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Campaignwatch: Analyse der Wahlspots zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein, Teil 3: Linkspartei, Piratenpartei und SSW

18. April 2012
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Und hier kommt auch schon der dritte und letzte Teil unserer Wahlspot-Analyse zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein…

Die Linke

Meine erster, spontaner und persönlicher Eindruck: Das kann nicht der Original-Spot sein, das muss eine Parodie sein! Aber nein: Die Linke hat diesen Spot in Home-Video-Anmutung tatsächlich selbst verantwortet und veröffentlicht. Bei allem Verständnis für ein knappes Wahlkampfbudget: Ganz so hausgemacht muss es auch dann nicht unbedingt aussehen, wie z.B. der aktuelle Wahlspot der Linkspartei in Nordrhein-Westfalen zeigt.

Es spricht nicht unbedingt etwas dagegen, sich im Spot mehr oder weniger auf ein einziges Testimonial zu verlassen, aber dann sollte dieses Testimonial doch etwas mehr Seriösität und Ausstrahlung besitzen als die Dame im Spot der Linkspartei. Dazu kommt das sträfliche Versäumnis, die Wähler nicht auf die Bedeutung der Zweitstimme (für die Linkspartei als kleine Partei ohne größere Aussichten auf das Gewinnen von Direktmandaten) hinzuweisen. Was das selbstgemalte Logo am Ende des Spots betrifft: Ohne Worte.

Fazit: Offensichtlich hofft die Linkspartei auf eine Art Sympathie- oder sogar Mitleidseffekt durch die Home-Video-Anmutung und die „Kleine Frau/kleiner Mann“-Perspektive ihres Spots. Anders ist dieser Spot kaum zu erklären.

Piratenpartei

Auch hier mein erster, spontaner und persönlicher Eindruck: Irgendwie eine seltsame Mischung aus laienhaften Spielszenen und vergleichsweise professioneller Sprecherin und Video-Bearbeitung. Auch die Ernsthaftigkeit der Sprecherin und die offensichtlich humoristischen Intentionen der Laiendarsteller passen irgendwie nicht zusammen.

Der Einstieg (Plattdeutsch: „Und? Schon gehört? Die Piraten kommen.“) und der Ausstieg des Spots (Plattdeutsch: „Und? Siehste schon was?“) wirken ein wenig, als wenn man eine lustige Idee gehabt hätte und diese unbedingt unterbringen wollte, auch wenn sie nicht so recht mit dem restlichen Spot zusammenpassen will. Trotzdem: Der Bezug zur „Landessprache“ ist an sich keine schlechte Idee, ein bisschen Lokalpatriotismus schadet ja bekanntlich nie im Wahlkampf.

Dann geht es richtig los. Sprecherin aus dem Off: „Uns wird ja immer vorgeworfen, wir hätten kein Programm. Dann wär‘ der Spot jetzt hier zu Ende.“ Ist er aber natürlich nicht: Denn im folgenden Teil des Spots wird eine umfangreiche Liste von Wahlkampfthemen der Piratenpartei aufgeführt (Transparenz, Bürgerbeteiligung, regionale Lebensmittel, freies Internet, Ablehnung der Fehmarnbeltquerung, Recht auf Privatsphäre, kostenlose Bildung) und teilweise – man kann es nicht anders sagen – laienhaft nachgespielt.

Auch wenn der Spot es mit der Authentizität der auftretenden Piratenvertreter ein wenig weit treibt (ein wenig Schminke hätte dem ein oder anderen Darsteller sicherlich nicht geschadet) und man auf die Spielszene mit dem bösen Lobbyisten mit Hut und Sonnenbrille (oder soll das der Politiker sein?) lieber verzichten und stattdessen eher auf eine einheitliche Linie (ernsthaft oder lustig) hätte setzen sollen: Der Spot macht auch Vieles richtig.

Da wäre zum einen der glaubwürdige Beweis, dass die Piraten tatsächlich ein Wahlprogramm haben, in dem nicht nur steht: „Wir wollen kostenlose Downloads!“. Das passt gut zum Claim der Kampagne: „Mehr Inhalt“ bzw. www.mehrinhalt.de. Im direkten Vergleich mit dem Sprecher des CDU-Spots (= Spitzenkandidat Jost de Jager) muss sich die Sprecherin des Piraten-Spots zudem keineswegs verstecken. Ganz im Gegenteil. Und die Wahlziele der Piratenpartei werden durch eine – in den meisten Fällen – gelungene Kombination von optischen (Texteinblendungen) und akustischen Informationen (Sprecherin) verdeutlicht.

Fazit: Gutes Konzept, verbesserungsfähige Umsetzung. Die Piraten bekämpfen mit diesem Spot auf jeden Fall geschickt ihr Image als „Kein Programm“-Partei.

SSW

Meine erster, spontaner und persönlicher Eindruck: Wirkt ein bisschen, als hätte man Jost de Jager im CDU-Spot durch Anke Spoorendonk vom SSW ersetzt. Will heißen: Der SSW-Spot verfolgt fast exakt denselben Ansatz wie der CDU-Spot. Der Spitzenkandidat bzw. die Spitzenkandidatin führt den Zuschauer als Sprecher(in) durch den Spot und wird dabei von der Kamera begleitet. Das ist zunächst einmal nicht sehr originell und wird dadurch auch leicht langweilig (siehe Analyse des CDU-Spots).

Dazu kommt: Anke Spoorendonk teilt mit Jost de Jager eine für den Spot entscheidende Eigenschaft. Sie ist weder eine ausgebildete, noch eine außergewöhnlich begabte Sprecherin. Allerdings erwartet man das im Spot einer Kleinstpartei wie dem SSW auch weniger als beim Spot vom Platzhirsch CDU. Zudem hat der SSW-Spot dem CDU-Spot zumindest eins voraus: Eine originelle Idee zur Verbindung der verschiedenen Alltagsszenen. Denn Anke Spoorendonk „erradelt“ sich jede Szene.

Ebenfalls für gelungen halte ich das Konzept, ähnlich wie die Piratenpartei aktiv das Image der Einthemen-Partei zu bekämpfen: „Ich bin Anke Spoorendonk vom SSW. Ach, die mit den Dänen denken Sie jetzt! Richtig und falsch: Wir machen nämlich Politik für alle Menschen in Schleswig-Holstein.“ Woraufhin diese Politik für alle Schleswig-Holsteiner erläutert wird (Investitionen in Bildung, kostenlose Bildung, Mittelstandsförderung, Ablehnung des Nordstaats, Bürgernähe und Unabhänigkeit von der Bundesebene). Nur die Idee mit dem Siegel „Hergestellt und erprobt in Schleswig-Holstein“ wirkt dann doch ein wenig zu gewollt.

Fazit: Auch dem SSW-Spot merkt man das geringe Budget an. Er macht daraus aber deutlich mehr als die CDU aus ihrem sicherlich deutlich größeren Budget. Anke Spoorendonk führt etwas monoton, aber aufgrund der Fahrrad-Idee durchaus sympathisch und originell durch den Spot.

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