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Neues aus der Forschung: Die Verständlichkeit der Wahlprogramme im Saarland, Teil 5: FDP

16. März 2012
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Die fünfte und vorletzte Partei in unserem Wahlprogramm-Check, die FDP, ist die erste Partei, die bis heute sowohl eine aktuelle Langfassung als auch eine Kurzfassung zur Landtagswahl am 25. März veröffentlicht hat. (Die CDU hat neben ihrer Langfassung mittlerweile noch ein sog. 100-Tage-Programm veröffentlicht, dies stellt jedoch keine Kurzfassung des eigentlichen Wahlprogramms dar.)

Dieser Umstand verdient zunächst einmal Anerkennung, denn bekanntlich blieb den Parteien im aktuellen saarländischen Wahlkampf nur sehr wenig Zeit zur Vorbereitung und Erstellung ihrer jeweiligen Wahlprogramme. Kurz heißt im Falle der FDP auch wirklich kurz: Lediglich etwas mehr als 400 Wörter umfasst das FDP-Kurzprogramm im Flyer-Format. Zum Vergleich: Das Kurzprogramm der Linken hat immerhin einen Umfang von etwa 1200 Wörtern.

Doch wie verständlich sind die beiden Programmfassungen der FDP? Betrachtet man die Ergebnisse unserer Analyse, so zeigt sich: Sowohl die Langfassung als auch die Kurzfassung erreichen im parteiinternen Vergleich Spitzenwerte. Bei keiner der bislang untersuchten Landtags- und Bundestagswahlen konnte die FDP verständlichere Wahlprogramme vorlegen. Im Gegensatz zu CDU, SPDLinkspartei und Grünen hat die kurze Vorbereitungszeit bei der FDP also offensichtlich eher zu einer überdurchschnittlichen Verständlichkeit geführt.

Dies ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass bei der Verständlichkeit der Langfassung des Programms durchaus noch Luft nach oben ist. So wurden von anderen Parteien (in anderen Wahlkämpfen) bereits deutlich verständlichere Langfassungen vorgelegt. Beispielsweise erreichte die CDU bei ihren Wahlprogrammen zu den letzten Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen jeweils Werte von über 11 Punkten auf dem Hohenheimer Verständlichkeitsindex.

Auch bei der durchschnittlichen Satz- und Wortlänge erreicht die FDP im parteiinternen Vergleich gute Werte oder sogar beste Werte. Auffällig sind insbesondere die im Vergleich sehr niedrigen Wort- und Satzlängen beim Kurzprogramm, die für eine geringe Komplexität der verwendeten Wörter und Sätze sprechen.

Und tatsächlich: In den FDP-Programmen finden sich deutlich weniger Beispiele für Fachsprache als z.B. in den Programmen von CDU, SPD und Grünen. Ausnahmen sind die Begriffe „Konnexitätsprinzip“ und „Biodiversität“, die ohne nähere Erläuterung verwendet werden.

Etwas negativer fällt das Urteil auf der Satzebene aus. Denn in der Programm-Langfassung stößt man immer wieder auf Beispiele für unnötig lange Sätze. Wie z.B. der folgende und längste Satz im FDP-Programm (56 Wörter): „Die FDP Saar setzt sich dafür ein: wie vorgesehen die videotechnische Überwachung nicht flächendeckend einzusetzen und keine anlasslose automatisierte Kennzeichenerfassung und -speicherung sowie polizeiliche präventive Telefonüberwachung (außer zur Gefahrenabwehr bei hilflosen Personen) durchzuführen oder Onlinedurchsuchung, Video- und Tonüberwachung nicht ohne Tatverdacht in Wohnungen durchzuführen, sie also nicht willkürlich einzusetzen und Menschen nicht unter Generalverdacht zu stellen“.

Fazit: Mit ihren beiden Wahlprogramm-Fassungen legt die Saar-FDP die bislang verständlichsten FDP-Wahlprogramme bei den von uns untersuchten Landtags- und Bundestagswahlen vor. Dies verdient angesichts der kurzen Vorbereitungs- und Erstellungszeit durchaus Anerkennung.

Auch im Vergleich mit den anderen saarländischen Parteien schneiden die FDP-Programme gut ab. Bessere Werte als die Langfassung der FDP erzielt lediglich die Langfassung der Linkspartei. Diese stammt jedoch noch aus dem letzten Wahlkampf von 2009, bei dem bekanntlich deutlich mehr Zeit für die Erstellung der Programme zur Verfügung stand.

Die Kurzfassung des FDP-Programms ist zudem das bislang verständlichste untersuchte Dokument, mit dem sich die saarländischen Wähler über die Wahlziele einer Landtagspartei informieren können.

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