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Fundstück: Game Change

26. November 2011

Heute mal ein Buch-Tipp aus dem nicht wissenschaftlichen Bereich. „Game Change“ von den beiden amerikanischen Top-Journalisten John Heilemann and Mark Halperin ist ein extrem spannender, unterhaltsamer und v.a. auch lehrreicher Blick hinter die Kulissen des amerikanischen Präsidentschafts(vor)wahlkampfes. Es geht darin um den letzten (Vor)wahlkampf von 2007 und 2008 zwischen Barack Obama, Hillary Clinton und John Edwards auf der einen Seite und John McCain und Sarah Palin auf der anderen Seite.

Das Buch liest sich verblüffenderweise wirklich spannend wie ein Krimi, man kann es kaum noch aus der Hand legen, wenn man es einmal angefangen hat. Gleichzeitig ist es aber sehr seriös recherchiert und auch sehr sachlich geschrieben. Die Inhalte beruhen auf über 300 Interviews der Autoren mit über 200 Personen, die an den Wahlkampagnen beteiligt waren. Laut den Autoren wurde so gut wie jede geschilderte Szene im Buch von mindestens zwei beteiligten Personen bestätigt. Auch die verwendeten Zitate stammen entweder von den jeweiligen Urhebern selbst, von Anwesenden oder aus Protokollen.

Nach der Lektüre des Buchs hat man eine deutlich fundiertere Sicht auf die Hintergründe des amerikanischen Wahlkampf-Systems und die enorme Belastung, die der etwa zweijährige Wahlkampf um das Präsidentenamt bedeutet. Dabei ergeben sich teilweise auch erschütterende Eindrücke von den beschriebenen Politikern und ihrem Verhalten im Wahlkampf. So wird beispielsweise geschildert, wie John Edwards während seines Wahlkampfs eine Affäre mit einer seiner Mitarbeiterinnen einging, die immer unerfreulichere Konsequenzen für sein gesamtes Team hatte.  So musste die Affäre ständig vertuscht werden, was angesichts des immer offensiveren und rücksichtsloseren Auftretens seiner Geliebten zunehmend zu einer Belastung für die gesamte Wahlkampagne wurde.

Zudem wird deutlich, dass die Niederlage von Hillary Clinton gegen Barack Obama im Vorwahlkampf zu einem großen Teil auch durch die mangelhafte interne Kommunikation in „Hillaryland“ verursacht wurde. Dazu gehörte auch das Problem, dass Bill Clinton zeitweise jegliche Anweisungen von Hillarys Beratern missachtete und seinen Beitrag zum Wahlkampf nach seinen eigenen Vorstellungen leistete. Beispielsweise beschloss er gegen die eindringlichen Bitten des Wahlkampfteams, auf eigene Faust Wahlkampf in South Carolina zu machen, einem Staat, der aufgrund seines hohen Anteils von Afro-Amerikanern für Hillary von vornherein nicht zu gewinnen war.

„Game Change“ wird aufgrund seines großen Erfolgs in den USA momentan auch von HBO fürs Kabelfernsehen verfilmt. Mit prominenter Besetzung: Julianne Moore spielt Sarah Palin, Ed Harris spielt John McCain und Woody Harrelson spielt den Wahlkampfberater Steve Schmidt. Die Besetzungen von Barack Obama und Hillary Clinton wurden noch nicht bekanntgegeben.

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