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Campaignwatch: Neue Plakate von SPD und Piratenpartei in Nordrhein-Westfalen

2. Mai 2012

Über das lange Wochenende war ich im Wahlkampf-Land Nordrhein-Westfalen unterwegs und da sind mir noch weitere Plakate aufgefallen, die ich bislang noch nicht im Blog besprochen habe. Zum einen zwei Kraft-Plakate der SPD, zum anderen einige Personen-/Themen-Plakate der Piratenpartei.

Piratenpartei

Die zweite Themen-Plakatwelle der Piratenpartei stellt einen interessanten neuen Ansatz von Wahlplakaten dar. Es handelt sich um Personenplakate mit Wahlkampf-Slogans. Als Betrachter vermutet man also erst einmal, dass es sich dabei um Kandidaten-Plakate handelt, denn wenn man ein Wahlplakat mit einer einzelnen Person und einem Slogan sieht, dann sind das (bisher) eigentlich immer Kandidatenplakate gewesen.

Nicht so bei der Piratenpartei: Hier handelt es sich quasi um personalisierte Themenplakate. Lukas Lamla von den NRW-Piraten hat mir das auf meine Nachfrage per Mail so erklärt: „Auf den Plakaten handelt es sich ausschließlich um Basismitglieder. Es sind _keine_ Kandidaten dabei. […] Die Fotos wurden auf dem Landesparteitag in Münster gemacht. […] Die fotografierten Mitglieder hatten die Möglichkeit auf einem Erfassungsbogen ihre 3 lieblings Themenfelder zu benennen. Die Sprüche auf den ‚Fotoplakaten‘ stammen aus diesen politischen Themenfeldern. Somit stehen auf den Plakaten die abgebildeten Menschen tatsächlich für den Spruch, der zu lesen ist.“

     

     

Ich halte das zunächst mal für einen interessanten und durchaus gelungenen Ansatz. Gelungen v.a. deshalb, weil Wahlplakate mit Personenfotos deutlich häufiger betrachtet werden und auch sympathischer wirken als reine Textplakate (siehe erste Welle der Piraten-Themenplakate). Interessant deshalb, weil die Piraten auf diese Weise ihre enge Verbindung zur Basis auch auf den Wahlplakaten demonstrieren.

Das Problem ist aber aus meiner Sicht, dass das Konzept keineswegs selbsterklärend ist und man als Betrachter ein wenig allein gelassen wird mit der Interpretation. Ich z.B. war am Anfang wirklich verwirrt und habe die Namen der abgebildeten Personen mit den Direktkandidaten-Listen abgeglichen, konnte sie aber nicht zuordnen. Ich konnte auch nirgends auf der Piraten-Homepage eine Erklärung zum Konzept der Plakat-Reihe finden. Von daher fällt mein Fazit ein wenig gemischt aus: Gut gedacht – nicht ganz so gut gemacht.

Ach ja, wie schon bei der ersten Welle der Themen-Plakate wurde auch bei der zweiten Welle basisdemokratisch über Inhalte und Gestaltung abgestimmt. Dabei ging es einerseits um die Slogans der Plakate, andererseits um die Grundfarbe von einigen der sechs Plakate. So stand beispielsweise das „Tobias“-Plakat noch mit dem Slogan „Mehr Netz. Mehr Neutralität.“ zur Wahl, beim „Isa“-Plakat standen noch die Optionen „Verbraucher schützen. Nicht Profite.“, „Leben schützen. Nicht Profite.“ und „Keine Zensur für Copyrights.“ zur Wahl. Beide Plakate wurden auch  in anderen Farben zur Wahl gestellt.

     

     

SPD

Bei der SPD sind mir zwei neue Plakate mit Hannelore Kraft ins Auge gefallen, ein Großflächenplakat und ein DinA1-Plakat. (Beide konnte ich leider nirgends im Netz finden, sie wurden mir aber freundlicherweise von der SPD auf meine Anfrage hin zur Verfügung gestellt.) Beide Plakate tragen den schon vom ersten Kraft-Großflächenplakat bekannten Slogan „NRW im Herzen“, einmal kombiniert mit dem Namen der Spitzenkandidatin (DinA1), einmal ohne (Großfläche), dafür aber kombiniert mit dem SPD-Logo.

Mein spontaner und ganz persönlicher Eindruck zu dem Großflächenplakat: Das wirkt irgendwie mutti-haft und nicht besonders führungsstark. Eine schräge Kopfhaltung, wie sie bei Kraft auf dem Plakat zu sehen ist, signalisiert ja traditionell eher Schüchternheit oder sogar Unterwürfigkeit (weshalb Frauen z.B. in Bewerbungsituationen – und ein Wahlkampf ist ja eine Bewerbungssituation – strikt davon abgeraten wird). Es handelt sich zwar gleichzeitig um eine typisch weibliche Körpersprache, aber die Frage ist ja, ob das die angemessene Körpersprache für die amtierende Ministerpräsidentin und SPD-Spitzenkandidatin auf einem Wahlplakat ist.

