Skip to content

US-Wahlkampf, Lektion 18: Wahlkampf ist alles und alles ist Wahlkampf

7. Februar 2012
tags:

Wie die Süddeutsche Zeitung und die New York Times berichten, hat der US-Präsidentschaftswahlkampf mittlerweile auch Auswirkungen auf Organisationen, die eigentlich gar nicht in den Wahlkampf involviert sind. So kündigte letzte Woche die „Susan G. Komen for the Cure“, eine Stiftung, die sich dem Kampf gegen Brustkrebs verschrieben hat, überraschend an, ihre Kooperation mit der Stiftung „Planned Parenthood“ zu beenden.

Grund hierfür ist ein Ermittlungsverfahren, das der republikanische Abgeordnete Cliff Stearns aus Florida gegen „Planned Parenthood“ eingeleitet hat. Er will prüfen lassen, ob „Planned Parenthood“ Steuergelder verwende, um Abtreibungen zu finanzieren. Offensichtlich fürchtete man bei „Susan G. Komen for the Cure“, die Ermittlungen könnten der Stiftung schaden und es erschweren, Spendengelder einzutreiben.

Es ist vermutlich kein Zufall, dass das Ermittlungsverfahren gerade jetzt eingeleitet wurde. Schließlich spielte das Thema Abtreibung in den bisherigen Vorwahlen der Republikaner eine wichtige Rolle. Insbesondere Rick Santorum versuchte immer wieder, das Thema für sich zu nutzen. In einem Interview zur Causa „Planned Parenthood“ spielte er zudem erneut auf einen angeblichen Zusammenhang von Abtreibung und Brustkrebs an:

Für „Planned Parenthood“ hatte der Aufruhr letztlich v.a. positive Konsequenzen: Die Zahl der Facebook-Freunde von „Planned Parenthood“ wuchs innerhalb der letzten Tage um mehr als 10.000, gleichzeitig wurden ein Spendeneingang von etwa einer Million Dollar verzeichnet. Zudem haben sich mehrere prominente Politiker, u.a. New Yorks republikanischer Bürgermeister Michael Bloomberg solidarisch mit „Planned Parenthood“ erklärt.

Die Folge: Nancy G. Brinker, die Gründerin der „Susan G. Komen for the Cure“-Stiftung erklärte sich auf YouTube und verkündete, dass die Kooperation mit „Planned Parenthood“ nun doch fortgesetzt werde:

Ob dies als Sieg des Social Webs über die konservativen Medien und Meinungsmacher angesehen werden kann, ist umstritten. Während Keach Hagey den Vorfall als Anlass nahm, auf Politico.com einen Kommentar über die Macht des Social Webs zu veröffentlichen, zeigte sich Gail Collins in einem Kommentar für die New York Times sehr viel skeptischer: Nach der „Planned Parenthood“-Kontroverse sei klar, dass es in den USA kein Thema mehr gebe, dass sich nicht für den Streit zwischen Demokraten und Republikanern instrumentalisieren lasse. Dabei sollte Brustkrebs doch eigentlich das letzte Thema für einen Parteienstreit sein, schreibt Collins: „Everybody hates cancer and everybody likes breasts — infants, adults, women, men. Really, it’s America’s most popular body part.“

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: