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Campaignwatch: Wie Obama und Romney den Muttertag für den Wahlkampf nutzen

14. Mai 2012
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Der Muttertag ist ja an sich kein wirklich politisches Ereignis. Könnte man meinen. Das sieht allerdings anders aus, wenn in den USA gerade Wahlkampf ist. Und deshalb haben beide Bewerber um das Präsidentenamt YouTube-Videos veröffentlicht, mit denen sie versuchen, den Muttertag für ihren Wahlkampf zu nutzen.

Obama erzählt in seinem Muttertagsvideo zunächst von den drei Müttern in seinem Leben (seiner eigenen Mutter, seiner Großmutter und seiner Frau Michelle) und der Bewunderung, die er für diese drei Frauen empfindet („Michelle is the best mom I know“). Das Ganze wird dabei unterlegt mit Fotos aus dem Familienalbum.

Im letzten Teil des Spots schafft er es dann geschickt, auf das Thema Gesundheitsreform umzuleiten und zu erläutern, warum diese auch gerade für Mütter so wichtig sei. Auch sein „Equal Pay“-Gesetz wird natürlich erwähnt. Insgesamt ein wirklich gelungenes Stück Persuasionskommunikation mit einem ordentlichen, aber nicht unangenehm rührseligen Schuss Human Touch.

Das Video von Mitt Romney wählt einen anderen Ansatz: Hier erzählen fünf Söhne von Mitt und Ann Romney (Ben, Tagg, Matt, Josh und Craig) von ihrer wunderbaren Kindheit mit der – selbstverständlich vorbildlichen – Mutter. Die Anekdoten aus dem Familienleben werden dabei unterlegt mit Video-Aufnahmen aus dem Privatarchiv der Romneys. Natürlich geht es dabei auch um ihre MS-Erkrankung und ihren – natürlich ebenfalls vorbildlichen – Umgang damit.

Aus meiner persönlichen Sicht ist das alles ein wenig „over the top“ (bei Ben sieht es so aus, als würde er gleich anfangen, zu heulen) und mutet daher teilweise schon fast wie ein Nachruf an (v.a. auch am Ende, wenn das Bild einer winkenden Ann Romney eingeblendet wird). Hier wird dann doch ein wenig zu offensichtlich auf die Tränendrüse gedrückt und dem Mutter-Kult gehuldigt. Zudem findet keine Verknüpfung mit den politischen Zielen von Mitt Romney statt, was ich beim Obama-Spot für besonders gelungen und glaubwürdig halte. Aus meiner Sicht also – anders als bei Obama – eher eine vergebene Chance, den Muttertag auch politisch zu nutzen.

P.S.: Auch der Super-PAC „Restore Our Future“, der Romneys Wahlkampf unterstützt, hat übrigens einen Muttertagsspot veröffentlicht. Wie bei einem Super-PAC nicht anders zu erwarten, fällt dessen Tonalität allerdings deutlich anders aus als bei den Spots von Obama und Romney:

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3 Kommentare leave one →
  1. politiksprech permalink
    15. Mai 2012 09:38

    Sehr schöne und interessante Übersicht, Jan!
    Da sieht man eben den Unterschied zwischen „können“ und „wollen“.
    Bzw. den (derzeit auch hier an Popularität gewinnenden) Irrglauben „Emotion“ allein bringt schon den Erfolg. Der Wähler wird dabei wieder unterschätzt. Emotion sollte aber vilemehr als „Türöffner“ bei der Kontaktaufnahme mit dem Wähler dienen, und dann, wenn dessen Interesse geweckt ist, müssen Infos folgen. Das macht ja auch neurobiologisch/psychologisch (hier bist du als KoWi – glaube ich – eher der Experte) Sinn, da man weiß, dass Infos besser aufgenommen und behalten werden, wenn Sie emotional wirken bzw. im Gedächtnis mit einer Emotion verknüpft werden.
    Insofern: „well done“ für das Obama-Lager und „better luck next time“ für Romneys Strategen.

Trackbacks

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  2. Campaignwatch: Wie Obama und Romney den Vatertag für den Wahlkampf nutzen « campaignwatchers.de

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