Das DinA1-Plakat spricht da schon eine ganz andere (nonverbale) Sprache: Ein klarer und entschlossener Blick in die Kamera, aufrechte Kopfhaltung und ein optimistisches Lächeln. Dass solche Details durchaus Einfluss auf Wählerbewertungen von PolitikerInnen haben können, zeigen verschiedene deutsche und amerikanische Studien (siehe auch Quellenverweise am Ende des Beitrags).

  

Zum direkten Vergleich hier auch nochmal das Großflächenplakat mit Kraft aus der ersten Welle. Ich denke, dass der Vergleich deutlich macht, dass Kraft hier sehr viel mehr Dynamik und Führungskraft ausstrahlt, ohne dabei unsympathisch zu wirken. Die Motiv-Auswahl beim Großflächenplakat der zweiten Welle halte ich demnach für nicht sonderlich gelungen. Zudem frage ich mich, warum die SPD bei jedem ihrer Kraft-Plakate (und auch bei den Themen-Plakaten) ein anderes Slogan-/Logo-Design einsetzt. Was spricht gegen ein einheitliches Plakat-Design?

Studien zum Einfluss des äußeren Erscheinungsbilds von PolitikerInnen:

  • Ballew, C.C. / Todorov, A. (2007): Predicting political elections from rapid and unreflective face judgments. Proceedings of the National Academy of Sciences (USA), Nr. 104, S. 17948-17953.
  • Lewis, K.E. / Bierly, M. (1990): Toward a Profile of the Female Voter: Sex Differences in Perceived Physical Attractiveness and Competence of Political Candidates. Sex Roles, Nr. 22, S. 1-12.
  • Rosar, Ulrich (2009): Fabulous Front-Runners: Eine Analyse zur Bedeutung der physischen Attraktivität von Spitzenkandidaten für den Wahlerfolg ihrer Parteien. Politische Vierteljahresschrift, Jg. 50, Heft 4, S. 754-773.
  • Rosar, U. / Beckers, T. / Klein, M. (2008): The frog pond beauty contest: Physical attractiveness and electoral success of the constituency candidates at the North Rhine-Westphalia state election of 2005. European Journal of Political Research, Vol. 47, Issue 1, S. 64-79.
  • Rosar, U. / Klein, M. (2005:) Physische Attraktivität und Wahlerfolg. Eine empirische Analyse am Beispiel der Wahlkreiskandidaten bei der Bundestagswahl 2002. Politische Vierteljahresschrift, Jg. 46, Heft 2, S. 263-287.
  • Todorov, A. / Mandisodza, A.N. / Goren, A. / Hall, C.C. (2005): Inferences of competence from faces predict election outcomes. Science, Nr. 308, S. 1623-1626.
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4 Kommentare leave one →
  1. politiksprech permalink
    2. Mai 2012 18:11

    Das 2. Groß-Plakat habe ich hier noch nirgends gesehen. Interessant. Und tatsächlich eher suboptimal. Die Frage des Slogan-/Logo-Desings ist ebenfalls berechtigt.

  2. 2. Mai 2012 20:10

    gut, dass ich wenigstens eine freche Mimik hab, beim Kopf schräg legen. Unterwürfigkeit wäre mir nicht sehr recht gewesen (Chrissie, Plakat grün)

    • 2. Mai 2012 21:36

      Hallo Chrissie,
      leider ist das mit der Interpretation von Körpersprache etwas, das vollkommen unterbewusst abläuft und sehr tief in unserem Wahrnehmungssystem verwurzelt ist (und deshalb auch nur sehr bedingt verändert werden kann). Hier mal ein kleiner Auszug aus einem Bewerbungsratgeber zum Thema schräg gesteller Kopf: „Im Umkehrschluss sollten Frauen unbedingt das „Mädchen-Schema“ vermeiden. Denn ein schief gelegter Kopf, Dauerlächeln und das Hin- und Herdrehen der Schultern strahlen Unsicherheit aus.“ (Quelle: http://berufsstart.monster.de/9258_de-DE_pf.asp) Aber natürlich ist auch die Kombination mit anderen Aspekten der Körpersprache entscheidend, da hast du natürlich recht. Weshalb das Piraten-Plakat mit dir drauf auch eine vollkommen andere (nonverbale) Sprache spricht als das Kraft-Großflächenplakat.
      Viele Grüße
      Jan

    • 2. Mai 2012 23:09

      Hallo nochmal,
      ich habe den Beitrag jetzt nochmal um ein paar Verweise auf entsprechende wissenschaftliche Studien zum Einfluss des äußeren Erscheinungsbilds von PolitikerInnen ergänzt. Eine ganz gute Zusammenfassung der amerikanischen Studien gibt es z.B. hier: http://www.nytimes.com/2012/04/22/opinion/sunday/a-facial-theory-of-politics.html
      Viele Grüße
      Jan

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