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Neues aus der Forschung: Die Verständlichkeit der Wahlprogramme im Saarland, Teil 3: Die Linke

13. März 2012
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Die erste Partei, die nach der Neuwahl-Verkündung im Saarland ihr Wahlprogramm zur Landtagswahl am 25. März vorlegte, war Die Linke. Schon vier Wochen nachdem am 19. Januar feststand, dass es Neuwahlen geben würde, legte die Partei am 15. Februar ihr Wahlprogramm vor. Diese schnelle Reaktion war möglich, weil Die Linke – anders als die übrigen Parteien – kein umfassendes neues Programm erarbeitete, sondern lediglich eine Kurzfassung, die eine Art „Update“ des Wahlprogramms von 2009 darstellt.

Wie wir aus unseren früheren Untersuchungen zur Wahlprogramm-Verständlichkeit wissen, sind die Kurzfassungen der Wahlprogramme (die im Normalfall als Ergänzung zur jeweiligen Langfassung veröffentlicht werden) fast immer deutlich verständlicher als die entsprechende Langfassung. Offensichtlich geben sich die Parteien bei diesen Kurzversionen mehr Mühe, auf eine volksnahe Sprache zu achten, da einiges dafür spricht, dass sie von den Wählern stärker genutzt werden als die langen Programmfassungen.

Um einen fairen Vergleich mit den anderen Parteien zu gewährleisten, haben wir deshalb bei der Linken sowohl das aktuelle Kurzprogramm als auch das Langprogramm von 2009 untersucht. Auch hierbei muss jedoch einschränkend berücksichtigt werden, dass die für Vorbereitung des Langprogramms von 2009 deutlich mehr Zeit zur Verfügung stand als bei der Erarbeitung der Wahlprogramme für den Wahlkampf 2012.

Betrachtet man die Ergebnisse unserer Verständlichkeitsanalyse, so zeigt sich, dass sowohl das aktuelle Kurzprogramm als auch die Langfassung von 2009 verständlicher abschneiden als die aktuellen Wahlprogramme von CDU und SPD. Im parteiinternen Vergleich fällt das Urteil für beide Programme jedoch unterschiedlich aus: So erreicht das Wahlprogramm von 2009 im Vergleich zu früheren Langfassungen von Wahlprogrammen mit 9,3 Punkten auf dem Hohenheimer Verständlichkeitsindex einen Spitzenwert. Die aktuelle Kurzfassung schneidet mit 10,6 Punkten zwar noch etwas besser ab, liegt damit im parteiinternen Vergleich der Kurzprogramme aber nur auf dem vorletzten Platz. Auch hier scheint sich die kurze Vorbereitungszeit im aktuellen saarländischen Wahlkampf also eher negativ auf die Verständlichkeit des Wahlprogramms auszuwirken.

Auch bei der Satzlänge zeigt sich, dass eine längere Vorbereitungszeit, wie sie z.B. beim Landtagswahlkampf in Rheinland-Pfalz und beim Bundestagswahlkampf 2009 gegeben war, die Bemühungen der Parteien um eine möglichst hohe Verständlichkeit bei den Kurzfassungen positiv beeinflussen kann: Diese Kurzprogramme schneiden mit 9,1 bzw. 11,0 Wörtern pro Satz deutlich besser ab als das aktuelle saarländische Kurzprogramm mit 12,3 Wörtern pro Satz. Allerdings zeigen die Beispiele der Kurzprogramme aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen gleichzeitig, dass eine längere Vorbereitungszeit nicht zwangsläufig zu einer geringeren Satzkomplexität führen muss.

Bei der Wortlänge erreicht das saarländische Kurzpropgramm der Linken parteiintern lediglich den vorletzten Platz unter den Kurzprogrammen, während die Langfassung von 2009 wieder den Spitzenplatz einnimmt. Auch die Wortwahl in den Programmen wird also ganz offensichtlich von der Vorbereitungszeit beeinflusst, die für die jeweiligen Programme zur Verfügung steht. Darüber hinaus spielt die jeweilige Parteiorganisation eine wichtige Rolle, wie der Vergleich der Langfassungen aus den untersuchten Landtags- und Bundestagswahlen zeigt.

Fazit: Aus Wählersicht kann das Vorgehen der Saar-Linken als begrüßenswert bezeichnet werden. Zumindest, was die Verständlichkeit der in den Wahlprogrammen formulierten Ziele angeht. Denn mit der aktuellen Kurzfassung und dem ausführlicheren Wahlprogramm von 2009 stehen interessierten Bürgerinnen und Bürgern zwei deutlich leichter lesbare Informationsangebote zur Verfügung als dies bei CDU und SPD der Fall ist.

Wie verlässlich diese Angebote jedoch über die zukünftige Politik der Linkspartei informieren, ist selbstverständlich eine andere Frage. Ob die alternativen Ansätze der CDU und insbesondere der SPD (mit zweiwöchiger Internet-Diskussion und finaler Parteitagsabstimmung) möglicherweise eine zuverlässigere Prognose erlauben, kann jedoch erst nach der Landtagswahl am 25. März untersucht werden.

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