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Campaignwatch: Die Plakat-Kampagne der CDU in Nordrhein-Westfalen

19. April 2012

Mit der Analyse der CDU-Plakatkampagne zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen habe ich bis heute gewartet, weil ich überzeugt war, dass da noch mehr kommt als die drei bislang veröffentlichen Plakate. Da dem aber offensichtlich nicht so ist, will ich nicht mehr länger warten und widme mich nun also dem einen Großflächenplakat und den zwei Themenplakaten der CDU, die bislang verfügbar sind.

Mein erster, spontaner und persönlicher Eindruck zum Großflächenplakat mit Kind und Norbert Röttgen: Warum guckt Röttgen nicht das Kind an, sondern in die Kamera? Das bewirkt bei mir sofort die Assoziation, dass hier irgend etwas nicht stimmt bzw. nicht „echt“ ist. Das Plakat strahlt für mich die unausgesprochene Botschaft „Schaut mal, ich bin auch total kinderlieb!“ aus. Das ist alles andere als authentisch, sondern wirkt hochgradig künstlich und gestellt. Mit diesem Urteil bin ich übrigens nicht allein: „Das Kind schaut Röttgen an, er in die Kamera. Es entsteht keine glaubhafte Beziehung zwischen den beiden.“ so Martin Menkhaus, Geschäftsführer der Duisburger Kommunikations-Agentur H2M in einem Artikel von DerWesten.de.

Besser gelungen sind im Vergleich dazu die beiden kleinformatigen Themen-Plakate der CDU, die jeweils mit dem Slogan „Verantwortung statt Verschuldung“ aufwarten, dem zentralen Wahlkampf- und Angriffsthema der CDU gegenüber der amtierenden rot-grünen Regierung. Auf dem ersten Plakat ist eine kleine Familienszene mit Mutter, Tochter und Großvater zu sehen, auf dem zweiten Röttgen mit einigen Menschen (offensichtlich „Bürgern“) im Hintergrund.

Die Familienszene wirkt deutlich authentischer als die Szene mit Röttgen und Kind, trotzdem schleicht sich auch hier das unangenehme Gefühl ein, dass ein wenig zu sehr auf die Gefühlsebene abgezielt wurde. Das liegt meiner persönlichen Einschätzung nach v.a. an dem Stoffhasen des Mädchens, der dann doch ein wenig zu viel des Guten ist. Zudem kann sich der mögliche positive Ausstrahlungseffekt der Szene nicht auf Röttgen auswirken, da dieser auf dem Plakat nicht zu sehen ist. Wie man das besser und auch authentischer machen kann, zeigt das Großflächenplakat der SPD, auf dem Hannelore Kraft in einer Gruppe von kleinen Kindern zu sehen ist.

  

Das zweite Themen-Plakat kann eigentlich nicht wirklich als Themen-Plakat bezeichnet werden, auch wenn es auf der CDU-Homepage so betitelt wird. Zwar enthält es einen thematischen Slogan, ist ansonsten – durch das Porträt-Foto von Norbert Röttgen – aber eher ein Kandidaten-Plakat in Kleinformat. Dieses würde ich als durchaus gelungen bezeichnen, da ein sympathisches und authentisch wirkendes Foto von Röttgen mit seinem zentralen Wahlkampf-Thema „Bekämpfung der Verschuldungspolitik“ verknüpft wird.

Schließlich noch zum Claim der CDU-Kampagne: „Unser Land verdient das Beste.“ Mmh. Habe durchaus schon originellere Claims gehört. Das Problem: Der Claim knüpft an keine zentrale Stärke der CDU an. „Das Beste“, das denkt natürlich jede Partei von sich, da hat die CDU kein Alleinstellungsmerkmal. Ähnlich verwechselbar sind  allerdings auch die Claims von SPD („Gut für NRW“) und Linkspartei („Nur mit uns!“).

Als deutlich gelungener würde ich hingegen die Claims von FDP („Das ist meine FDP“) und Grünen („Grün macht den Unterschied.“) bezeichnen. Hier wird nicht nur ein verwechselbarer Werbesprachen-Spruch auf alle Plakate geklebt, sondern mit dem Claim gleich auch noch eine originelle, stimmige und gleichzeitig subtile Botschaft transportiert. Im Falle der FDP lautet diese in etwa: „Wir haben verstanden, wir besinnen uns wieder auf unsere liberalen Werte.“, im Falle der Grünen: „Wir sind anders als die SPD und die anderen Parteien, es ist wichtig, dass wir an der Regierung beteiligt sind.“

Ach ja, und dann war da ja noch „Norbert Röttgen Wählen = NRW“. :-) Wie leicht sich so ein nettes Wortspiel rächen kann, sieht man an diesem Konter der Grünen:

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4 Kommentare leave one →
  1. politiksprech permalink
    20. April 2012 08:57

    Stimme dir zu, dass Slogans der SPD und CDU austauschbar sind.
    Aber der Claim der Linken -finde ich- hat doch eine klare Aussage, zumindest wenn er mit dem Inhalt des jeweiligen Plakates in Beziehung gesetzt wird.

    Hier etwa das Plakat zur „Millionärssteuer“. Klare Aussage und klare Zuordnung zur Partei: Das gibt es nur mit uns. Ergo: willst du das, dann wähle uns.
    Unabhängig von der Bewertung des Inhalts, wird klar, wofür die Partei steht und was der Wähler von ihr erwarten kann.
    Finde ich ziemlich konkret und somit „nicht austauschbar“.

    • 20. April 2012 09:14

      Mmh, sehe ich nach wie vor anders. Wenn man den Claim „Nur mit uns!“ für sich betrachtet, finde ich ihn absolut verwechselbar. Denn: Das könnte wirklich JEDE Partei über ihre Plakat-Slogans drucken, ohne, dass es weiter auffallen würde. Natürlich versucht im Wahlkampf jede Partei den Eindruck zu erzeugen, dass ihre Forderungen „nur mit ihr“ durchgesetzt werden (ob das stimmt, ist eine andere Frage).

      Was du ansprichst, bezieht sich ja eher auf die glaubwürdige Kombination von Claim und Forderungen. Deiner Einschätzung nach ist die Verknüpfung der Linken-Slogans mit dem Claim „Nur mit uns!“ glaubwürdig und deshalb überzeugend. OK. Auch das trifft aus meiner Sicht aber nur für zwei der Slogans zu, für die anderen beiden aber nicht. Denn für eine beitragsfreie Kita kämpfen auch SPD und Grüne. Die Beiträge für das letzte Kita-Jahr wurden unter der aktuellen rot-grünen Regierung ja sogar schon gestrichen. Noch unglaubwürdiger finde ich, in Verbindung mit „Nur mit uns!“ übrigens „Löhne rauf“. Das grenz ja schon an Volksverdummung und kann nur Leute überzeugen, die noch nie etwas vom Begriff „Tarifautonomie“ gehört haben (anders sähe es aus, wenn auf dem Plakat „Mindestlohn für alle“ stünde, aber selbst das fordert nicht „nur“ die Linkspartei). Konsequenter wäre in diesem Fall dann wohl „Tarifautonomie abschaffen“, da könnte man dann auch wirklich mit Fug und Recht „Nur mit uns!“ drüberschreiben. ;-)

      Viele Grüße
      Jan

Trackbacks

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  2. Campaignwatch: Die Wahlplakate zur Landtagswahl in Niedersachsen, Teil 2: CDU, SPD und Grüne « campaignwatchers.de

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