Stop attacking private equity, stop attacking Jeremiah Wright. This stuff has got to stop because what it does is it undermines, to me, what this country should be focused on. It’s a distraction from the real issues. It’s either going to be a small campaign about this crap or it’s going to be a big campaign, in my opinion, about the issues that the American public cares about.“

Problematisch an dieser Kritik ist für Obama nicht nur, dass sie aus dem eigenen Lager kommt. Fast noch schlimmer ist, dass sie klingt, als käme sie von ihm selbst  – allerdings vom Obama von 2008. Denn im letzten Präsidentschaftswahlkampf hatte Obama selbst immer wieder betont, wie leid er und die amerikanischen Wähler die alten Machtspielereien der Washingtoner Politiker seien und dass es im Wahlkampf endlich wieder um die wirklich relevanten Themen gehen müsse.

Da hilft es nur bedingt, dass Booker sich in seiner Kritik nicht nur auf den Wahlkampf der demokratischen Seite, sondern auch auf den der republikanischen Seite bezog. Und es hilft vermutlich auch nur bedingt, dass Booker kurz nach dem „Meet The Press“-Interview versuchte, mit einem YouTube-Video alles wieder gut zu machen:

Denn die Republikaner haben die Vorlage Bookers umgehend genutzt. So veröffentliche Reince Priebus, der Vorsitzende der republikanischen Partei einen beißenden Kommentar auf der konservativen Meinungsplattform „Human Events“: „The tactics are so appalling that they are making even some Democrats sick. Yesterday on NBC’s Meet the Press, Democrat Mayor of Newark, Cory Booker, called the campaign’s attacks on Bain Capital ’nauseating‘.“

Doch damit nicht genug: Twitter-Anzeigen der Republikaner sollen sicherstellen, dass der Vorfall sich auch in den sozialen Medien möglichst stark verbreitet. Hinzu kommen zwei neue Attack Ads des RNC und von Mitt Romney, die den Lapsus von Booker genüsslich auswalzen und ihn mit dem Vorwurf garnieren, dass Bookers klärendes YouTube-Video nur durch einen Eingriff von Obama selbst zustande gekommen sei:

Fazit: Schwere Zeiten für Obamas Wiederwahl-Kampagne. Denn Cory Booker hat sich durch seinen Talkshow-Auftritt zum idealen opportunen Zeugen der Republikaner gemacht: Bekanntlich wiegen Angriffe umso schwerer, je näher der Angreifer dem Angegriffenen steht. Und Cory Brooker ist nicht nur Demokrat, er zählt auch zu den offiziellen Wahlkampfhelfern Obamas (sog. „surrogates“). Man kann deshalb davon ausgehen, dass Bookers Interview-Äußerungen zu den Attack Ad-Klassikern der Republikaner in diesem Wahlkampf avancieren werden – ähnlich wie Romneys Äußerung „Let Detroit go bancrupt“ es bei den Demokraten schon jetzt zum Klassiker gebracht hat.

P.S.: Lustige Anekdote am Rande: Kurz vor seinem Interview-Ausrutscher spielte Cory Brooker gemeinsam mit New Jerseys republikanischem Gouverneur Chris Christie (der immer wieder als möglicher Vizepräsidentenkandidat von Mitt Romney gehandelt wird) die Hauptrolle in einem lustigen und selbstironischen YouTube-Video und lieferte damit einen unterhaltsamen Beweis für seine Bemühungen um zwischenparteiliche Entspannung. Ein Schelm, wer da auf die Idee kommen könnte, dass Bookers Äußerungen bei „Meet The Press“ ursprünglich ein weiterer Versuch sein sollten, sich als „über dem Parteizwist“ stehend zu inszenieren…

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