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Campaignwatch: Mehr Ferien = weniger Jobs? – Die Kampagnen zur Schweizer Ferieninitiative im Vergleich

12. März 2012

Gestern haben die Schweizer in einer Volksabstimmung u.a. darüber abgestimmt, ob der gesetzliche Urlaubsanspruch bis 2018 von bislang vier auf insgesamt sechs Wochen angehoben werden soll. Zwei Wochem mehr Urlaub? Klingt eigentlich gut, sollte man meinen. Die Schweizer haben die Initiative der Gewerkschaft TravailSuisse trotzdem abgelehnt. Deutlich: Etwa 67 Prozent stimmten mit Nein, in keinem einzigen Kanton waren die Ja-Stimmen in der Mehrheit.

  

Dass das Ergebnis derart deutlich ausfiel, dürfte nicht zuletzt das Verdienst der millionenschweren Kampagne „Mehr Ferien = Weniger Jobs“ sein, die von mehreren Schweizer Unternehmerverbänden ins Leben gerufen wurde, um die Ferieninitiative zu Fall zu bringen. So wurde den Schweizern in einem Werbespot nahegelegt, dass auch ihre Krankenhausversorgung durch die Ferieninitiative in Mitleidenschaft gezogen würde:

Der entscheidende Grund für die deutliche Ablehnung der Initiative war aber wohl das Argument der Wettbewerbsfähigkeit, das von den Gegnern im zentralen Slogan „Mehr Ferien = weniger Jobs“ griffig zusammengefasst wurde. Denn wie der Soziologie Kurt Imhof auf Spiegel Online erläutert, herrscht in der Schweiz „eine große Furcht, Wirtschaftskraft an das übermächtige europäische Ausland zu verlieren“.

Allerdings machten es die Befürworter den Gegnern mit ihrem Werbematerial teilweise auch sehr leicht, ihr Vorhaben als spinnertes Wunschdenken abzutun. So räkelt sich im Spot „Jobzilla will mehr Ferien“ ein Dinosaurier am Strand, um kurz darauf zur Arbeit auf der Baustelle verdonnert zu werden. Ernstzunehmende Argumentationshilfen zum Thema „Timeout statt Burnout“ (so der durchaus gelungene Slogan der Initiative) sehen anders aus.

Auch der zweite Spot der Befürworter wirkt eher wie eine satirische Bearbeitung der Ferienintiative. Nachdem man einem frustrierten Büro-Arbeiter per Überwachungskamera beim Zerstören seines Bildschirms zugesehen hat, taucht selbiger plötzlich cocktailschlürfend im Liegestuhl am Strand auf, gefolgt vom Slogan „6 Wochen Ferien für alle!“. Das erinnert ein wenig an das „Reichtum für alle“-Wahlplakat der Linkspartei aus dem Bundestagswahlkampf 2009, das ebenfalls kaum jemand ernst nahm (offensichtlich nicht einmal die Linkspartei selbst).

Fazit: Auch wenn die Schweizer Profis im Abhalten von Volksabstimmungen sind: Was die Persuasionskraft der Abstimmungskampagnen betrifft, könnte die ein oder andere Interessengruppe durchaus noch Nachhilfe gebrauchen. Dies lässt sich auch nur bedingt mit der geringeren Finanzkraft der Befürworter-Kampagne entschuldigen. Denn anders als Werbezeit und Plakatflächen sind Kreativität und zielgruppengerechte Anspracheformen heute – in Zeiten der Social Media – (fast) kostenlos zu haben.

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