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Campaignwatch: Zaubern die Republikaner einen neuen Kandidaten aus dem Hut?

6. März 2012
Auch wenn es in deutschen Medien vereinzelt anders zusammengefasst wird: Eine sichere Entscheidung in Sachen Präsidentschafts-Kandidatur wird auch der heutige Super Tuesday nicht bringen.

Das Wahl-Blog der New York Times, „Fivethirtyeight“ (in Anlehnung an die 538 Menschen, die den Präsidenten wählen) kann sich lediglich dazu durchringen, dass Mitt Romney wohl die absolute Mehrheit der Delegierten aus den zehn zur Wahl gehenden Staaten hinter sich wird vereinigen können.

Das Rennen um das Ticket der Republikaner wird also weitergehen – denn selbst mit den 224 vorhergesagten Delegierten kommt Mitt Romney erst auf 404 Wahlmänner und -frauen für den Nominierungsparteitag, nötig sind aber 1144. Sicher, ein deutlicher Sieg wäre endlich das Zeichen, auf das Romneys Team seit Monaten hoffen dürfte, aber es lohnt sich auch, einer anderen spannenden Frage nachzugehen:

Werden die Republikaner vielleicht einen komplett neuen Kandidaten aufstellen?

Das ist gar nicht so unwahrscheinlich wie es zunächst klingt, denn diese Frage kommt in engen Vorwahlrennen zu irgendeinem Zeitpunkt sicher auf – und sie basiert auf reiner Mathematik: Je stärker mindestens drei gleichberechtigte Kandidaten die Vorwahlen bestimmen, desto unwahrscheinlicher wird eine Mehrheit von 50 % plus X für einen der Kandidaten – und bei den Republikanern gibt es bisher mit Romney, dem ultrakonservativen Rick Santorum, dem konservativen Newt Gingrich und dem ultraliberalen Ron Paul immerhin vier Kandidaten, die schon mehr als 20 Delegierte hinter sich bringen konnten, bei den nationalen Umfragen liegen immerhin die ersten drei regelmäßig über 20 Prozent Stimmanteil.

Und bei einem Streifzug durch die amerikanischen Blogs fällt auf: Die Spekulationen über einen neuen republikanischen Kandidaten kommen immer wieder auf. Für den Fall, dass es tatsächlich einen solchen „White Knight“-Kandidaten geben könnte, werden meistens Chris Christie, Governeur in New Jersey, und Jeb Bush – Bruder von George W. – genannt.

Chris ChristieJeb Bush

Die meisten Beobachter sind sich dann aber doch einig, dass ein komplett neuer Kandidat zu diesem Zeitpunkt ziemlich unrealistisch ist. Ohne bereits bestehende Wahlkampfstrukturen und dickes Konto scheint es schlicht unmöglich, am 6. November Barack Obama zu besiegen.

Wahrscheinlicher ist eine zweite Option, nämlich das sogenannte „deadlock race“ oder die „brokered convention“ – also ein Nominierungsparteitag, zu dem die Vorwahlen keinen Kandidaten mit der Mehrheit der Delegiertenstimmen ausgestattet haben und bei dem es daher zu einer Kampfkandidatur auf dem Parteitag kommt.

Warum die Chance auf eine Convention ohne Mehrheitskandidaten wächst, erklärt Sean Trende von „Real Clear Politics“ hier sehr schön. Die drei Top-Kandidaten sind alle in bestimmten Regionen des Landes stark: Romney an den wirtschaftsstarken Küsten, Santorum im religiösen „Bible Belt“ im Zentrum des Landes und Gingrich im Süden.

Trendes Fazit: Um ein Desaster für die Partei zu vermeiden, ist es dringend nötig, dass endlich ein Kandidat über sein Stammgebiet hinaus Wähler begeistert. Doch zusammenfassend gilt auch hier, dass Mitt Romney als Kandidat deutlich wahrscheinlicher ist, vor allem, wenn er bei den Super-Tuesday-Wahlen endlich etwas Momentum gewinnen kann.

Steve Kornacki von salon.com beschreibt, wie sich auch in früheren Rennen ein „Deadlock Scenario“ andeutete, dann aber nicht zustande kam.

Fazit bleibt trotzdem: Das Rennen bei den Republikanern ist weiterhin weit offen – und das wird es zumindest rechnerisch auch nach dem Super Tuesday bleiben. Einig sind sich die Analysten vor allem in einem Punkt: Von all den Querelen profitiert letztlich Barack Obama. Er liegt im direkten Vergleich mit den möglichen GOP-Kandidaten überall vorne.

(Mit Dank an @tilojung auf Twitter für einige gute Leseempfehlungen)

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