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Campaignwatch: Die Plakat-Kampagnen in Schleswig-Holstein, Teil 1: CDU, SPD und Grüne

11. April 2012
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Am 6. Mai wird in Schleswig-Holstein ein neuer Landtag gewählt. Der Wahlkampf ist mittlerweile in vollem Gange, alle Parteien haben nun auch mit der Plakatierung der ersten Welle der Wahlplakate begonnen. Höchste Zeit also, um einen Blick auf die verschiedenen Plakat-Kampagnen zu werfen.

Den Anfang macht dabei die bisherige Ministerpräsidenten-Partei CDU. Diese würde natürlich gerne auch nach dem 6. Mai den Ministerpräsidenten stellen. Sollte dies klappen, würde dieser dann nicht mehr Peter Harry Carstensen heißen, sondern Jost de Jager. Folgerichtig setzt die CDU in ihrem Wahlkampf voll und ganz auf ihren Spitzenkandidaten und Ministerpräsidenten-Kandidaten, den aktuellen Minister für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr.

  

  

Inhaltlich setzt die CDU bei ihren Plakaten auf die Themen Arbeitsmarktpolitik („Arbeitsplätze.“), Haushaltspolitik („Solide Finanzen.“), Energiepolitik („100 % erneuerbare Energien.“), Bildungspolitik („Bessere Bildung.“) und Verkehrspolitik („Verkehrswege ausbauen.“). Jeder Slogan wird dabei verknüpft mit dem Claim „Mit der CDU.“ und einem Foto von Jost de Jager (im Anzug). Bei diesen Fotos hätte etwas mehr Originalität und Abwechslungsreichtum und etwas weniger Formalität und Ernsthaftigkeit sicherlich nicht geschadet, auch wenn man der CDU keine groben Schnitzer vorwerfen kann.

Deutlich abwechslungsreicher als die Foto-Auswahl fällt hingegen die Farbgebung der Plakate aus: Jedes Plakat ist in einer anderen Farbe gehalten, dabei wird auch vor den „Stammfarben“ der politischen Konkurrenz (Rot und Grün) nicht Halt gemacht. Das freundliche Image, das offensichtlich mit Hilfe der Farben transportiert werden soll, war den Gestaltern also wichtiger als der Wiedererkennungswert einer einheitlichen Farbgebung.

Auch die SPD setzt bei ihren Großflächenplakaten voll und ganz auf ihren Spitzenkandidaten Torsten Albig. Die Plakatgestaltung fällt dabei schon deutlich abwechslungsreicher und informeller aus als bei der CDU. So ist Albig in ganz unterschiedlichen Situationen abgebildet, die weniger steif und gestellt wirken als bei de Jager. Auch die SPD verzichtet auf eine einheitliche Farbgebung ihrer Plakate, betont ihr Partei-Logo jedoch deutlich selbstbewusster als die CDU. Hinzu kommt das Herz-Logomit dem Claim „Mein Lieblingsland“, mit dem auch auf die Kampagnen-Seite der SPD Schleswig-Holstein verwiesen wird (mein-lieblingsland.de).

  

Inhaltlich setzt die SPD bei ihren Plakaten auf dieselben Themen wie die CDU, minus Verkehrspolitik und Haushaltspolitik, d.h. auf Energiepolitik („Mein Lieblingsland braucht neue Energie.“), Bildungspolitik („Mein Lieblingsland braucht starke Kinder.“) und Arbeitsmarktpolitik („Mein Lieblingsland braucht gute Arbeit.“). Sicherlich werden diese drei Themen aber in der nächsten Plakatwelle noch um weitere ergänzt, wodurch die thematischen Überschneidungen mit der CDU dann vermutlich noch größer werden dürften.

Während bei CDU und SPD die Betonung ihres jeweiligen Spitzenkandidaten auf den Wahlplakaten durchaus üblich ist (da dieser in den meisten Fällen Aussichten oder zumindest Ambitionen auf den Ministerpräsidentenposten hat), kann es als durchaus überraschend bezeichnet werden, dass auch die Grünen in Schleswig-Holstein diese Strategie wählen. Denn diese sind sonst eher für stark thematisch ausgerichtete und weniger personalisierte Plakat-Kampagnen bekannt (wie kürzlich auch wieder im saarländischen Wahlkampf zu beobachten).

     

  

Die Plakat-Kampagne der Grünen geht dabei noch einen Schritt weiter als die SPD-Kampagne und setzt auf eine äußerst informelle und jugendliche Bildsprache. Der Spitzenkandidat Robert Habeck wird in unterschiedlichen, großenteils eher privat wirkenden Situationen abgebildet. Die verbindenden Elemente sind hierbei die grüne Schrift, der Claim „Für Hier Mit Dir“ (der ein wenig an den Schlecker-Slogan „For You. Vor Ort.“ erinnert) und die Selbstauslöser-Anmutung der Fotos (alle Fotos wirken bewusst so, als hätte Habeck die Kamera selbst gehalten und ausgelöst).

Inhaltlich setzen die Grünen dabei auf eine Mischung aus ironisch-verschlüsselten Themen-Slogans („Iss Es Wie’s Iss“, „Bankenkrise stoppen“, „Zieht Wie Hechtsuppe“) und Lokalpatriotismus („Jede(r) Braucht Watt zum Leben“, „Wir Sind Die Nordlichter“). Ob dabei jeder Betrachter die Botschaften der Themen-Plakate versteht, darf bezweifelt werden. So ergibt sich beim „Bankenkrise“-Plakat eine Text-Bild-Schere, die nur aufgelöst werden kann, wenn man versteht, dass mit der „Bankenkrise“ – ähnlich wie schon bei der NRW-Plakat-Kampagne der Grünen von 2010 – auf „Schulbänke“ und damit auf die Bildungspolitik des Landes angespielt wird.

Auch was ein Windrad mit Hechtsuppe zu tun hat, dürfte nicht für jeden Betrachter unmittelbar nachvollziehbar sein. Hierbei handelt es sich um ein typisches Problem von Wahlplakaten der Grünen, die häufig (zu) hohe Ansprüche an das Vorwissen und die Verarbeitungsmotivation ihrer Zielgruppe stellen und so immer wieder den Eindruck erwecken, dass sich die Partei in ihrer Rolle als Partei der Bessergebildeten durchaus wohl fühlt. Denn es sei noch einmal daran erinnert, dass der durchschnittliche Betrachter eines Wahlplakats für die Plakat-Betrachtung zwischen ein und zwei Sekunden investiert und sich wenig bis gar nicht für Politik interessiert.

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