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Neues aus der Forschung: Die Verständlichkeit der Wahlprogramme im Saarland, Teil 2: SPD

12. März 2012
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Am Wochenende hat nun auch die Saar-SPD ihr Wahlprogramm für die Landtagswahl am 25. März beschlossen und veröffentlicht. Dem war eine zweiwöchige Programm-Diskussion im Internet vorausgegangen. Die SPD verfolgt damit eine grundlegend andere Strategie als die CDU, die sich für eine Art Kandidatinnen-Programm entschieden hat und aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit auf eine parteiinterne Abstimmung des Programms weitgehend verzichtet hat.

Die Frage ist nun, ob und – falls ja – wie sich diese unterschiedlichen Strategien auf die Verständlichkeit der Wahlprogramme auswirken. Vergleicht man die Gesamtverständlichkeit beider Programme, so lässt sich für das SPD-Programm zusammenfassen: Verständlicher als die CDU, aber schlechter verständlich als frühere SPD-Programme.  Auf dem Hohenheimer Verständlichkeitsindex erreicht das Programm einen Wert von 7,5 Punkten, was zwar deutlich besser ist als das Wahlprogramm der Saar-CDU (4,6 Punkte).  Gleichzeitig liegt die SPD damit aber, ganz ähnlich wie die CDU, unterhalb der Werte bisheriger Wahlprogramme aus Landtags- und Bundestagswahlkämpfen.

Offensichtlich wirkt sich die ungewöhnlich kurze Zeit für die Entwicklung der Programme also eher negativ auf deren Verständlichkeit aus.  Dies zeigt sich auch bei der SPD an überdurchschnittlich langen Sätzen und Wörtern. So erreicht das SPD-Programm bei der Satzlänge einen Wert von 15,8 Wörtern pro Satz und liegt damit über dem bisherigen Spitzenwert des SPD-Bundestagswahlprogramms von 2009 (15,5 Wörter pro Satz) und noch deutlicher über den Werten der letzten untersuchten SPD-Landtagswahlprogramme.

Auch bei der Wortlänge stellt die Saar-SPD einen neuen parteiinternen Rekord auf: 6,81 Buchstaben pro Wort wurden von der SPD noch in keinem der Wahlprogramm-Checks seit 2009 erreicht. Ein wichtiger Grund hierfür sind die – an sich löblichen – Bemühungen der SPD um eine gendergerechte Sprache im saarländischen Wahlprogramm. Diese führen allerdings immer wieder zu Wortungetümen wie „VerbraucherInnenschutz“, „ArbeitsmarktakteurInnen“ oder „spielerInnenschutzorientiert“.

Es stellt sich deshalb die Frage, ob es – zugunsten einer deutlich erhöhten Lesbarkeit – nicht eine sinnvollere Alternative wäre, die Ausschreibung einiger besonders umständlicher weiblicher Formen durch einen Hinweis zu Beginn des Wahlprogramms zu ersetzen. In diesem könnte erläutert werden, dass in Fällen, in denen die Ausschreibung der weiblichen Formen zu einer deutlichen Einschränkung der Lesbarkeit führen würde, auf diese verzichtet wurde. Dass aber in diesen Fällen selbstverständlich auch die jeweiligen weiblichen Vertreterinnen mit eingeschlossen sind.

Damit ließe sich auch die verwirrende Inkonsistenz der bisherigen SPD-Bemühungen um eine gendergerechte Sprache vermeiden, die sich gut an folgendem Beispielssatz aufzeigen lässt: „Für einen flächendeckenden Breitband-Ausbau im ländlichen Raum ist eine Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Telekommunikationsanbietern  und  alternativen  InfrastrukturinhaberInnen  oder  mit  den  kommunalen Versorgungsunternehmen zu erwägen.“ Warum es in diesem Satz einerseits „Telekommunikationsanbietern“ heißt, andererseits aber „InfrastrukturinhaberInnen“, dürfte bei einigen Lesern für Stirnrunzeln sorgen. Sind Telekommunikationsanbieter im Allgemeinen männlich, InfrastrukturinhaberInnen aber nicht?

Abgesehen von der Satz- und Wortlänge findet sich im SPD-Programm auch wieder eine Reihe von schönen Beispielen für Politikersprech. So will die SPD u.a. die Krankenhausstruktur „demografiefest“ machen und sieht andererseits in „demografiesensiblen“ Bereichen eine Zukunftsbranche. Auch die Kenntnisse der Begriffe „Konnexitätsprinzip“ und „Prekarsierung“ werden offensichtlich als Vorwissen bei den LeserInnen vorausgesetzt.  Im Abschnitt „Umwelt und Natur schützen“ kommt es schließlich zu einem Paradebeispiel von Passiv- und Nominalstil, garniert mit einem gehörigen Schuss an Fach- und Fremdwörtern: „Der Versauerung des Bodens ist auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse  durch kompensatorische Waldkalkung entgegen zu wirken.“

Fazit: Man darf gespannt sein, ob es die kleinen Parteien besser machen als die beiden großen. Luft nach oben ist jedenfalls durchaus vorhanden.

Nachtrag (13.03.2012): Heute hat die Saar-SPD ein kurzes YouTube-Video veröffentlicht, in dem Heiko Maas das Regierungsprogramm der SPD vorstellt.

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