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Campaignwatch: Same-Sex-Marriage und wirtschaftliche Erholung – Obamas neue Wahlkampf-Offensive

11. Mai 2012
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Gestern hat das Obama-Kampagne eine neue Spot-Offensive gestartet, die sehr gut die aktuelle Wahlkampf-Strategie des amtierenden US-Präsidenten erkennen lässt. Diese besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: Zum einen versucht Obama, sein historisches Bekenntnis zur “Same-Sex-Marriage” für den Wahlkampf zu nutzen, indem er es – passend zum “Forward”-Motto seiner Kampagne – mit der “Rückständigkeit” von Mitt Romney in dieser Frage kontrastiert.

Es ist im Moment noch schwer zu sagen, ob das Thema Same-Sex-Marriage Obama wirklich entscheidende Stimmenvorteile einbringen wird. Aber einiges spricht dafür, dass es für ihn zumindest mehr Chancen als Risiken birgt. In einigen relevanten Wählergruppen (insbesondere natürlich bei Schwulen und Lesben selbst, sowie deren Angehörigen, aber auch bei anderen jungen und höher gebildeten, weißen Wählern) dürfte es auf jeden Fall für eine deutlichen Zunahme der Mobilisierung für Obama sorgen. In anderen relevanten Wählergruppen, wie den Afro-Amerikanern, die dem Thema eher skeptisch gegenüberstehen, dürfte zumindest kein vergleichbarer Demobilisierungseffekt eintreten.

Die zweite Säule des aktuellen Obama-Wahlkampfs ist die Betonung der ökonomischen Erfolge des Präsidenten. Hierfür wird insbesondere auf Obamas Rettung der amerikanischen Auto-Industrie verwiesen, die sich im Rückblick als richtige Entscheidung erwiesen hat. Gleichzeitig wird dabei natürlich immer wieder auch Romneys “Let Detroit go bancrupt”-Zitat ausgeschlachtet, mit dem sich dieser sicherlich keinen Gefallen für den Wahlkampf getan hat.

Dieser zweiter Teil von Obamas Wahlkampf-Strategie ist sehr viel weniger riskant als der erste. Denn auf dem Feld der Wirtschaftskompetenz hat er nur wenig zu verlieren. Hier führt sein Herausforderer Romney in allen bisherigen Umfragen haushoch. Die Zielsetzung Obamas ist deshalb klar: Der Kompetenz-Vorsprung von Romney auf diesem Feld soll zumindest so weit verringern werden, dass die Wirtschaftskompetenz für unabhängige Wähler kein Hinderungsgrund mehr ist, für Obama zu stimmen.

Hierfür wird auch immer wieder auf die Statistik verwiesen. Und diese zeigt, zumindest nach den Zahlen, die uns Obamas Wahlkämpfer präsentieren, dass es nach dem Amtsantritt von Obama wirtschaftlich bergauf ging mit den USA. Dass Romney und die Republikaner in ihren Spots ganz andere Zahlen präsentieren, versteht sich von selbst. Aber auch hier wäre es für Obama schon ein Erfolg, wenn sich bei den Wählern der Eindruck einstellen würde, dass er nicht eindeutig zu einer Verschlechterung der Wirtschaftslage beigetragen hat – und vielleicht sogar zu einer Verbesserung.

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4 Kommentare leave one →
  1. 11. Mai 2012 15:27

    Bislang schien mir die Aufteilung so dass Obamas Vize Joe Biden sich klar positiv zum Thema “equal sex marriage” positioniert und sich Obama selbst etwas staatsmännisch-distanziert zurückhält. Das jetzige klare Bekenntnis Obamas hat mich – auch angesichts des Vorpreschens von Biden bei NBC am Wochenende – schon gewundert.

    Im mittleren Westen dürfte das jedenfalls Obamas Position nicht gerade stärken und am Dienstag gabs ja einen herben Dämpfer in North Caroolina.

    Interessant dürfte nun die Positionierung der Republikaner werden, vor allem auch hinsichtlich des Vize den sich Mitt Romney als designierter Kandidat auswählt. Eigentlich würde doch jetzt viel für einen sehr konservativen Vize oder wahlkampftaktisch noch besser eine Frau sprechen. Gibt es da schon entsprechende Umfragen?

    • 11. Mai 2012 22:33

      Ja, dazu gibt es Umfragen (denn wozu gibt es keine Umfragen im amerikanischen Wahlkampf? ;-)). Eine von CNN in Auftrag gegebene Umfrage kommt z.B. zu dem Ergebnis, dass eine knappe Mehrheit von 26 Prozent der republikanischen Anhänger für Condoleeza Rice als VP-Kandidatin sind. Auf Platz 2 folgt Rick Santorum mit 21 Prozent, Platz 3 teilen sich Marco Rubio und Chris Christie mit je 14 Prozent.

      Anders sieht es allerdings aus, wenn man sich die Tea-Party-Anhänger anschaut. Dort führt Rubio die Liste an (22 Prozent), gefolgt von Christie (18 Prozent). Dahinter erst folgen Rice und Santorum auf dem gemeinsamen dritten Platz.

      Ich persönlich halte Santorum für sehr unwahrscheinlich. Dafür war der Vorwahlkampf zwischen ihm und Romney doch ein wenig zu heftig, außerdem könnte es mit ihm zu einem ähnlichen Debakel kommen wie mit Sarah Palin, denn ihm fehlt jegliche außenpolitische Erfahrung. Letztlich könnte es also tatsächlich auf die Entscheidung Frau (Rice) vs. Konservativ (Rubio/Christie) hinauslaufen. Für Rice spricht aus meiner Sicht dabei, dass sie sie jede Menge außenpolitische Erfahrung, eine hohe Bekanntheit, das richtige Geschlecht und die richtige Hautfarbe mitbrächte. Denn mit ihr könnte sich Romneys Team Hoffnungen machen, auch in typisch demokratischen Wählergruppen wildern zu können (weibliche und afro-amerikanische Wähler). Momentan spricht daher aus meiner Sicht einiges für Condoleezza Rice als VP-Kandidatin.

      Hier der entsprechende Artikel, in dem auch auf die genauen Ergebnisse der Umfrage verlinkt wird: http://politicalticker.blogs.cnn.com/2012/04/18/cnn-poll-republicans-divided-on-vp-choice

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