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Medien-Kampagne(n) gegen Wulff?

13. Januar 2012

Seit einigen Tagen verlagert sich die Diskussion um Bundespräsident Wulff ja zunehmend in Richtung einer allgemeinen Diskussion zum Thema „Rolle und Aufgaben(erfüllung) der Medien“ in Deutschland. Viele Artikel beschäftigen sich dabei mit der Frage, ob es eine Medienkampagne gegen Christian Wulff gibt und – falls ja – wer genau daran mitwirkt. Ich will deshalb hier vier aktuelle Online-Beiträge empfehlen (und zusammenfassen), die sich meiner Einschätzung nach auf sehr sachliche und erhellende Weise mit dieser Thematik auseinandersetzen.

Stefan Niggemeier belegt in zwei Blog-Beiträgen sehr eindrücklich, dass einige Journalisten in ihrer (großenteils absolut berechtigten) Empörung über Herrn Wulffs Verhalten offensichtlich leider bestimmte Grundregeln journalistischer Redlichkeit vergessen. Und hierbei geht es nicht nur um die allseits (und zu Recht) geschmähte Bild-Zeitung, sondern auch um seriöse Medien wie den Tagesspiegel, Spiegel Online, Reuters und die dpa.

Der große Aha-Effekt dabei: Wulff hat im ARD/ZDF-Interview überhaupt nicht angekündigt, die vielzitierten „400 Fragen, 400 Antworten“ zu veröffentlichen. Zwar kündigte er an, dass seine Anwälte am nächsten Tag „alles ins Internet einstellen“ würden und die Bürgerinnen und Bürger dann “ jedes Detail zu diesen Abläufen sehen und bewertet sehen“ könnten. Aber diese Ankündigung fiel zu einem völlig anderen Zeitpunkt als das Zitat mit den „400 Fragen, 400 Antworten“. Wer das – angesichts der vielfach anders lautenden Berichterstattung nicht glauben will oder kann, der kann sich das Interview gerne noch einmal anschauen. Ich habe das selbst auch getan und kann Niggemeiers Ergebnis nur bestätigen (die relevanten Zitate fallen an den Stellen ab Minute 9:50 und 19:34):

Nicht ganz so erschütternd, aber auch sehr erhellend fallen die Ergebnisse von Niggemeiers Dokumentation zum Thema „Anruf von Wulff bei Döpfner“ aus. Wie sich hier nachweisen lässt, berichteten einige Medien wiederholt über diese Meldung, als sei es eine Neuigkeit, obwohl längst darüber berichtet worden war. Offensichtlich lässt sich bei einem Top-Thema wie der Wulff-Affäre der Nachrichtenfaktor „Neuigkeit“ bzw. „Überraschung“ auch ganz einfach erfinden, ohne, dass irgendjemand Einspruch dagegen erhebt (mit Ausnahme von Stefan Niggemeier).

Diese ernüchternden Befunde zur Berichterstattungsqualität einiger Qualitätsmedien und Nachrichtenagenturen sollten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, welches Medium in der ganzen Angelegenheit das eigentliche Problem ist: die Bild-Zeitung. Auch diesen Befund begründet Niggemeier in seinem Blog-Beitrag „Vom Glück, „Bild“ zu sein“ sehr umfassend und plausibel. Die negativen Konsequenzen für das Verhältnis zwischen Medien und Bürgern, die sich daraus ergeben und die letztlich dazu führen könnten, dass Christian Wulff am Ende als „lachender Dritter“ dasteht, zeigt wiederum Jakob Augstein in seiner Kolumne „Die Medien und der böse Wulff“ sehr treffend auf.

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