Skip to content

US-Wahlkampf, Lektion 16: Richte deine Wahlkampfstrategie an deiner Position in den Umfragen aus

26. Januar 2012

Es ist schon faszinierend zu beobachten, wie eng im amerikanischen Vorwahlkampf der Zusammenhang zwischen der aktuellen Position des jeweiligen Kandidaten im „Horse Race“ und seiner Wahlkampfstrategie ist.

Wir erinnern uns: Mitte Dezember lag Newt Gingrich sowohl bei den nationalen Umfragen als auch bei den Umfragen in Iowa, dem ersten Vorwahl-Staat, vor Mitt Romney. Die Folge: Gingrich verzichtete auf Negative Campaigning und lobte sich in seinen Wahlspots dafür, dass er sich um Lösungen kümmere, während die anderen nur mit Dreck werfen würden. Schon damals hatten wir vorhergesagt, dass er diese Strategie wohl nur so lange beibehalten würde, wie er in den Umfragen vor Romney liegen würde. Und siehe da: Kaum wurde Gingrich Anfang des Jahres von Romney in den Umfragen überholt, packte er selbst die Dreckschleuder aus:

Bei Romney hingegen ergibt sich das entgegengesetzte Bild: Fragte er im Dezember noch in einer Attack Ad „With friends like Newt, who needs The Left?“, richtete er nach seinem guten Abschneiden bei den Vorwahlen in Iowa und New Hampshire seinen Angriffswahlkampf neu aus. Nun waren nicht mehr seine (vermeintlich abgehängten) republikanischen Herausforderer das Ziel seiner Attacken, sondern einzig und allein sein „wahrer“ Gegner Obama. Auch in den TV-Debatten konzentrierte sich Romney von da an voll und ganz auf Obama und wich den scharfen Angriffen der anderen Kandidaten aus, ohne zurückzuschlagen.

Wie sich kurz darauf in den Umfragen zeigte, war dieser Strategiewechsel offensichtlich verfrüht. Denn nach den beiden letzten TV-Debatte vor der Vorwahl in South Carolina schossen Gingrichs Umfragewerte in die Höhe, während Romneys Werte einbrachen. Am Ende gewann Gingrich die Vorwahl in South Carolina mit großem Abstand vor Romney. Hierfür mag es mehrere Gründe gegeben haben. Aber aufgrund früherer Vorwahlen weiß man auch, dass gerade die Wähler in den frühen Vorwahl-Staaten etwas gegen „natürliche“ bzw. „unausweichliche“ Kandidaten haben und diesen gerne zeigen, wie leicht sie die vermeintliche „Unvermeidbarkeit“ erschüttern können.

Nun ist Gingrich wieder obenauf, und seit einer Woche wurde von seinem Wahlkampf-Team kein Angriffsspot mehr gegen Romney veröffentlicht. Romney dagegen hat wieder voll auf Angriff umgeschaltet und überzieht Gingrich gleich mit einem ganzen Feuerwerk an Attack Ads:

Doch der steile Aufstieg von Gingrich in den Umfragen in Florida, wo am kommenden Dienstag die nächste Vorwahl stattfindet, ist bereits wieder vorbei. Auch bei den Google-Anfragen, die immer ein guter Indikator für das viel zitierte „Momentum“ der Kandidaten sind, hat Romney in Florida und landesweit nach einem kurzen Zwischenhoch von Gingrich mittlerweile wieder gleichgezogen. Es könnte also bald schon wieder der nächste Strategiewechsel bei einem oder beiden Kandidaten vor der Tür stehen…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: