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Campaignwatch: Die Plakat-Kampagne der Grünen in Nordrhein-Westfalen – Ironie, Wortspiele und ein Seitenhieb in Richtung SPD

11. April 2012

Heute haben nun auch die Grünen in Nordrhein-Westfalen ihre Plakat-Kampagne für die Landtagswahl am 13. Mai vorgestellt. Der erste Eindruck: Hier haben wir es wieder mit einer klassischen Grünen-Kampagne zu tun, ganz anders als die hochgradig personalisierte Plakat-Kampagne der Grünen in Schleswig-Holstein. Zwar taucht auch in NRW die Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann auf zwei Plakaten auf, aber insgesamt liegt der Schwerpunkt doch klar auf thematischer Profilierung. Und auch farblich wird wieder sehr viel deutlicher als in Schleswig-Holstein auf die Signalfarbe Grün gesetzt.

Inhaltlich setzen die Grünen in der ersten Plakat-Welle einen klaren Fokus auf Bildungspolitik („Nur die Beste für unsere Kinder.“, „Grün macht Schule.“) und Energiepolitik („Solar statt so lala.“, „Jede Kraft braucht einen Antrieb.“). Daneben gibt es noch ein Plakat, das aufgrund seines ironisch-verschlüsselten Slogans sowohl als Plakat zur Haushaltspolitik als auch als Plakat zur Gender-Gerechtigkeit verstanden werden kann („Schön, wenn Frauen wieder den Haushalt machen.“). Und schließlich ein Plakat, das relativ offensichtlich als „Abwehr-Plakat“ gegenüber der Piratenpartei interpretiert werden kann („Einmischen possible.“) und wohl die Offenheit der Grünen für elektronische Beteiligungsverfahren demonstrieren soll (ob dafür ein „Gefällt mir“-Button von Facebook das richtige Symbol ist, ist aus meiner Sicht allerdings mehr als fraglich).

      

      

Das Wortspiel „Jede Kraft braucht einen Antrieb“ hat den Grünen dabei offensichtlich so gut gefallen, dass sie es auch noch einmal für ihr erstes Großflächenplakat verwenden. Die SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wird damit gleich auf zwei Plakaten der Grünen als Mobilisierungsfaktor verwendet: Zum einen nach dem Motto „doppelte Frauen-Power unterstützen“ auf dem Haushaltsplakat, zum anderen nach dem Motto „Kraft braucht ein grünes Korrektiv“ auf dem ebenfalls doppeldeutigen Plakat mit den Windrädern. Ein bisschen widersprüchlich, aber vermutlich durchaus funktional und gut auf die Zielgruppe der Grünen ausgerichtet.

(BTW: Ich glaube, dass es sich bei dem Haushaltsplakat um eine Premiere handelt: Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass die Grünen früher schon einmal einen Politiker oder eine Politikerin aus der Partei des jeweiligen Koalitionspartners mit auf einem ihrer Wahlplakate abgebildet hatten.)

Fazit: Die NRW-Grünen setzen sowohl inhaltlich als auch optisch auf klassische Rezepte und Stärken (Themen-Fokussierung, geringe Personalisierung, klare farbliche Signalreize), anders als der grüne Landesverband in Schleswig-Holstein. Eine Parallele, die sich durch fast alle grünen Wahlkampagnen zieht, sind die Stilmittel Ironie und Wortspiele, die von den Grünen so gerne wie von keiner anderen Partei eingesetzt werden. Das mag in vielen Fällen sinnvoll und zielgruppengerecht sein, insbesondere, wenn die Ironie nicht so weit getrieben wird, dass dadurch das (zumindest oberflächliche) Verständnis der Plakate bei weniger politikinteressierten Betrachtern beeinträchtigt wird (wie teilweise in Schleswig-Holstein).

Es fragt sich aus meiner Sicht aber trotzdem, ob es unbedingt nötig ist, mit Slogans wie „Solar statt so lala.“  und „Schön, wenn Frauen wieder den Haushalt machen.“ dem Wortwitz und der Ironie den Vorzug vor halbwegs substanziellen Aussagen zu geben. Wahlplakate sind zwar keine klassischen Informationsmedien, sondern erfüllen v.a. Mobilisierungs- und Verstärkungsfunktionen. Aber wenn die Blödelei zu weit getrieben wird, kann durchaus das Partei-Image (Stichwort: Ernsthaftigkeit) und damit auch die Mobilisierungsfunktion von Plakaten leiden. Und auch mit dem „Einmischen possible.“-Plakat könnten die Grünen ein Eigentor geschossen haben. Denn die hier nahegelegte Assoziation „Einmischen bei den Grünen = Like-Button bei Facebook klicken“ dürfte bei der internet-affinen Zielgruppe (die potenziell den Piraten zuneigt) eher für Kopfschütteln als für Begeisterung sorgen.

P.S.: Und hier die Kampagnen-Präsentation der Grünen auf YouTube:

Nachtrag (14.04.2012): Die Grünen lassen das „Haushalt“-Plakat mit Hannelore Kraft ändern: Der Aufruf „Zweitstimme Grün“ wird entfernt, bereits produzierte Plakate werden nicht ausgeliefert. Wie die Saarbrücker Zeitung berichtet, haben sich die Grünen dazu nach einer persönlichen Intervention von Hannelore Kraft bereiterklärt. So räumte Sabine Brauer, die Wahlkampfleiterin der Grünen, ein, man könne „tatsächlich auf den Gedanken kommen, als stünde die Spitzenkandidatin der SPD an der Spitze einer grünen Zweitstimmenkampagne“. Was aber nicht der Fall ist, weshalb die Plakate nun geändert werden und dann so aussehen:

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3 Kommentare leave one →
  1. Kim Il Possible permalink
    20. März 2013 17:23

    Einmischen Possible? Da hat jemand offenbar zuviel Kim Possible gesehen. Ob die das beste Vorbild für die Grünen darstellt? Die kloppt sich eben gern, besonders mit Shego.

Trackbacks

  1. Campaignwatch: Die Plakat-Kampagnen in Schleswig-Holstein, Teil 2: Piratenpartei, Linkspartei und FDP « campaignwatchers.de
  2. Campaignwatch: Die Wahlplakate zur Landtagswahl in Niedersachsen, Teil 2: CDU, SPD und Grüne « campaignwatchers.de

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