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Campaignwatch: Obama verschenkt Auto-Aufkleber – vermutlich nicht ohne Hintergedanken

18. Februar 2012
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Dass die Obama-Homepage über ein umfangreiches Merchandising-Angebot verfügt, habe ich hier ja bereits einmal thematisiert. Wem das alles bislang zu teuer war, der kann sich jetzt freuen, denn nun gibt es Obama/Biden-Aufkleber für die Auto-Stoßstange kostenlos! Und das sogar in drei Farb-Varianten. Einfach nur die Adresse angeben und schon wird einem der Aufkleber zugeschickt.

Hinter dieser Aktion steckt natürlich mehr als ein simpler Marketing-Gag. Denn wie wir durch Elisabeth Noelle-Neumann wissen, verfügen Menschen über ein „quasi-statistisches Wahrnehmungsorgan“. D.h. wir machen uns ständig ein Bild von der Verteilung der Meinungen in der Öffentlichkeit und von der Entwicklung dieser Meinungsverteilung. In diese Abschätzung fließen einerseits Medieninformationen ein, andererseits aber eben auch Beobachtungen aus dem direkten sozialen Umfeld wie eben Aufkleber auf Auto-Stoßstangen oder die in den USA ebenfalls beliebten Kandidaten-Schilder im Vorgarten.

Der Clou: Menschen, die den Eindruck haben, ihre Meinung sei im Aufsteigen begriffen oder schon in der Mehrheit, äußern sich bereitwilliger in der Öffentlichkeit, bekennen sich eher öffentlich durch Meinungsäußerungen, Verhalten oder Symbole zu ihrer Meinung, als diejenigen, die glauben, mit ihrer Meinung zu den Verlierern oder zur Minderheit zu gehören. Schafft man es also, durch öffentliche Hinweise wie die besagten Aufkleber, die Wahrnehmung einer (vermeintlichen) Mehrheitsmeinung zu erzeugen, dann kann sich dieser Effekt durch den Einfluss auf die Gesprächsbereitschaft weiter verstärken, sowohl positiv als auch negativ: Es kommt zur sog. „Schweigespirale„. (Gleichzeitig kann es natürlich genauso auch zu einer „Redespirale“ kommen – nur hat Noelle-Neumann immer eher den negativen Effekt auf die Redebereitschaft betont und untersucht.)

Das war z.B. im Fall von „Stuttgart 21“ recht gut zu beobachten. Hier waren die „Stuttgart 21“-Gegner sehr erfolgreich mit der Verbreitung von Auto-Aufklebern und Ansteckern, während die Befürworter zunächst auf solche Werbemittel verzichteten. Hinzu kamen die wöchentlichen Demonstrationen der Gegner vor dem Bahnhof. Auf diese Weise hatten viele Stuttgarter lange Zeit den Eindruck, dass die Gegner in der Mehrheit seien. Bis die Volksabstimmung zeigte, dass es sich hierbei tatsächlich nur um eine vermeintliche Mehrheitsmeinung gehandelt hatte – die Gegner waren zwar sichtbarer bzw. hörbarer gewesen, aber trotzdem in der Minderheit.

Wer mehr über die Theorie der Schweigespirale (und auch über die berechtigte Kritik an vielen Teilen der Theorie) erfahren will, der kann sich entweder die Zusammenfassung auf Wikipedia durchlesen oder auch mal in diese beiden Aufsätze von Donsbach und Noelle-Neumann reinschauen:

Elisabeth Noelle-Neumann (1980): Die Schweigespirale: Öffentliche Meinung – unsere soziale Haut. Langen-Müller: München.

Wolfgang Donsbach, Robert L. Stevenson (1986): Herausforderungen, Probleme und empirische Evidenzen der Theorie der Schweigespirale. In: Publizistik, Band 31, S. 7–34.

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