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Campaignwatch: Wer und was verhalf Gingrich zum Sieg in South Carolina?

22. Januar 2012

Wie in meinem gestrigen Blog-Beitrag bereits vermutet, hat Newt Gingrich die Vorwahlen in South Carolina gewonnen. Dass der Sieg so klar ausfiel (Gingrich: 40,4 Prozent, Romney: 27,8 Prozent), ist dennoch eine Überraschung. Um die Bedeutung dieser Vorwahl für den weiteren Wahlkampf bewerten zu können, lohnt sich deshalb ein Blick auf die Exit Polls (siehe auch die Analyse von Michael D. Shear auf The Caucus):

  • Entgegen den Erwartungen liegt Gingrich mit 38 Prozent auch bei den weiblichen Wählern deutlich vor Romney (29 Prozent). Dieses Ergebnis kann vielleicht als die größte Überraschung des Wahlabends gelten, denn mehrere Gründe hatten hier ein schlechtes Abschneiden Gingrichs erwarten lassen. Da war zum einen das Interview mit Gingrichs Ex-Frau, in dem ihm diese vorwarf, sie zu einer offenen Ehe gedrängt zu haben. Dazu kamen zwei gefälschte E-Mails, die an zahlreiche republikanische Anhänger verschickt wurden und in denen Gingrich unterstellt wurde, dass er (nach eigener Aussage) eine seiner Ex-Frauen zur Abtreibung genötigt hätte.
  • Auch bei den unabhängigen Wählern schnitt Gingrich (31 Prozent) etwas besser ab als Romney (25 Prozent). Dieser hatte mit 34 Prozent leglich bei Wählern, die sich als „moderat bis liberal“ bezeichneten, knapp die Nase vor Gingrich (31 Prozent), der wiederum bei den gemäßigten (41 Prozent) und sehr konservativen Wählern (48 Prozent) mit deutlichem Vorsprung siegte (Romney: 30 bzw. 19 Prozent).
  • Santorum gelang es lediglich, bei denjenigen Wählern eine deutliche Mehrheit (51 Prozent) zu erzielen, die Abtreibung als wichtigstes politisches Thema genannt hatten. Diese machten jedoch nur acht Prozent der Befragten aus. Deutlich mehr Wähler bezeichneten die Wirtschaft (63 Prozent) bzw. den Bundeshaushalt (22 Prozent) als das drängendste politische Thema. Und in diesen beiden Wählergruppen hatte Gingrich (45 bzw. 40 Prozent) wieder einen deutlichen Vorsprung vor der Konkurrenz. Hier überrascht v.a. das schlechte Abschneiden von Romney (23 bzw. 32 Prozent), das auch dessen Status als Obamas gefährlichster Herausforderer untergräbt, der bislang immer mit seiner Wirtschaftskompetenz begründet wurde.
  • Hierfür sprechen auch folgende Ergebnisse der Exit Polls: Den meisten Vorwählern (48 Prozent) war bei den Kandidateneigenschaften die Einschätzung am wichtigsten, welcher der Kandidaten am ehesten Obama schlagen kann. Auch bei diesen Wählern schnitt Gingrich mit 51 Prozent deutlich besser ab als Romney (37 Prozent). Der Versuch des Super-PACs, Gingrich als einzig aussichtsreichen Herausforderer Obamas aufzubauen, scheint also zumindest in South Carolina von Erfolg gekrönt worden zu sein.
  • Auch bei den Wählern, denen die Erfahrung der Kandidaten am wichtigsten war (21 Prozent) lag Gingrich mit 49 Prozent vor Romney (34 Prozent). Den größten Vorsprung vor Romney erzielte Gingrich erwartungsgemäß bei den Wählern, denen am wichtigsten war, dass der Kandidat „ein echter Konservativer“ ist (38 bzw. zwei Prozent). Lediglich bei Wählern, denen ein „starker moralischer Charakter“ der Kandidaten am wichtigsten war, landete Gingrich mit sechs Prozent abgeschlagen hinter Santorum (42 Prozent), Paul (31 Prozent) und Romney (19 Prozent).
  • Die Ergebnisse der Exit Polls bestätigen zudem, dass Gingrich seinen Sieg tatsächlich den spät entschlossenen Wählern zu verdanken hat. So liegt er bei den Wählern, die sich erst am Wahltag oder unmittelbar davor entschieden hatten, mit jeweils 44 Prozent deutlich vor Romney (26 bzw. 21 Prozent), während dieser mit 36 Prozent lediglich bei Wählern knapp vorne liegt, die sich bereits seit einigen Wochen für einen Kandidaten entschieden hatten (Gingrich: 34 Prozent).
  • Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht ist schließlich noch folgendes Ergebnis erwähnenswert: 31 Prozent der Befragten äußerten die Meinung, dass Romney die unfairste Wahlkampagne geführt habe, 25 Prozent werfen dies Gingrich vor. Damit liegen beide relativ nahe beieinander und deutlich vor dem Rest das Bewerberfeldes (Paul: 13 Prozent, Santorum: 6 Prozent). Hier zeigt sich offensichtlich die Auswirkung der Unterstützung beider Kandidaten durch die millionenschweren Super-PACs Winning Our Future bzw. Restore Our Future, die den jeweiligen Gegenkandidaten mit einer Flut von Attack Ads überzogen.

Fazit: Die Vorwahlen in South Carolina setzen den republikanischen Vorwahlkampf noch einmal auf Null. Romneys Nimbus als natürlicher Herausforderer Obamas, der sich v.a. auf seine Wirtschaftskompetenz und seine Sympathien bei den unabhängigen Wählern stützte, ist – wie man an den Ergebnissen der Exit Polls deutlich erkennen kann – gründlich erschüttert worden.

Die spannende Frage ist nun, ob es sich bei dieser Wahl lediglich um einen Ausreißer bzw. einen einmaligen „Denkzettel“ der Wähler handelte, die in einzelnen Vorwahlen gerne als „unvermeidbar“ geltende Kandidaten abstrafen.

Dies wird sich eventuell schon bei der nächsten Vorwahl in Florida am 31. Januar zeigen. Noch führt Romney hier deutlich in allen Umfragen. Doch die Ausgangslage in South Carolina sah vor zwei Wochen ganz ähnlich aus. Und da hatte Gingrich noch keinen Erdrutschsieg in der vorangegangen Vorwahl im Rücken…

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