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Campaignwatch: Die Wahlplakate der Saar-Piraten – Auf dem Weg zur etablierten Partei?

28. Februar 2012
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Nun sind auch die Wahlplakate der Piratenpartei im Saarland online verfügbar. Die Partei startet gleich mit acht Themen-Plakaten in den Wahlkampf. Das Themenspektrum ist dabei – sowohl im Vergleich zu früheren Piraten-Kampagnen als auch im Vergleich zu den anderen Parteien – erstaunlich groß: Abgedeckt werden die Themenfelder Bürgerbeteiligung („Mit Herz & Schwarmverstand“), Online-Überwachung/Datenschutz („Einmal mit Profis“), Verwaltungstransparenz („Transparenz im Staatswesen“), Bildungspolitik („Lernziele statt Lehrpläne“), Familienpolitik („Familie hat viele Gesichter“), Kapitalismuskritik („Erst der Mensch, dann der Markt“), Umweltpolitik („Lebenswerte Umwelt erhalten“) und Wahlrecht ab 16 („Jana (16) hätte gerne die Wahl“).

     

     

Die Piraten-Kampagne hebt sich somit deutlich von den Plakat-Kampagne der übrigen Parteien ab. Zwar gibt es gewisse thematische Überschneidungen mit den Grünen und der SPD (Bildungspolitik, Umweltpolitik), aber der Hauptteil der Wahlkampf-Themen der Piratenpartei wird von keiner anderen Plakat-Kampagne aufgegriffen.

Im Gegensatz zu früheren Wahlkämpfen will sich die Piratenpartei im saarländischen Wahlkampf offensichtlich deutlich breiter aufstellen und konzentriert sich deshalb nicht nur auf ihre Kernthemen Transparenz und Netzpolitik, sondern auch auf klassischere Politikfelder wie Bildungs- und Umweltpolitik. Darüber hinaus werden etablierte, aber eher randständige Themen in die Kampagne integriert, die in früheren Wahlkämpfen eher bei Linkspartei (Kapitalismuskritik) und Grünen (Wahlrecht ab 16) angesiedelt waren.

Aus strategischer Perspektive kann diese Vorgehensweise als zweischneidig bezeichnet werden: Einerseits könnten durch die Verbreiterung des Themenspektrums neue Wählergruppen erschlossen werden. Andererseits droht durch die vielen Wahlkampfthemen das bislang klare und andersartige Profil der Piratenpartei verloren zu gehen. Denn eine breitere Themenbasis bedeutet zwangsläufig auch eine Annäherung an die etablierten und ebenfalls breit aufgestellten Parteien.

Auch steigt mit einer Zunahme der Wahlkampfthemen die Schwierigkeit, mit einzelnen Themen im Gedächtnis der Wähler haften zu bleiben, da die Wiederholungsrate bei den Plakatkontakten zwangsläufig sinkt. Es ist darüber hinaus mehr als fraglich, ob die Piraten auf den Themenfeldern Bildungs- und Umweltpolitik mehr als einen Blumentopf gewinnen können, da sie es hier sehr schwer haben dürften, gegen die Themenkompetenz der Platzhirsche in diesen Feldern (SPD bzw. Grüne) anzukommen.

Auch optisch grenzen sich die Piraten-Plakate von früheren Piraten-Kampagnen ab, die eher auf Grafiken statt Fotos setzten und die Parteifarbe Orange stärker betonten. Stattdessen erinnern die Saar-Plakate stark an ehemalige Plakat-Kampagnen der Grünen, insbesondere an die Grünen-Kampagne zur letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg:

     

Fazit: Die Piratenpartei grenzt sich zwar nach wie vor mit ihren Kernthemen Transparenz und Netzpolitik von den übrigen Parteien ab und besetzt darüber hinaus etablierte Außenseiter-Themen und auch Außenseiter-Positionen (siehe Plakat zur Familienpolitik): Dennoch ist bei der Plakat-Kampagne der Saar-Piraten – im Vergleich zu früheren Plakat-Kampagnen – eine deutliche Annäherung an die etablierten Parteien festzustellen – sowohl optisch als auch in Bezug auf die Breite des Themenspektrums.

Nachtrag (19.03.2012): Über die Wahlplakat-Analyse auf Design Tagebuch bin ich gerade auf dieses YouTube-Video der Saar-Piraten gestoßen, in dem die Wahlplakate aus dem Saarland einzeln vorgestellt werden. Toller Service!

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