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Neues aus der Forschung: Verständlichkeit, Dogmatismusgrad und Vokabular der Wahlprogramme im Saarland

23. März 2012
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Zum Abschluss unseres Wahlprogramm-Checks zur Landtagswahl im Saarland vergleichen wir noch einmal alle untersuchten Parteien direkt miteinander: Wer kommuniziert am verständlichsten, wer am unverständlichsten? Wer drückt sich in seinem Programm besonders dogmatisch aus? Und: Welche Schlagwörter fallen in den jeweiligen Programmen am häufigsten?

Zunächst zur Verständlichkeit: Betrachtet man die sechs untersuchten Parteien im Vergleich, so ergeben sich drei Gruppen. Die erste Gruppe stellt die CDU mit ihren beiden Programmen, dem Wahlprogramm und dem 100-Tage-Programm, dar. Beide schneiden mit Abstand schlechter ab als alle anderen untersuchten Programme (4,6 bzw. 4,9 Punkte auf dem Hohenheimer Verständlichkeitsindex).

Die zweite Gruppe ist das Mittelfeld aus SPD, Grünen und Piraten. Alle drei Parteien schneiden im Verständlichkeitsvergleich sehr ähnlich ab (6,9 bis 7,5 Punkte auf dem Hohenheimer Verständlichkeitsindex). Die Spitzengruppe bilden schließlich FDP und Linkspartei. Die Linkspartei liegt mit beiden untersuchten Programmen deutlich vor dem Mittelfeld (9,3 bzw. 10,6 Punkte), die FDP punktet v.a. mit ihrem Kurzprogramm, das das verständlichste aller untersuchten Programme darstellt (14,2 Punkte).

Diese Ergebnisse spiegeln sich auch in den Schaubildern zu den durchschnittlichen Wort- und Satzlängen wider. Bei der mittleren Satzlänge erreicht das Wahlprogramm der CDU den höchsten und damit schlechtesten Wert (17,1 Wörter pro Satz), das Kurzprogramm der FDP hingegen den niedrigsten und damit besten Wert (9,8 Wörter pro Satz). Dasselbe gilt für die Wortlänge: 7,11 Buchstaben pro Wort im Wahlprogramm der CDU, 6,4 Buchstaben pro Wort im Kurzprogramm der FDP.

Neben der Verständlichkeit interessierte uns im abschließenden Parteien-Vergleich auch noch der Dogmatismusgrad der Wahlprogramm-Langfassungen. Diesen kann man über das sogenannte DOTA- oder DTA-Verfahren von Ertel (1972) bestimmen. Hierfür werden bestimmte Wörter und Wortgruppe ausgezählt, die auf einen hohen bzw. niedrigen Dogmatismusgrad schließen lassen und anschließend miteinander verrechnet. So lassen beispielsweise die Wörter „immer“, „nie“, „ausschließlich“ und „müssen“ auf einen höheren Dogmatismusgrad schließen als die Wörter „gelegentlich“, „selten“, „auch“ und „können“.

Das Ergebnis der Dogmatismusanalyse zeigt: Keine der untersuchten Parteien drückt sich außergewöhnlich dogmatisch aus. Der Wertebereich des Dogmatismusgrads reicht von 0 bis 1. Keine der Parteien erreicht hier einen Wert von mehr als 0,44 Punkten. Trotzdem lassen sich Unterschiede zwischen den Programmen ausmachen. So liegt die CDU im Parteienvergleich mit 0,28 Punkten am unteren Ende der Dogmatismusskala, die Piraten mit 0,44 Punkten hingegen am oberen Ende. Und das Programm der SPD (0,39 Punkte) weist überraschenderweise einen höheren Dogmatismusgrad auf als die Programm von Linkspartei (0,37 Punkte), FDP (0,34 Punkte) und Grünen (0,33 Punkte).

Betrachtet man schließlich die am häufigsten verwendeten Wörter in den Programmen anhand von sogenannten Wordclouds (erstellt mit wordle.net), so zeigen sich ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen den Parteien. Wie schon in früheren Wahlprogramm-Checks ist die Nennung des eigenen Parteinamens sehr unterschiedlich stark ausgeprägt. So gehen hier CDU und SPD äußerst zurückhaltend vor, während FDP und insbesondere die Piratenpartei ihren eigenen Parteinamen sehr häufig nennen.

Bei der Linkspartei springen darüber hinaus die Wörter „sozialen“ und „Entwicklung“ ins Auge, bei den Piraten hingegen „Universität“ und „Hochschulen“. Von „Bildung“ ist besonders häufig bei FDP und Linkspartei die Rede. Von „müssen“ ist hingegen besonders häufig in den Programmen von SPD und Grünen zu lesen. „Menschen“ stehen sowohl bei CDU und SPD, als auch bei Grünen und Linkspartei im Fokus. Die CDU betont darüber hinaus auch vergleichsweise häufig die „Zukunft“. Wie sich diese für die untersuchten Parteien in den nächsten Jahren entwickelt, wird sich in zwei Tagen um 18 Uhr herausstellen…

Die häufigsten Wörter im Wahlprogramm der CDU:

Die häufigsten Wörter im Wahlprogramm der SPD:

Die häufigsten Wörter im Wahlprogramm der Grünen:

Die häufigsten Wörter im Wahlprogramm der FDP:

Die häufigsten Wörter im Wahlprogramm der Linkspartei:

Die häufigsten Wörter im Wahlprogramm der Piratenpartei:

Literatur zum DOTA-Verfahren nach Ertel:

  • Ertel, Suitbert (1972): Erkenntnis und Dogmatismus. Psychologische Rundschau, Nr. 23, S. 241-269.
  • Günther, Ulrich / Groeben, Norbert (1978): Mißt Ertels Dogmatismus-Textauswertungs-Verfahren Dogmatismus? Ansätze zur Konstruktvalidierung des DTA-Verfahrens. In: Keiler, Peter / Stadler, Michael (Hrsg.): Erkenntnis oder Dogmatismus? Kritik des psychologischen „Dogmatismus“-Konzepts. Köln: Pahl-Rugenstein Verlag, S. 85-131.
  • Stadler, Michael / Huckenbeck, Bernd / Spanuth, Rudolf (1978): Erkenntnistheorie oder Dogmatismus: Validität und innere Konsistenz des DTA-Verfahrens. In: Keiler, Peter / Stadler, Michael (Hrsg.): Erkenntnis oder Dogmatismus? Kritik des psychologischen „Dogmatismus“-Konzepts. Köln: Pahl-Rugenstein Verlag, S. 210-238.

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